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Der Fluch der Hofburg

Seit sieben Jahrzehnten beherbergt die Hofburg die Nachfolger der Habsburger, die sich gerne im kaiserlichen Schatten sonnen. Unsere Staatsoberhäupter haben viel weniger zu reden als ihre kaiserlichen Vorgänger, an deren oft spartanischem Lebensstil finden sie keinen Geschmack. Zur Zeit erwägt man sogar, sie nach ihrer Amtszeit mit Büro, Chauffeur und anderen Bequemlichkeiten zu versorgen. Nur die Kapuzinergruft ist ihnen verwehrt. So bleibt ihnen nach ihrem Ableben die Namensnennung ohne Titel erspart. Auf die Frage "Wer begehrt Einlass?" folgt die Nennung des Vornamens und die Bezeichnung "ein sündiger Mensch". So eine Demütigung darf es in einer Republik wie der unseren nicht geben.

Mit philharmonischen Klängen wurde der derzeitige Amtsinhaber verabschiedet. Wer weiß, ob die Wahlwiederholung im Herbst gelingt. Was aber wäre unser Land ohne Bundespräsidenten? Festspiele ohne Festredner, Empfänge ohne Glanz, der Opernball ein Bezirkskränzchen, die Armee ein Häuflein Elend. Künftige Hof-und sonstige Räte müssten ohne Titel ihre Arbeit verrichten, Ordensträger auf ihre Orden verzichten, der Operettenstaat auf die Operette.

Mehr Inhalt, weniger Repräsentation. Das dafür vorgesehene Budget würde beeindruckend schrumpfen. Die noch aus der Monarchie stammenden Strukturen könnten reformiert werden. Kein Hof, keine Burg, kein Balkon, kein Museum der einzig wahren Geschichte. Der Heldenplatz müsste nicht neugestaltet werden, die Sammlung alter Musikinstrumente nirgendwohin übersiedeln. Die Hofburg wäre von ihrem Fluch erlöst. Sogar der geheime Plan, den jeweiligen Präsidenten am Heldenplatz auf dem Pferd von Erzherzog Carl reiten zu lassen, wäre zunichte. Armes, seines verschwenderischen Lebensgefühls beraubtes Österreich. Es wäre seine Chance.

Der Autor ist Kulturmoderator beim Privatsender ATV

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