Digital In Arbeit
Feuilleton

Die Fähigkeit zur Wahrnehmung

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Intuition, was ist das eigentlich? Jeder hat davon gehört, manche haben es gespürt: Ein Gefühl, das wirkt wie Wissen, aber einer unmittelbaren Faktengrundlage entbehrt. Vielmehr forme sich Intuition aus der Summe an Erfahrungen, die man im Laufe seines Lebens macht und aus dem Instinkt, der einem angeboren ist. So erklärt es einer der Philosophen, den die Isländerinnen Hrund Gunnsteinsdottir und Kristin Ólafsdóttir für ihren Film "Innsaei -Die Kraft der Intuiton" interviewen.

Tatsächlich gibt es Forschungsgruppen, die mit der Messung von Intuition beauftragt sind, und bereits darin lässt sich das Paradoxon erahnen, das auch für Gunnsteinsdottir eines der bestimmenden Richtungsmotive für ihren Film darstellt: Die - in der individuellen menschlichen Alltagserfahrung womöglich immer stärker sichtbar werdende - Diskrepanz zwischen Gefühl und Gegenstand, zwischen Mensch und Messung. Gunnsteinsdottir selbst, die schnell Karriere machte und bald erfolgreiche Mitarbeiterin globaler Institutionen war, erlitt mit 29 Jahren ein Burn-Out, hatte "den Blick für ihr Innerstes verloren", wie sie im Film sagt.

Die Fähigkeit des Blickens also, im weiteren Sinne allgemein die Fähigkeit zur sensiblen Wahrnehmung ist es, welcher die Filmemacherinnen nachspüren wollen. Die "Moderne","die Schnelllebigkeit","die Ablenkungskultur" vermuten sie als Bedrohung und diese These lassen sie mittels Talking-Heads-Arrangements im Film diverse "Experten" (Wissenschaftlern, Philosophen, spirituellen Führern, Lehrern) bestätigen.

Es ist aber gar nicht die deduktive Herangehensweise an das Thema, das den Film konventionell vorzeichnet und es sind auch nicht die doch recht bemühten grafischen Mittel, mit denen die Filmemacherinnen Theorieinhalte zu bebildern suchen (Animationen, Naturaufnahmen, Unterwasseraufnahmen, Menschenmengenaufnahmen im Zeitraffer und sentimentale Musik). Vielmehr sind es die überhastet gemachten Verknüpfungen zwischen dem ursprünglichen Untersuchungsgegenstand des Films (die Intuition) mit anderen gesellschaftlichen Aspekten.

Unleugbar bedingt die Fähigkeit des Menschen, seine Intuition überhaupt wahrzunehmen, einen gewissen Grad an Empathie, nicht nur sich selbst, sondern auch anderen gegenüber. Diese Erkenntnis, auf die sich der Film letztlich reduzieren lässt, ist keine kleine. Hier hätte es vorteilhafter geraten können, nur einen Hauptaspekt herauszuarbeiten, wie etwa jenen, den die Filmemacherinnen an einer britischen Schule aufzeigen, wo Volksschulkinder mittels gezieltem Gehirntraining zur Empathie und geschärfter (Eigen-)Wahrnehmung angeleitet werden, was sie letztlich in ihrer sozialen Kompetenz ungemein wachsen lässt.

Innsaei -Die Kraft der Intuition ISL 2016. Regie: Kristin Ólafsdóttir, Hrund Gunnsteinsdottir. Polyfilm. 78 Min.

Intuition, was ist das eigentlich? Jeder hat davon gehört, manche haben es gespürt: Ein Gefühl, das wirkt wie Wissen, aber einer unmittelbaren Faktengrundlage entbehrt. Vielmehr forme sich Intuition aus der Summe an Erfahrungen, die man im Laufe seines Lebens macht und aus dem Instinkt, der einem angeboren ist. So erklärt es einer der Philosophen, den die Isländerinnen Hrund Gunnsteinsdottir und Kristin Ólafsdóttir für ihren Film "Innsaei -Die Kraft der Intuiton" interviewen.

Tatsächlich gibt es Forschungsgruppen, die mit der Messung von Intuition beauftragt sind, und bereits darin lässt sich das Paradoxon erahnen, das auch für Gunnsteinsdottir eines der bestimmenden Richtungsmotive für ihren Film darstellt: Die - in der individuellen menschlichen Alltagserfahrung womöglich immer stärker sichtbar werdende - Diskrepanz zwischen Gefühl und Gegenstand, zwischen Mensch und Messung. Gunnsteinsdottir selbst, die schnell Karriere machte und bald erfolgreiche Mitarbeiterin globaler Institutionen war, erlitt mit 29 Jahren ein Burn-Out, hatte "den Blick für ihr Innerstes verloren", wie sie im Film sagt.

Die Fähigkeit des Blickens also, im weiteren Sinne allgemein die Fähigkeit zur sensiblen Wahrnehmung ist es, welcher die Filmemacherinnen nachspüren wollen. Die "Moderne","die Schnelllebigkeit","die Ablenkungskultur" vermuten sie als Bedrohung und diese These lassen sie mittels Talking-Heads-Arrangements im Film diverse "Experten" (Wissenschaftlern, Philosophen, spirituellen Führern, Lehrern) bestätigen.

Es ist aber gar nicht die deduktive Herangehensweise an das Thema, das den Film konventionell vorzeichnet und es sind auch nicht die doch recht bemühten grafischen Mittel, mit denen die Filmemacherinnen Theorieinhalte zu bebildern suchen (Animationen, Naturaufnahmen, Unterwasseraufnahmen, Menschenmengenaufnahmen im Zeitraffer und sentimentale Musik). Vielmehr sind es die überhastet gemachten Verknüpfungen zwischen dem ursprünglichen Untersuchungsgegenstand des Films (die Intuition) mit anderen gesellschaftlichen Aspekten.

Unleugbar bedingt die Fähigkeit des Menschen, seine Intuition überhaupt wahrzunehmen, einen gewissen Grad an Empathie, nicht nur sich selbst, sondern auch anderen gegenüber. Diese Erkenntnis, auf die sich der Film letztlich reduzieren lässt, ist keine kleine. Hier hätte es vorteilhafter geraten können, nur einen Hauptaspekt herauszuarbeiten, wie etwa jenen, den die Filmemacherinnen an einer britischen Schule aufzeigen, wo Volksschulkinder mittels gezieltem Gehirntraining zur Empathie und geschärfter (Eigen-)Wahrnehmung angeleitet werden, was sie letztlich in ihrer sozialen Kompetenz ungemein wachsen lässt.

Innsaei -Die Kraft der Intuition ISL 2016. Regie: Kristin Ólafsdóttir, Hrund Gunnsteinsdottir. Polyfilm. 78 Min.