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Der polygame bleiche König

Will man wissen, wann der kulinarische Frühling be-ginnt, fragt man am besten eine(n) Franzensdorfer(in). "Es dauert nicht mehr lange“, versicherte mir Isabella Unger, dann gibt es endlich den Marchfeldspargel. Die Chefin von "Spargel Unger“ prostete mir dabei mit reifem Grünen Veltliner zu. Womit wir schnell bei der Diskussion nach dem idealen Wein dazu angelangt waren. Die Grundfrage jedes gelungen "Foodmatchings“ - bei aller Abneigung gegen Anglizismen: "Speise- und Wein-Paarung“ klingt noch ärger - lautet ja "Kontrapunkt oder Harmonie?“. Bei Spargel geht beides, denn die Beigabe gibt den Takt vor.

Für Freunde der verstärkenden Aromen-Kombination lassen sich die nussigen Aromen des Gemüse-Königs vom sortentypischen "Nusserl“ des Neuburgers gut begleiten. Besonders, wenn auch noch Butterbrösel ins Spiel kommen, hilft auch die Säure zu einer gewissen Leichtigkeit. Bei der ebenfalls nicht allzu leichten Sauce Hollandaise wiederum wäre es Zeit für einen Weinvorschlag, der "dagegenhält“, etwa ein Muskat oder der oft unterschätzte Zierfandler.

Man kann das Aromenspiel rund um die bleichen Stangen aber auch umdrehen. Kommt der trockene Traminer aus dem Keller, macht die Vinaigrette ein süß-saures Gedicht aus der Asparagus-Mahlzeit. Will man hingegen einen gut gereiften Chardonnay zum Spargel servieren, dann kommt zum Beispiel der Speckmantel ins Spiel, ein wenig Kräuterbutter tut es aber auch, und der Tag wird ein Fest. Denn österreichischer Wein und der heimische Spargel - ob aus dem Seewinkel oder vom Marchfeld, aus dem Lavanttal oder Leonding - verstehen sich generell prächtig.

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