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Feuilleton

Die weite Welt im Wohnzimmer

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Ab 1888 brachte die amerikanische Zeitschrift "National Geographic“ als eine der ersten größere Fotostrecken. In der Wiener Galerie WestLicht sind aktuell rund 200 Schwarzweiß-Abzüge von 1888-1950 aus dem Archiv zu sehen.

Täglich werden 350 Millionen Fotos auf Facebook geladen. Einfach auf den Auslöser drücken, fertig, den Rest erledigt die Automatik. Nie war Fotografieren so einfach wie heute, man nennt sie auch die demokratischste aller Künste.

An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert war das noch ganz anders. Das neu aufkommende Genre war einigen Spezialisten vorbehalten. Diese Pioniere würdigt das Wiener Fotomuseum WestLicht in seiner aktuellen Ausstellung "Die Welt im Heftformat. National Geographic 1888-1950“.

Pattform für abenteuerlustige Fotografen

Heute wird die amerikanische Zeitschrift, die vor genau 125 Jahren zur "Mehrung und Verbreitung geographischen Wissens“ gegründet wurde, vor allem wegen ihrer imposanten farbigen Aufnahmen geschätzt. Am Beginn waren die indes noch schwarzweiß, das heißt, ein reines Schwarzweiß gab es nie, es wies immer eine Tönung auf, meist ins Bräunliche.

"National Geographic“ war eine der ersten größeren Zeitschriften, die auf Fotostrecken setzten und damit vor allem den Abenteurern unter den Fotografen eine Plattform boten, die sich mit ihren schweren und voluminösen Plattenkameras in die Ferne aufmachten. Und mit Aufnahmen zurückkamen, die die Menschen staunen machten. Die Bilder zeigten wilde Tiere, fremde Menschen, bezaubernde Landschaften, alles das, was die daheim Gebliebenen bisher nur von Erzählungen, allenfalls Zeichnungen kannten. Das neue Medium brachte die weite Welt ins heimische Wohnzimmer. Möglich wurde das dadurch, dass zu jener Zeit, Ende des 19. Jahrhunderts, ein Verfahren zur Reproduktion von Fotos auf Papier entwickelt wurde. (Seit damals gibt es auch die Ansichtskarte.)

Rund 11 Millionen Bilder umfasst das Fotoarchiv der National Geographic Society in Washington. Eine imposante Fülle. Welche Auswahl treffen, was nach Wien holen? Die Wiener Kuratoren Fabian Knierim und Rebekka Reuter entschieden sich, den Fokus auf die Wiedergabe einiger beispielhafter Expeditionen aus jener Zeit zu legen, mit rund 200 Schwarzweiß-Abzügen.

Da war etwa ab 1910 Robert Scotts Aufbruch zum Südpol - Herbert Ponting war mit der Kamera dabei und hielt die Expedition im Bild fest, nicht zuletzt auch für uns, die Nachwelt. Die Aufnahmen zeigen die Forscher an Bord des Expeditionsschiffs Terra Nova und später im Eis - so können wir, die Ausstellungsbesucher, uns im wahrsten Sinne ein Bild machen von dem seinerzeitigen Vorstoß in unbekanntes Gebiet. Darin besteht eben die Stärke der Fotografie: Sie kann den Weltenlauf anhalten. Da waren auch die abenteuerlichen Fahrten in neuartigen Kettenfahrzeugen quer durch Afrika und Asien, die der Autohersteller André Citroen organisierte. Für Citroen waren die Fotos schlicht Werbung. Sie sind aber mehr, beispielsweise auch wertvolle ethnografische und landeskundliche Dokumente, je nachdem, mit welchem Interesse und Hintergrundwissen man sie "liest“, damals wie heute.

Erinnerung an geruhsamere Zeiten

Die Aufnahmen von damals unterscheiden sich fundamental von den heute üblichen, schnell mit dem Handy gemachten Fotos - und gerade darin liegt ein Gutteil ihres Reizes. Keine Schnappschüsse, keine Großaufnahmen - die waren damals technisch einfach noch nicht möglich. Stattdessen erscheinen sie uns seltsam statisch. Die Bilder entführen uns nicht nur ans andere Ende der Welt, sondern auch in vergangene Zeiten, in Zeiten, die noch von einem gemäßigteren Tempo bestimmt waren. Und in denen der Fotograf seine Aufnahmen großteils noch selbst an Ort und Stelle entwickeln musste, die Endprodukte heißen mit einem Fachbegriff Vintages.

Erst vor kurzem präsentierte WestLicht in der Ausstellung "World Press Photo“ bunte, knallige Bilder. Nun das genaue Kontrastprogramm. Eine beschauliche, ruhige Schau. Es ist dem Wiener Fotomuseum hoch anzurechnen, dass es nicht nur auf Blockbuster-Veranstaltungen setzt.

