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Feuilleton

Der Unfug von der gespaltenen Persönlichkeit

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Viele Menschen glauben noch immer, dass es sich bei der Schizophrenie um das bizarre Phänomen handelt, bei dem zwei verschiedene Persönlichkeiten in einem Körper wohnen. Dr. Jeckyll und Mr. Hyde sozusagen. Doch Schizophrenie ist vielmehr eine psychische Erkrankung, die durch Störungen des Denkens, der Wahrnehmung und der Affekte gekennzeichnet ist. Und sie ist eine gar nicht so seltene Krankheit: Von 10.000 Menschen erkrankt laut der Weltgesundheitsorganisation WHO pro Jahr einer an Schizophrenie.

Schizophrenie tritt in vielen Gestalten auf: Die wichtigsten Symptome sind völlig unrealistische, kulturell unangemessene Wahnvorstellungen, das Hören kommentierender oder dialogischer Stimmen, das Gefühl, dass einem eigene Gedanken weggenommen werden oder dass die Gedanken von außen eingegeben bzw. gelenkt werden. Ein Kranker kann etwa von der Vorstellung besessen sein, dass Außerirdische mittels telepathischer Fähigkeiten in seinen Kopf eindringen.

Wie bei jeder anderen psychischen Erkrankung liegt die Ursache in einer Verkettung biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren. Die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer Psychose steigt durch das Zusammenwirken mehrerer Risikofaktoren: Geburtskomplikationen und Virusinfektionen im Säuglingsalter machen Menschen ebenso anfälliger für Schizophrenie wie auch Missbrauch, Vernachlässigung, physische und psychische Gewalt während der Kindheit. "Ein wichtiger umweltbedingter Risikofaktor ist das Aufwachsen in Städten“, weist Gabriele-Maria Sachs, ärztliche Direktorin der Landesnervenklinik Wagner-Jauregg in Linz, auf ein bemerkenswertes Studienergebnis hin. Auch Cannabiskonsum erhöht bei Jugendlichen die Wahrscheinlichkeit, eine schizophrene Psychose zu entwickeln.

Die ersten Symptome treten Jahre zuvor auf

In den letzten Jahren wurden aber auch bedeutende Fortschritte bei der Erforschung der biologischen Ursachen erzielt. Lange Zeit wurde dabei das Hauptaugenmerk auf die Neurotransmittersysteme im Gehirn gelegt, weil es während einer schizophrenen Psychose zu entsprechenden bio-chemischen Veränderungen im Gehirn kommt. Mittlerweile ist die Genetik ein wichtiges Forschungsfeld geworden. Bei Untersuchungen des menschlichen Genoms wurden zahlreiche Gene identifiziert, die mit der Erkrankung assoziiert sind, das heißt: die Träger dieser Varianten haben ein um fünf bis zehn Prozent erhöhtes Risiko, an Schizophrenie zu erkranken. Diese sogenannte multifaktorielle Entstehung der Schizophrenie macht sich auch in der Behandlung bemerkbar. "Mit der Kombination von Psychopharmaka und Psychotherapie erzielt man die besten Ergebnisse“, weiß Sachs.

Besonderes Augenmerk legen die Mediziner nun auf die Früherkennung. Denn die ersten Symptome einer Schizophrenie zeigen sich schon viele Jahre vor der ersten psychotischen Episode. Nur leider sind die-se sehr unspezifisch (Unruhe, Depression, Angst, Denk- und Konzentrationsstörungen, Verfolgungswahn), sodass die Erkrankung nur selten im Frühstadium erkannt wird. Offenbar ist das Ausmaß an umweltbedingten Risiken dafür ausschlaggebend, ob sich eine Psychose entwickelt. Der einzige Trost: Bei vielen Jugendlichen ist Schizophrenie nur vorübergehend. "Man nimmt an, dass 75 bis 90 Prozent des entwicklungsbedingten psychotischen Erlebens Jugendlicher wieder verschwindet“, unterstreicht Sachs.

