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"Die Sammlung wächst immer weiter“

Die Wiener Albertina präsentiert einmal mehr ihre Zeitgenossen-Sammlung - mit einigen Neuerwerbungen und Werken von Alex Katz, Anselm Kiefer, Georg Baselitz, Maria Lassnig und Arnulf Rainer. Kurz: Hochkarätiges Altbekanntes und Neues wird geboten.

Hase und Katz - wie das in der Albertina zusammen passt, fragt man schon längst nicht mehr. Man zeigt Dürers Ikone ebenso wie Alex Katz und andere Zeitgenossen (sowie Unzähliges dazwischen). Die Grafik-Sammlung zieht sich bis in die Gegenwart, die Kernaufgabe des Hauses wird auch heutig verstanden, und man stellt nun, auch aufgrund einer Verschiebung, einmal mehr die Contemporary-Sammlung in einer eigenen Ausstellung vor. "In der Albertina wurde immer Zeitgenössisches gesammelt - schon in der Zeit von Albert von Sachsen-Teschen. Es ist uns ein Anliegen, dies fortzuführen, weil wir es für richtig und notwendig ansehen“, begegnet Kuratorin Antonia Hoerschelmann etwaiger Skepsis. Man schließe an eine lange Tradition an - mit großem Aufwand. Dass dies in Zeiten der horrenden Preise auf dem Kunstmarkt schon längere Zeit schwierig war und nun durch die Wirtschaftskrise und gehemmte Sponsorenaktivitäten noch problematischer wurde, sei, so die Kuratorin, ein Aspekt der Schau, im Zentrum stehe aber die großzügige Präsentation der Schätze. "Diesmal wollen wir vorrangig die Arbeiten wirken lassen“, so Hoerschelmann zur FURCHE.

120 Best-of-Contemporary-Werke

Und da wirken sie, die 120 Best-of-Contemporary-Werke der Albertina-Sammlungen. Von Robert Longos unglaublich beeindruckenden Kohlezeichnungen über Monumentales von Kiefer und Baselitz bis zu kleineren Aquarellen von Maria Lassnig. In mehreren Räumen begegnen den Besuchern Bronze-Affen von Jörg Immendorff, bekannt aus dem Haupt-Gang im Erdgeschoß. Vom selben Künstler sieht man in dieser Schau auch die etwas schrille Skulptur "The Rake’s Family - eine unmögliche Familie“. Nebenan finden sich der gehypte französische Künstler Sam Szafran mit einer seiner Philodendronhecken, Comicartiges von Pettibon und Polke sowie Tierbilder von Lassnig.

Regelmäßige Albertina-Besucher treffen auf zahlreiche alte Bekannte, so etwa Lüpertz’ Zyklopen oder sein Schiff "Merkaba“, auf Kentridges Telefon mit Beinen oder Baselitz’ Kopfüberwerke. Immer wieder kann man über Longos Arbeiten staunen, die Freuds Wohnungstüre und eine asiatische Frau derart fotorealistisch darstellen, dass man einfach nicht glauben will, dass es sich um eine Kohlezeichnung handelt. Beängstigend bleibt der direkte Blick in den Lauf eines Revolvers. "Die aktuelle Schau haben wir absichtlich auf große Zeichner, Aquarellisten und Maler, die auch Zeichner sind, konzentriert“, erläutert Hoerschelmann. Außerdem seien einige Künstler vertreten, zu denen die Albertina eine besondere Beziehung hat. "Wir sind Lassnig und Rainer sehr verbunden“, so die Kuratorin - von der österreichischen Künstlerin werden etwa "Mit einem Tiger schlafen“ oder "Die Kartoffelpresse“ gezeigt. Rainer wird fast ein eigener Raum gewidmet, seine Übermalungen von Fotos seiner selbst samt Kratzspuren, "durch die er seine Emotionen noch stark unterstrichen hat“, werden mit einem Werk von Yves Klein, der sich ebenso mit Körperlichkeit auseinandersetzt, und mit "Black on Black“ von Ad Reinhardt zusammen gebracht. Weitere Bezüge sieht die Kuratorin in der Gegenüberstellung von Gertsch und Richter, die beide Fotografie und Natur zum Thema genommen haben. Einerseits gibt es neben Vertrautem auch Neues - Katz’ "Jessica“ und sein "Trio#4“ stehen "Rain“ gegenüber, einer Neuerwerbung - anderseits verweist Hoerschelmann auf neu entstandene Querverweise, Bezüge und Dialoge.

Hochkarätiges Altbekanntes und Neues bietet die Schau somit, ohne didaktischen Anspruch, absichtlich viel Platz für eigene Assoziationen lassend. "Wir sind froh, dass wir trotz der Schwierigkeiten beim Lukrieren auch diesmal wieder einige Neuheiten zeigen können“, so Hoerschelmann. "Die Sammlung wächst immer weiter.“

Die Sammlung Werner

Die Bedeutung des Sammelns und jene von Sammlern für öffentliche Institutionen zeigt die fast zeitgleich mit der Zeitgenossen-Schau eröffnete Ausstellung "Kirchner Heckel Nolde - Die Sammlung Werner“. Sie präsentiert neunzig Werke aus der Sammlung von Irmtraut Werner, über viele Jahre Mitarbeiterin der Galerie Wilhelm Grosshennigs und später leidenschaftliche Kunstsammlerin. Werner hat vor allem Werke der Brücke-Künstler versammelt sowie solche von Picasso und Matisse. Eine Ausstellung mit 170 Zeichnungen von Gustav Klimt, darunter Vorzeichnungen für seine berühmten Fakultätsgemälde und für seine Fresken im Burgtheater, ist noch bis 10. Juni zu sehen.

Albertina Contemporary - Gerhard Richter bis Maria Lassnig

Albertina, Albertinaplatz 1, 1010 Wien

bis 19. Aug., täglich 10-18 Uhr, Mi bis 21 Uhr

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