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Der Kardinal und seine Kunst

Es sei "hoch an der Zeit", dass die Nazarener neu entdeckt würden, meinte Kardinal Schönborn bei der Eröffnung der Ausstellung der Kreuzweg-Zeichnungen von Joseph Fürich in der Albertina; Vorurteile habe es gegen sie gegeben, die überwunden werden müssten. Wenn ein Kardinal gegen Vorurteile auftritt, kann man schwer widersprechen. Klaus Albrecht Schröder machte auch gleich den Ministranten und konnte das zutiefst christliche Weltbild des Künstlers "spüren und fühlen".

Spüren und fühlen konnte man dabei auch die bekannten Vorurteile des Kardinals gegen abstrakte Kunst. Darum hat er ja auch die "Imago"-Gruppe gefördert - keines ihrer Mitglieder hat Rang und Namen, aber sie arbeiten gegenständlich und sind christlich, das ist die Hauptsache. Doch der Kampf wird immer mit feiner Klinge geführt. Nur nicht offen sagen, Monsignore Otto Mauer, der große Förderer der Avantgarde, habe sich geirrt - auch wenn man ihm liebend gerne einen postumen Kündigungsbrief unter die Türmatte legen möchte.

Als Domorganist Peter Planyavsky aus dem Amt gedrängt wurde, fielen ebenfalls keine Worte gegen moderne Musik und Liturgiereform, für die Planyavsky steht; aber die Hymne zum Mitteleuropäischen Katholikentag klingt halt doch feierlicher und gefällt besser.

Auch das Literarische Forum der Katholischen Aktion erfuhr für seine Auseinandersetzung mit der Gegenwartsliteratur nie eine diözesane Unterstützung; dem Kardinal war eher Gertrud von Le Fort ein Anliegen.

Impulse zur Auseinandersetzung mit der Gegenwartskunst kommen von Österreichs größter Diözese nicht, und ihr Kunstbeauftragter ist in der Kunstszene völlig unbekannt. Aber jezt ist es eh vorbei mit der Moderne. Jetzt müssen die Nazarener wiederentdeckt werden. Da war halt noch Kunst, die für Verkündigung brauchbar war.

cornelius.hell@furche.at

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