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Feuilleton

Die Österreicher bis zur Kenntlichkeit entstellt

1945 1960 1980 2000 2020
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Bierbäuchige, kinnlose, pickelige Gestalten, wahlweise mit debilem oder bösartigem Gesichtsausdruck, oftmals leicht bekleidet oder nackt, sodass riesige Speckschwarten und mickrige - man muss es in diesem Zusammenhang so nennen - Zumpferln sichtbar wurden: Kein anderer Karikaturist zog seine Mitmenschen so bitterböse durch den Kakao wie Manfred Deix. Böse Zungen behaupten, er habe in seinen Zeichnungen die Menschen, im Speziellen die Österreicher, zur Kenntlichkeit entstellt. Nun ist Deix im Alter von 67 Jahren gestorben. Als Schöpfer zahlloser unsagbar hässlicher, mitunter ekelerregender Figuren ist er schon längst unsterblich. Der Begriff "Deixfigur" findet sich sogar im Duden: "ins Lächerliche verzerrte Darstellung eines Menschen". Das Bild jenes Verlagsmitarbeiters, der sich diese euphemistische Definition ausdachte, ergäbe wohl eine köstliche Deix-Karikatur. Denn Deix hatte sich zwar auf Kleinbürger, Kleinkriminelle und Kleingeister spezialisiert, aber er lief auch zur Hochform auf, wenn Akademiker Opfer seines Pinselstriches wurden.

Bereits in der Volksschule fertigte der in St. Pölten Geborene Nacktzeichnungen von Frauen an, die er um 50 Groschen an Mitschüler verkaufte. Mit elf Jahren veröffentlichte er seinen ersten wöchentlichen Cartoon in der Niederösterreichischen Kirchenzeitung, eine eigentlich erbauliche Geschichte, aus der Deix ein Action-Abenteuer machte. Ab 1972 erschienen seine Zeichnungen in Profil, Trend, später News, aber auch in internationalen Magazinen wie dem Stern, dem Spiegel und dem Playboy, immer wieder auch auf der Titelseite. Sein feiner Aquarellstil kontrastierte dabei stets mit dem derben Inhalt. Die naiv-vulgären Reime, die irgendwann die vergleichsweise trockenen Bildtexte der früheren Jahre ablösten, waren nicht jedermanns Sache.

Deix verschonte niemanden, nicht einmal Bruno Kreisky, den er im höchsten Maße verehrte. Der einstige Bundeskanzler war nur einer von vielen, die eine Klage gegen den Karikaturisten einreichten. Auch die FPÖ und die katholische Kirche waren ein häufiges Ziel des Deix'schen Spotts. Geistliche, die sich an Kindern vergehen, kann man wohl als eines seiner Lieblingsmotive bezeichnen. Nur an Mohammed-Karikaturen hat er sich nicht gewagt -weil er nicht um sein Leben fürchten wolle, wie er freimütig einräumte. Dass er, dem nichts heilig und dem freie Meinungsäußerung alles war, hier eine unüberschreitbare Grenze vorfand, daran litt er wie ein Hund, wie er in einem Interview bekannte.

Bierbäuchige, kinnlose, pickelige Gestalten, wahlweise mit debilem oder bösartigem Gesichtsausdruck, oftmals leicht bekleidet oder nackt, sodass riesige Speckschwarten und mickrige - man muss es in diesem Zusammenhang so nennen - Zumpferln sichtbar wurden: Kein anderer Karikaturist zog seine Mitmenschen so bitterböse durch den Kakao wie Manfred Deix. Böse Zungen behaupten, er habe in seinen Zeichnungen die Menschen, im Speziellen die Österreicher, zur Kenntlichkeit entstellt. Nun ist Deix im Alter von 67 Jahren gestorben. Als Schöpfer zahlloser unsagbar hässlicher, mitunter ekelerregender Figuren ist er schon längst unsterblich. Der Begriff "Deixfigur" findet sich sogar im Duden: "ins Lächerliche verzerrte Darstellung eines Menschen". Das Bild jenes Verlagsmitarbeiters, der sich diese euphemistische Definition ausdachte, ergäbe wohl eine köstliche Deix-Karikatur. Denn Deix hatte sich zwar auf Kleinbürger, Kleinkriminelle und Kleingeister spezialisiert, aber er lief auch zur Hochform auf, wenn Akademiker Opfer seines Pinselstriches wurden.

Bereits in der Volksschule fertigte der in St. Pölten Geborene Nacktzeichnungen von Frauen an, die er um 50 Groschen an Mitschüler verkaufte. Mit elf Jahren veröffentlichte er seinen ersten wöchentlichen Cartoon in der Niederösterreichischen Kirchenzeitung, eine eigentlich erbauliche Geschichte, aus der Deix ein Action-Abenteuer machte. Ab 1972 erschienen seine Zeichnungen in Profil, Trend, später News, aber auch in internationalen Magazinen wie dem Stern, dem Spiegel und dem Playboy, immer wieder auch auf der Titelseite. Sein feiner Aquarellstil kontrastierte dabei stets mit dem derben Inhalt. Die naiv-vulgären Reime, die irgendwann die vergleichsweise trockenen Bildtexte der früheren Jahre ablösten, waren nicht jedermanns Sache.

Deix verschonte niemanden, nicht einmal Bruno Kreisky, den er im höchsten Maße verehrte. Der einstige Bundeskanzler war nur einer von vielen, die eine Klage gegen den Karikaturisten einreichten. Auch die FPÖ und die katholische Kirche waren ein häufiges Ziel des Deix'schen Spotts. Geistliche, die sich an Kindern vergehen, kann man wohl als eines seiner Lieblingsmotive bezeichnen. Nur an Mohammed-Karikaturen hat er sich nicht gewagt -weil er nicht um sein Leben fürchten wolle, wie er freimütig einräumte. Dass er, dem nichts heilig und dem freie Meinungsäußerung alles war, hier eine unüberschreitbare Grenze vorfand, daran litt er wie ein Hund, wie er in einem Interview bekannte.