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Feuilleton

DER REGISSEUR ZU "SAFARI"

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Wo die Menschheit heute steht

Ulrich Seidl empfing die FURCHE beim Filmfestival von Venedig zum Gespräch über seinen neuen Film "Safari".

DIE FURCHE: Was interessiert Sie an der Jagd? Ulrich Seidl: Jagd wirft die Frage auf, warum Menschen auf Tiere schießen. Hinzu kommt die Komponente, dass ich in Afrika gedreht habe, wo findige Unternehmer diese Jagd auch Touristen aus aller Welt anbieten - man jagt hier, während man Urlaub macht - und diese Kombination hat mein Interesse geweckt. Jagen ist menschlich, es liegt offensichtlich in den Genen, zumindest bei Männern. Auf der anderen Seite hat die Jagd in der Öffentlichkeit ein sehr schlechtes Image. Man fragt sich, ob man das vertreten kann. DIE FURCHE: Kann man Jagd denn vertreten?

Seidl: Das kann man nicht so einfach beantworten. Man muss zwischen der Jagd in heimischen Wäldern und der touristisch organisierten Großwildjagd unterscheiden. Ich bin in diesem Sinne kein ausgesprochener Jagdgegner, sondern hinterfrage, unter welchen Voraussetzungen die Jagd stattfindet.

DIE FURCHE: Sie inszenieren selbst bei Dokumentarfilmen weite Teile Ihrer Bilder. Wie weit haben Sie den doch recht unkalkulierbaren Prozess des Anpirschens mitgeformt?

Seidl: Ein bisschen Wahrheit ist bei mir schon dabei, nicht alles ist Inszenierung. Aber selbst, wenn die Kamera sich viel bewegt, wie in diesem Fall, nehme ich dennoch großen Einfluss auf sie. Mein Hauptinteresse galt hier den Menschen, die sich eine solche touristische Reise antun, und wie sie durch den Busch pirschen. Was machen sie vor dem Schuss, wie reagieren sie danach?

DIE FURCHE: Der Film ist nur vordergründig ein Film über eine Safari. In Wahrheit geht es doch ums Menschsein. Wo verorten Sie "Safari" auf Ihrem künstlerischen Weg?

Seidl: Am Anfang einer neuen Arbeit habe ich nie vor, mit einer genauen Vorstellung da hineinzugehen. Ich habe lediglich ein mehr oder weniger eingegrenztes Thema. Ich fasse nicht den Plan, einen metaphorischen Film übers Menschsein zu machen. Es ergibt sich eher. Deshalb kann ich den Film auch nicht einordnen. Die Jagd als Thema symbolisiert hier aber sehr gut, wo wir als Menschheit heute stehen, nämlich an einem Punkt, an dem sichtbar wird, dass wir uns selbst irgendwann einmal abschaffen werden, so hat es den Anschein. Weil wir alles rücksichtslos ausbeuten und zerstören.

Wo die Menschheit heute steht

Ulrich Seidl empfing die FURCHE beim Filmfestival von Venedig zum Gespräch über seinen neuen Film "Safari".

DIE FURCHE: Was interessiert Sie an der Jagd? Ulrich Seidl: Jagd wirft die Frage auf, warum Menschen auf Tiere schießen. Hinzu kommt die Komponente, dass ich in Afrika gedreht habe, wo findige Unternehmer diese Jagd auch Touristen aus aller Welt anbieten - man jagt hier, während man Urlaub macht - und diese Kombination hat mein Interesse geweckt. Jagen ist menschlich, es liegt offensichtlich in den Genen, zumindest bei Männern. Auf der anderen Seite hat die Jagd in der Öffentlichkeit ein sehr schlechtes Image. Man fragt sich, ob man das vertreten kann. DIE FURCHE: Kann man Jagd denn vertreten?

Seidl: Das kann man nicht so einfach beantworten. Man muss zwischen der Jagd in heimischen Wäldern und der touristisch organisierten Großwildjagd unterscheiden. Ich bin in diesem Sinne kein ausgesprochener Jagdgegner, sondern hinterfrage, unter welchen Voraussetzungen die Jagd stattfindet.

DIE FURCHE: Sie inszenieren selbst bei Dokumentarfilmen weite Teile Ihrer Bilder. Wie weit haben Sie den doch recht unkalkulierbaren Prozess des Anpirschens mitgeformt?

Seidl: Ein bisschen Wahrheit ist bei mir schon dabei, nicht alles ist Inszenierung. Aber selbst, wenn die Kamera sich viel bewegt, wie in diesem Fall, nehme ich dennoch großen Einfluss auf sie. Mein Hauptinteresse galt hier den Menschen, die sich eine solche touristische Reise antun, und wie sie durch den Busch pirschen. Was machen sie vor dem Schuss, wie reagieren sie danach?

DIE FURCHE: Der Film ist nur vordergründig ein Film über eine Safari. In Wahrheit geht es doch ums Menschsein. Wo verorten Sie "Safari" auf Ihrem künstlerischen Weg?

Seidl: Am Anfang einer neuen Arbeit habe ich nie vor, mit einer genauen Vorstellung da hineinzugehen. Ich habe lediglich ein mehr oder weniger eingegrenztes Thema. Ich fasse nicht den Plan, einen metaphorischen Film übers Menschsein zu machen. Es ergibt sich eher. Deshalb kann ich den Film auch nicht einordnen. Die Jagd als Thema symbolisiert hier aber sehr gut, wo wir als Menschheit heute stehen, nämlich an einem Punkt, an dem sichtbar wird, dass wir uns selbst irgendwann einmal abschaffen werden, so hat es den Anschein. Weil wir alles rücksichtslos ausbeuten und zerstören.