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DIE KUNST DER PIZZA

"Die Kunst der neapolitanischen Pizza ist Weltkulturerbe. #PizzaUnesco", twitterte der italienische Landwirtschaftsminister Maurizio Martina am siebten Dezember um vier Uhr früh. Als Neapolitaner habe ich mich natürlich sofort der Welle von Tomaten-und Pizzafladen-Emojis im Internet angeschlossen. Aber als ein wahrhafter Pizza-Verschlinger habe ich mich unwillkürlich gefragt, was es eigentlich bedeutet, ein Weltkulturerbe auf dem Teller zu haben.

Mein erster Gedanke war ein fürchterlicher: ein "Kunstwerk", gefertigt von neapolitanischen Pizzaiolos, Pizzabäckern, brutal mit Messer und Gabel zu zerschneiden oder gar zu zerbeißen? Wie sollte das gehen, ohne sich damit eines Verbrechens gegen das kulturelle Erbe der Menschheit schuldig zu machen?

Das leuchtet mir nicht ein, im Gegensatz zu den wirtschaftlichen Implikationen der Ehrung, die ja offensichtlich sind. Das aktuelle Business mit Pizza macht in Italien einen Umsatz von etwa zwölf Milliarden Euro jährlich, es gibt 63.000 Pizzerien und insgesamt 150.000 Pizza-Arbeitsplätze. Weltweit überschreitet das Geschäft mit der Pizza die 60-Milliarden-Euro-Marke, was allein schon einigen das Wasser im Mund zusammenrinnen lässt.

Die Entscheidung der Unesco ist auch eine politische. In den USA glauben 60 Prozent der Bevölkerung, dass die Pizza in New York erfunden worden sei und sie halten sie sogar für ein Symbol ihrer kulturellen Identität. Einige New Yorker Gastronomie-Vereinigungen versuchen auch seit einigen Jahren, die Pizza als ein typisches Produkt der USA schützen zu lassen und damit Italien den Vorrang streitig zu machen. Unmöglich, mit einem Wort!

Seit der Pizzaiolo Raffaele Esposito die Pizza Margherita 1889 erfunden hat (die erstmals dabei verwendeten Tomaten, samt Mozzarella und Basilikum also rotweiß-grün sollte eine Reverenz an die italienische Fahne und die Königin Margherita sein), haben die neapoletanischen Pizzaiolos ständig neue Pizzen kreiert und nach Prominenten benannt. Es wäre also wirklich Zeit für eine Hommage an sich selbst: Soll doch ein jeder seine Unesco-Pizza machen für mich bitte eine mit Salami und Sardellen.

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