Viele Menschen glauben noch immer, dass es sich bei der Schizophrenie um das bizarre Phänomen handelt, bei dem zwei verschiedene Persönlichkeiten in einem Körper wohnen. Dr. Jeckyll und Mr. Hyde sozusagen. Doch Schizophrenie ist vielmehr eine psychische Erkrankung, die durch Störungen des Denkens, der Wahrnehmung und der Affekte gekennzeichnet ist. Und sie ist eine gar nicht so seltene Krankheit: Von 10.000 Menschen erkrankt laut der Weltgesundheitsorganisation WHO pro Jahr einer an Schizophrenie.

Schizophrenie tritt in vielen Gestalten auf: Die wichtigsten Symptome sind völlig unrealistische, kulturell unangemessene Wahnvorstellungen, das Hören kommentierender oder dialogischer Stimmen, das Gefühl, dass einem eigene Gedanken weggenommen werden oder dass die Gedanken von außen eingegeben bzw. gelenkt werden. Ein Kranker kann etwa von der Vorstellung besessen sein, dass Außerirdische mittels telepathischer Fähigkeiten in seinen Kopf eindringen.

Wie bei jeder anderen psychischen Erkrankung liegt die Ursache in einer Verkettung biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren. Die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer Psychose steigt durch das Zusammenwirken mehrerer Risikofaktoren: Geburtskomplikationen und Virusinfektionen im Säuglingsalter machen Menschen ebenso anfälliger für Schizophrenie wie auch Missbrauch, Vernachlässigung, physische und psychische Gewalt während der Kindheit. "Ein wichtiger umweltbedingter Risikofaktor ist das Aufwachsen in Städten“, weist Gabriele-Maria Sachs, ärztliche Direktorin der Landesnervenklinik Wagner-Jauregg in Linz, auf ein bemerkenswertes Studienergebnis hin. Auch Cannabiskonsum erhöht bei Jugendlichen die Wahrscheinlichkeit, eine schizophrene Psychose zu entwickeln.

Die ersten Symptome treten Jahre zuvor auf

In den letzten Jahren wurden aber auch bedeutende Fortschritte bei der Erforschung der biologischen Ursachen erzielt. Lange Zeit wurde dabei das Hauptaugenmerk auf die Neurotransmittersysteme im Gehirn gelegt, weil es während einer schizophrenen Psychose zu entsprechenden bio-chemischen Veränderungen im Gehirn kommt. Mittlerweile ist die Genetik ein wichtiges Forschungsfeld geworden. Bei Untersuchungen des menschlichen Genoms wurden zahlreiche Gene identifiziert, die mit der Erkrankung assoziiert sind, das heißt: die Träger dieser Varianten haben ein um fünf bis zehn Prozent erhöhtes Risiko, an Schizophrenie zu erkranken. Diese sogenannte multifaktorielle Entstehung der Schizophrenie macht sich auch in der Behandlung bemerkbar. "Mit der Kombination von Psychopharmaka und Psychotherapie erzielt man die besten Ergebnisse“, weiß Sachs.

Besonderes Augenmerk legen die Mediziner nun auf die Früherkennung. Denn die ersten Symptome einer Schizophrenie zeigen sich schon viele Jahre vor der ersten psychotischen Episode. Nur leider sind die-se sehr unspezifisch (Unruhe, Depression, Angst, Denk- und Konzentrationsstörungen, Verfolgungswahn), sodass die Erkrankung nur selten im Frühstadium erkannt wird. Offenbar ist das Ausmaß an umweltbedingten Risiken dafür ausschlaggebend, ob sich eine Psychose entwickelt. Der einzige Trost: Bei vielen Jugendlichen ist Schizophrenie nur vorübergehend. "Man nimmt an, dass 75 bis 90 Prozent des entwicklungsbedingten psychotischen Erlebens Jugendlicher wieder verschwindet“, unterstreicht Sachs.