"Die Welt im Heftformat. National Geographic 1888-1950“

WestLicht. Schauplatz für Fotografie

www.westlicht.com, bis 2. März 2014

Di-Fr 14-19 Uhr, Do bis 21 Uhr,

Sa, So, Fei 11-19 Uhr

Ab 1888 brachte die amerikanische Zeitschrift "National Geographic“ als eine der ersten größere Fotostrecken. In der Wiener Galerie WestLicht sind aktuell rund 200 Schwarzweiß-Abzüge von 1888-1950 aus dem Archiv zu sehen.

Täglich werden 350 Millionen Fotos auf Facebook geladen. Einfach auf den Auslöser drücken, fertig, den Rest erledigt die Automatik. Nie war Fotografieren so einfach wie heute, man nennt sie auch die demokratischste aller Künste.

An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert war das noch ganz anders. Das neu aufkommende Genre war einigen Spezialisten vorbehalten. Diese Pioniere würdigt das Wiener Fotomuseum WestLicht in seiner aktuellen Ausstellung "Die Welt im Heftformat. National Geographic 1888-1950“.

Pattform für abenteuerlustige Fotografen

Heute wird die amerikanische Zeitschrift, die vor genau 125 Jahren zur "Mehrung und Verbreitung geographischen Wissens“ gegründet wurde, vor allem wegen ihrer imposanten farbigen Aufnahmen geschätzt. Am Beginn waren die indes noch schwarzweiß, das heißt, ein reines Schwarzweiß gab es nie, es wies immer eine Tönung auf, meist ins Bräunliche.

"National Geographic“ war eine der ersten größeren Zeitschriften, die auf Fotostrecken setzten und damit vor allem den Abenteurern unter den Fotografen eine Plattform boten, die sich mit ihren schweren und voluminösen Plattenkameras in die Ferne aufmachten. Und mit Aufnahmen zurückkamen, die die Menschen staunen machten. Die Bilder zeigten wilde Tiere, fremde Menschen, bezaubernde Landschaften, alles das, was die daheim Gebliebenen bisher nur von Erzählungen, allenfalls Zeichnungen kannten. Das neue Medium brachte die weite Welt ins heimische Wohnzimmer. Möglich wurde das dadurch, dass zu jener Zeit, Ende des 19. Jahrhunderts, ein Verfahren zur Reproduktion von Fotos auf Papier entwickelt wurde. (Seit damals gibt es auch die Ansichtskarte.)

Rund 11 Millionen Bilder umfasst das Fotoarchiv der National Geographic Society in Washington. Eine imposante Fülle. Welche Auswahl treffen, was nach Wien holen? Die Wiener Kuratoren Fabian Knierim und Rebekka Reuter entschieden sich, den Fokus auf die Wiedergabe einiger beispielhafter Expeditionen aus jener Zeit zu legen, mit rund 200 Schwarzweiß-Abzügen.

Da war etwa ab 1910 Robert Scotts Aufbruch zum Südpol - Herbert Ponting war mit der Kamera dabei und hielt die Expedition im Bild fest, nicht zuletzt auch für uns, die Nachwelt. Die Aufnahmen zeigen die Forscher an Bord des Expeditionsschiffs Terra Nova und später im Eis - so können wir, die Ausstellungsbesucher, uns im wahrsten Sinne ein Bild machen von dem seinerzeitigen Vorstoß in unbekanntes Gebiet. Darin besteht eben die Stärke der Fotografie: Sie kann den Weltenlauf anhalten. Da waren auch die abenteuerlichen Fahrten in neuartigen Kettenfahrzeugen quer durch Afrika und Asien, die der Autohersteller André Citroen organisierte. Für Citroen waren die Fotos schlicht Werbung. Sie sind aber mehr, beispielsweise auch wertvolle ethnografische und landeskundliche Dokumente, je nachdem, mit welchem Interesse und Hintergrundwissen man sie "liest“, damals wie heute.

Erinnerung an geruhsamere Zeiten

Die Aufnahmen von damals unterscheiden sich fundamental von den heute üblichen, schnell mit dem Handy gemachten Fotos - und gerade darin liegt ein Gutteil ihres Reizes. Keine Schnappschüsse, keine Großaufnahmen - die waren damals technisch einfach noch nicht möglich. Stattdessen erscheinen sie uns seltsam statisch. Die Bilder entführen uns nicht nur ans andere Ende der Welt, sondern auch in vergangene Zeiten, in Zeiten, die noch von einem gemäßigteren Tempo bestimmt waren. Und in denen der Fotograf seine Aufnahmen großteils noch selbst an Ort und Stelle entwickeln musste, die Endprodukte heißen mit einem Fachbegriff Vintages.

Erst vor kurzem präsentierte WestLicht in der Ausstellung "World Press Photo“ bunte, knallige Bilder. Nun das genaue Kontrastprogramm. Eine beschauliche, ruhige Schau. Es ist dem Wiener Fotomuseum hoch anzurechnen, dass es nicht nur auf Blockbuster-Veranstaltungen setzt.

"Die Welt im Heftformat. National Geographic 1888-1950“

WestLicht. Schauplatz für Fotografie

www.westlicht.com, bis 2. März 2014

Di-Fr 14-19 Uhr, Do bis 21 Uhr,

Sa, So, Fei 11-19 Uhr