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Feuilleton

Die Seelen zweier Schauspieler

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Ein tiefer Blick in die Innenwelten von Schauspielern: Einst war Serge Tanneur (Fabrice Luchini) ein umjubelter Bühnen-Schauspieler, doch jetzt lebt er zurückgezogen in einem alten Haus auf der Île de Ré. Vom Theater will er nichts mehr wissen, doch als sein Kollege Gauthier Valence (Lambert Wilson) bei ihm auftaucht und ihm ein Comeback als Alceste in Molières "Der Menschenfeind" vorschlägt, macht er Tanneur damit den Mund wässrig. Natürlich ziert sich Tanneur vorerst, denn das gehört zu einem Künstler wohl dazu. Aber die Lust am Auftritt, an der Sprache und am Spielen ist schließlich stärker. Beide Schauspieler lassen sich auf ein riskantes Probenspiel ein, bei dem sich die Bühne bald mit dem echten Leben zu vermischen droht; auch eine Frau kommt ins Spiel, und am Ende ist fraglich, ob Serge Tanneur jemals wieder eine Theaterbühne betreten wird.

Regisseur Philippe Le Guay unternimmt mit seinem sensibel austarierten Kammerspiel "Molière auf dem Fahrrad" ein durchaus waghalsiges Experiment: Taugt ein simples Proben-Spiel für die Bebilderung eines abendfüllenden Kinofilms, oder ist eine stetige Konversation auf der Leinwand doch dramaturgisch zu schwach, um die Spannung zu halten? Le Guay weiß natürlich, dass in diesem Fall alles mit den Schauspielern steht und fällt. Weshalb er den famosen Fabrice Luchini in der Hauptrolle besetzt: Der grantelt sich spitzbübisch durch den Film und kredenzt selbst in jenen Szenen herrlich unterhaltsame Bonmots, in denen minutenlang Molières Verse vorgetragen und in immer neuen Variationen geprobt werden. Ein Tipp: Diesen Film sollte man sich in französischer Originalfassung ansehen, wenn nötig mit Untertiteln. Erst dann erschließt sich, was Le Guays Absicht ist: Es geht um die Aufschlüsselung der Seele von Schauspielern: Stets zwischen Eitelkeit und Selbstzweifel pendelnd, versuchen sie, ihre Verletzlichkeit zu verbergen, wohl wissend, dass sie eigentlich ihr größter Trumpf ist.

Molière auf dem Fahrrad (Alceste à biciclette) F 2013.

Regie: Philippe Le Guay. Mit Fabrice Luchini, Lambert Wilson. Thimfilm. 104 Min.

Ein tiefer Blick in die Innenwelten von Schauspielern: Einst war Serge Tanneur (Fabrice Luchini) ein umjubelter Bühnen-Schauspieler, doch jetzt lebt er zurückgezogen in einem alten Haus auf der Île de Ré. Vom Theater will er nichts mehr wissen, doch als sein Kollege Gauthier Valence (Lambert Wilson) bei ihm auftaucht und ihm ein Comeback als Alceste in Molières "Der Menschenfeind" vorschlägt, macht er Tanneur damit den Mund wässrig. Natürlich ziert sich Tanneur vorerst, denn das gehört zu einem Künstler wohl dazu. Aber die Lust am Auftritt, an der Sprache und am Spielen ist schließlich stärker. Beide Schauspieler lassen sich auf ein riskantes Probenspiel ein, bei dem sich die Bühne bald mit dem echten Leben zu vermischen droht; auch eine Frau kommt ins Spiel, und am Ende ist fraglich, ob Serge Tanneur jemals wieder eine Theaterbühne betreten wird.

Regisseur Philippe Le Guay unternimmt mit seinem sensibel austarierten Kammerspiel "Molière auf dem Fahrrad" ein durchaus waghalsiges Experiment: Taugt ein simples Proben-Spiel für die Bebilderung eines abendfüllenden Kinofilms, oder ist eine stetige Konversation auf der Leinwand doch dramaturgisch zu schwach, um die Spannung zu halten? Le Guay weiß natürlich, dass in diesem Fall alles mit den Schauspielern steht und fällt. Weshalb er den famosen Fabrice Luchini in der Hauptrolle besetzt: Der grantelt sich spitzbübisch durch den Film und kredenzt selbst in jenen Szenen herrlich unterhaltsame Bonmots, in denen minutenlang Molières Verse vorgetragen und in immer neuen Variationen geprobt werden. Ein Tipp: Diesen Film sollte man sich in französischer Originalfassung ansehen, wenn nötig mit Untertiteln. Erst dann erschließt sich, was Le Guays Absicht ist: Es geht um die Aufschlüsselung der Seele von Schauspielern: Stets zwischen Eitelkeit und Selbstzweifel pendelnd, versuchen sie, ihre Verletzlichkeit zu verbergen, wohl wissend, dass sie eigentlich ihr größter Trumpf ist.

Molière auf dem Fahrrad (Alceste à biciclette) F 2013.

Regie: Philippe Le Guay. Mit Fabrice Luchini, Lambert Wilson. Thimfilm. 104 Min.