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Literaturnobelpreis für Peter Handke

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Feuilleton

Der lebensfrohe Sisyphos

1945 1960 1980 2000 2020

Am 6. Dezember wird Peter Handke 74. Corinna Belz widmet dem renommierten und umstrittenen Schriftsteller einen erhellenden Film.

1945 1960 1980 2000 2020

Am 6. Dezember wird Peter Handke 74. Corinna Belz widmet dem renommierten und umstrittenen Schriftsteller einen erhellenden Film.

Beobachte nicht, prüfe nicht, sondern bleib geistesgegenwärtig bereit für die Zeichen. Sei erschütterbar." Am Ende des Films rezitiert Peter Handke diese Worte aus einem Monolog der Nova in "Über die Dörfer". Wenn man sein Stück aus dem Jahr 1981 heute wieder liest und dazu den Film "Peter Handke - Bin im Wald, kann sein, dass ich mich verspäte" anschaut, stellt man verblüfft fest, dass Handke damals seinen Lebensimperativ entwickelt hatte.

Das "neue Zeitalter", von Nova in pathetischem Ton formuliert, war vor allem eine an sich selbst gerichtete Beschwörung einer Sehnsucht. Die Frage "Wie soll man leben", die Handke 1971 zu Beginn seines Films "Chronik der laufenden Ereignisse" stellte, hatte er für sich beantwortet. Und Corinna Belz' Dokumentarfilm zeigt dies nun in den fast 90 Minuten: Handke beim Reden, Sticken, Kastanienschälen, Zeichnen, Pilzeputzen, Brotschneiden, Vorlesen, Übersetzen, Spazierengehen, Gärtnern.

Bei allen Verwandlungen Handkes währen der 50 Jahre seines Œuvres - vom Sprachkritiker der "Publikumsbeschimpfung" bis zum epischen Erzähler der "Langsame Heimkehr"-Tetralogie und von "Die Wiederholung", dann, in den Jugoslawien-Texten, die Revitalisierung des sprachkritischen, essayistischen Elements und schließlich die Rückkehr zum Erzählen: Er hat sich nie irgendwelchen Trends oder anderen äußeren Einflüssen gebeugt. Darauf ist Handke im Film spürbar stolz. Er habe sich immer behauptet. Denn damals, also in den 1950er-und 60er-Jahren in der Kärntner Provinz, sei das Schreiben ein "Tabubruch" gewesen.

Scheu vor Menschen

Es begann weniger mit seinem Erstling "Die Hornissen" als mit der fast gleichzeitig stattgefundenen Premiere des Stückes "Publikumsbeschimpfung" und der Auflehnung gegen den Gruppe-47-Realismus in Princeton 1966. Als 1969, im Gespräch mit Friedrich Luft, von dem Belz Ausschnitte zeigt, darauf die Rede kommt, lächelt der damals 27-Jährige leicht spöttisch.