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Die Posse von Mörbisch

Eines vorweg: es ist so manches neu in Mörbisch und nicht nur die Intendantin. Das Operettenfestival ist schmähfrei. Das betrifft nicht nur den ein wenig altbackenen Operettenstil, sondern auch jenen rein zweckmäßigen des monströsen Zubaus im Eingangsbereich - vor allem aber die in dieser Form erstmalig durchgeführte Feier zur Festspieleröffnung. In dem 6 Millionen Bau aus Beton und Glas, der den Charme eines Flughafengebäudes versprüht, wird das Publikum in den Pausen und bei wetterbedingtem Abbruch der Vorstellung mit Würsteln, Wein etc. verwöhnt.

Das einstige Mekka der Operette öffnet sich. Heuer waren und sind bei Events so unterschiedliche Künstler wie Wolfgang Ambros, Hansi Hinterseer, Reinhard Fendrich, Peter Kraus oder Jonas Kaufmann.

Die neue Politposse zur Eröffnung wurde zur Demonstration der Selbstzufriedenheit und Selbstüberschätzung dieser Herrschaften. War nicht so schlimm; es kommen doch bald Wahlen, könnte man sagen; da versteht es sich von selbst, dass vom Bundeskanzler bis Vizekanzler, vom Landeshauptmann bis zu Landesräten und Bürgermeister alle auf die Bühne spazierten, um - dem Anlass entsprechend - nichts Originelles, Grundsätzliches oder gar Humorvolles zu sagen. Sie alle waren nur darum bemüht, die eigene Person und das Bild einer heilen und zumindest relativ sicheren Welt mit der eigenen Person zu verbinden und den Zuschauern oder besser gesagt den Wählern zu vermitteln. Sie alle nützten eine Kunstdarbietung einzig und allein zum Erhalt ihrer Macht.

Operette sich wer kann, hat einst ein beliebter Entertainer aufgeseufzt. Stellt sich nur noch die Frage, warum eine attraktive und kluge Frau wie die neue Intendantin so etwas zulässt. Sie wird schon wissen warum.

Der Autor ist Kulturmoderator beim Privatsender ATV II

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