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Der Frosch am Kreuz

Eine gute Entscheidung: Der gekreuzigte Frosch von Martin Kippenberger im Bozener "Museion" wird nicht abgehängt, sondern bleibt bis zum Ende der Ausstellung am 21. September zu sehen. Das Kunstwerk ist bereits Ende Juli vom Eingangsbereich des Museums in den dritten Stock übersiedelt. Die Abhängung war zu befürchten, nachdem der Papst dem Kunstwerk gefährlich nahe gekommen war: Er urlaubte in Brixen. Und schrieb einen Brief an jenen Politiker der Südtiroler Volkspartei, der in Hungerstreik getreten war, um die religiösen Gefühle vor Kippenbergers Plastik zu schützen. Dass sich auch Italiens Kulturminister Sandro Bondi kritisch zu Kippenbergers gekreuzigtem Frosch äußerte, komplettierte die unheilige Allianz von Staat, katholischer Kirche und dumpfer Lokalpolitik.

Stiftungsrats-Präsident Alois Lageder hatte mit seinem Rücktritt gedroht, sollte das Kunstwerk abgehängt werden. Traurig, dass es in unseren Breiten noch heute einen derartigen Einsatz braucht, um die Entfernung der Arbeit eines anerkannten Künstlers aus einem Museum zu verhindern. Aus einem Museum, das niemand besuchen muss, dessen religiöse Gefühle die Konfrontation mit einem Werk nicht aushalten, das keine Christentums-Karikatur sein will, sondern in dem der Künstler sich selbst mit dem leidenden Jesus gleichsetzt und gleichzeitig ironisiert.

Wer kann sich angesichts der Vorgänge in Bozen noch wundern, dass Muslime gegen die Mohammed-Karikaturen in dänischen Zeitungen Sturm gelaufen sind? Das Aufheulen jener Liberalen, die meinten, die Muslime sollten sich an die westliche Pressefreiheit gewöhnen, habe ich angesichts des Druckes auf das Bozener Museum vermisst. Aber auch konservative Katholiken springen selten in die Bresche, wenn es nicht um "ihren" Jesus, sondern nur um den Propheten der Muslime geht.

cornelius.hell@furche.at

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