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Die Wut der Stadt auf ihre Bürger

So ein Bürgermeister hat es gar nicht leicht. Jahrzehntelang muss er sich mit aufmüpfigen, unbelehrbaren Bürgern herumschlagen. Auch die den lukrativen, großstädtischen Ideen so aufgeschlossene Vizebürgermeisterin und die Bezirksverwalter werden missverstanden. Ist es doch höchste Zeit, Wien vom großbürgerlichen Denken und Architekturgerümpel zu befreien und weltstädtische Bauten wie in Dubai und Verkehrslösungen nach dem Vorbild von Kairo zu verwirklichen. Offenes, sich selbst regelndes Verkehrschaos gehört nun einmal zu einer Großstadt. Nehmen wir das Beispiel einer bürgerlichen Wut-Zelle: Hietzing. Was stört dort die hochmütigen und arroganten Snobs? Etwa, dass das ORF-Zentrum zu einer zentralen Radio- und TV-Station ausgebaut werden soll. Mehr Garagenplätze können dort zwar nicht errichtet werden, da - wie man erst jetzt bemerkt haben dürfte - das Gebäude auf dem Grund einer alten Flakkaserne steht. Die zahlreichen Angestellten kämen ohnehin nur zur Weihnachtsfeier ins neue Haus und könnten künftig mit den Öffis fahren, beruhigt der für den Bau verantwortliche Manager. Mit den Bussen klappt das allerdings schon jetzt nicht. Die Zufahrtstraßen sind zu den Stoßzeiten restlos überfordert. Die historisch wertvolle Bausubstanz und der angrenzende Park von Schönbrunn sind durch Abgase und verkehrsbedingte Erschütterungen bereits gefährdet. Ein in die Maxingstraße mündender Radweg wurde wohl zur Dezimierung der Radfahrer errichtet. Parkplätze gibt es keine. Beste Voraussetzungen also, auf dem Küniglberg das größte und modernste Medienzentrum zu errichten. Vielleicht mit einer Schwebebahn bis zur U-Bahn. Die U4, seit ihrer Sanierung von täglichen Pannen heimgesucht und mitunter sogar mit offenen Türen unterwegs, bietet den idealen Fluchtweg aus dem in jahrzehntelanger Planung geschaffenen zukunftsorientierten Hietzinger Verkehrschaos.

Der Autor ist Kulturmoderator beim Privatsender ATV

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