Sie war die wohl berühmteste Opernsängerin des 20. Jahrhunderts. Während mancherorts noch auf eine "neue Callas" gewartet wird, widmet sich das Theatermuseum der echten Maria Callas.

Sie hat immer direkt getroffen, auf den Umwegen über Libretti, über Figuren, zu denen man Liebe haben muss, um sie akzeptieren zu können. Sie war der Hebel, der eine Welt umgedreht hat, zu dem Hörenden, man konnte plötzlich durchhören, durch Jahrhunderte, sie war das letzte Märchen." Mit diesen Worten drückte Ingeborg Bachmann ihre Bewunderung für die wohl berühmteste Opernsängerin des 20. Jahrhunderts aus: Maria Callas, La Divina, deren Glanzzeit nur wenige Jahre umfasste, die aber zu einem Archetypus geworden ist, der immer dann beschworen wird, wenn ein neuer weiblicher Superstar am Opernhimmel erstrahlt - doch keine "neue Callas" wird je die echte, die primadonna assoluta überstrahlen.

Der unvergesslichen Sängerin widmet das Österreichische Theatermuseum in Wien eine Ausstellung. Zahlreiche Fotos, Tonbeispiele, Filmausschnitte und prachtvolle Kostüme lassen erahnen, was für eine Gnade es gewesen sein muss, die 1977 verstorbene Sopranistin live auf der Opernbühne erlebt zu haben. Den thematischen Schwerpunkt der Schau bilden Inszenierung und Selbstinszenierung der Künstlerin. In der Tat wirken die Bühnenaufnahmen weniger inszeniert als die meisten Fotos, die Maria Callas abseits der Bühne zeigen.

Hochgelobt und geschätzt beim Publikum war die in New York geborene Griechin von Beginn ihrer Karriere an, doch zur auch außerhalb der Opernszene bekannten Diva wurde sie erst 1954, als sie innerhalb eines Jahres ganze 28 Kilogramm abnahm. Aus einer dicken Opernsängerin wurde eine schlanke, elegante, aparte Frau mit einer subtilen erotischen Ausstrahlung. Perfekt gekleidet und geschminkt wurde sie zum Objekt der Klatschspalten. Durch die neue Erscheinung wurden ihre Aufführungen nicht nur ästhetisch vollkommener, die neu gewonnenen Bewegungsfreiheit intensivierte auch ihre Ausdrucksfähigkeit und Darstellungskraft.

Denn an der Schönheit ihrer Stimme lag es nicht, dass sie zur Diva aller Diven wurde. Manche sagten sogar, ihre unerhört vielseitige, nicht in das heute geltende Fachschema einordenbare Stimme sei hässlich, auf jeden Fall aber gab es versiertere Sängerinnen: Renata Tebaldi etwa hatte ein samtigeres, makelloses Timbre, Birgit Nilsson mehr Volumen und Joan Sutherland die volleren Spitzentöne. Doch was die Callas perfekt beherrschte, war den Partien ein bis dahin unbekanntes Maß an Lebendigkeit und Leidenschaft zu verleihen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand nach der Callas lieber eine konventionelle Stimme hören wollte, es sei denn aus reiner Perversität", schrieb ein Kritiker. "Sie hat uns verzaubert, und wenn wir am Ende einer so großartigen Vorstellung etwas traurig wurden, dann deshalb, weil wir das Gefühl hatten, zu unseren Lebzeiten nie wieder eine vergleichbare Norma zu hören", ein anderer.

Ihre stimmlichen Besonderheiten trugen dazu bei, dass sie nicht nur verehrt, sondern auch gehasst wurde. Die Boulevardpresse tat ein übriges dazu, indem sie vermeintliche oder tatsächliche Launen der Diva breit trat. Abgesagte Auftritte, wie sie bei Opernsängern nun einmal vorkommen, wurden der Callas prinzipiell als bewusste Brüskierung ausgelegt, etwa der "Skandal von Rom", als sie eine Galavorstellung abbrach, der auch der italienische Präsident beiwohnte. Der Hass gegen sie ging so weit, dass die Wände ihres Hauses mit obszönen Graffiti und der Gartenzaun mit Exkrementen beschmiert wurde.

Terence McNally, der Maria Callas mit dem Stück "Meisterklasse" ein dramatisches Denkmal setzte, erinnert sich, dass ihre Auftritte von der Öffentlichkeit und der Kritik nicht so sehr als künstlerische, sondern eher wie sportliche Ereignisse behandelt wurden: "Bei jeder Vorstellung, die ich in der Met sah, wurde sie ausgebuht. Sie wurde zwar auch bejubelt; aber es war mehr wie beim Stierkampf oder beim Baseball. Ich kenne keinen Sänger, der diese Wirkung auf das Publikum hatte."

Maria Callas

Die Kunst der Selbstinszenierung

Österreichisches Theatermuseum

www.theatermuseum.at

Bis 17. 9. Di-So 10-18 Uhr

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