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Die Kirche der Zukunft

Gewiß, der Klerikalismus einer vergangenen Epoche - Johannes XXIII. sagt zu allen, Christen und Nichtchristen, "ich bin Joseph, euer Bruder“ - schärfte den Christen ein, daß sie nichts als "hörende“, gehorchende Kirche seien und brachte dadurch die Kirche um jene dringend notwendige Levée en masse, um die Mobilisierung jedes einzelnen für die Mission des Ganzen. Schon die Kirche der Gegenwart bedeutet das Ende einer kirchlichen Zwei-Klassen-Gesellschaft mit ihren Ängsten und Ressentiments von beiden Seiten. Alle "Ämter“ Christi selbst sind durch die Taufe, das Eingetauchtwerden in Christus, auf alle Glieder seines Leibes, der die Kirche ist, übergegangen, wenn auch in verschiedener Weise: Brüderlichkeit aller Glieder untereinander ist ebenso gewichtig wie die funktionellen Unterschiede zwischen den einzelnen und zwischen den "Ständen“ der Kirche. Das Evangelische "Ihr alle aber seid Brüder“ heißt jedes Amt als subsidiär, vikariell, gnadenhaft, "dienstlich“ und gemeinschaftsgebunden erkennen. Von einer reinen Instrumentalität der Laien in den Händen der Hierarchie (oder gar des Klerus) in ihrer Weltwirksamkeit als Christen kann keine Rede sein. Der Getaufte wirkt für die Kirche und im Sinn der Kirche auf Grund des missionarischen Charakters der Gesamtkirche (und nicht der Hierarchie) […].

Solange das Pfingstereignis in der Kirche wirksam ist, solange hat sie Zukunft. Nr. 22 / 1. Juni 1963

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