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Feuilleton

Diese unheile Familie

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Manchmal möchte man sie alle schütteln, wie sie da versammelt am vom Tischler gefertigten Küchentisch sitzen und wie sediert das Auseinanderfallen ihrer Familie konstatieren, als wäre jeder von ihnen eine eigene Insel. In "Was bleibt“ versammelt der deutsche Regisseur Hans-Christian Schmid zwei erwachsene Söhne - Marko (Lars Eidinger) und Jakob - im Haus ihrer Eltern (Corinna Harfouch, Ernst Stötzner), für einen seltenen Besuch aus der Stadt. Man kann sehen und möchte manchmal schreien, wie die Bourgoisie-Watte des Wohlstands der 70er-Jahre vor allem Marko immer noch einhüllt. Als die Mutter plötzlich offenbart, sie habe nach Jahrzehnten der Behandlung ihre Depressions-Medikamente abgesetzt, ist er zunächst der Einzige, der sie darin auffangen kann. In einer neuerlichen Zusammenarbeit mit Drehbuchautor Bernd Lange interessiert sich Schmid vor allem für die Themen Distanz und Nähe, Schonung vs. Entmündigung in einem Familiengefüge, das sich bequem um eine depressive Mutter eingerichtet hat; er chronologisiert unaufgeregt und getragen von einem hervorragend agierenden Ensemble den unweigerlichen Zusammenbruch, die zutage tretenden Wahrheiten sowie einen möglichen Neuanfang. Schmid und Lange erfinden hier das Kammer-Drama nicht neu, aber bewegen sich souverän und effizient innerhalb der Konventionen.

Was bleibt

D 2012 Regie: Hans-Christian Schmid

Mit Lars Eidinger, Corinna Harfouch, Ernst Stötzner. Thimfilm. 85 Min.

Manchmal möchte man sie alle schütteln, wie sie da versammelt am vom Tischler gefertigten Küchentisch sitzen und wie sediert das Auseinanderfallen ihrer Familie konstatieren, als wäre jeder von ihnen eine eigene Insel. In "Was bleibt“ versammelt der deutsche Regisseur Hans-Christian Schmid zwei erwachsene Söhne - Marko (Lars Eidinger) und Jakob - im Haus ihrer Eltern (Corinna Harfouch, Ernst Stötzner), für einen seltenen Besuch aus der Stadt. Man kann sehen und möchte manchmal schreien, wie die Bourgoisie-Watte des Wohlstands der 70er-Jahre vor allem Marko immer noch einhüllt. Als die Mutter plötzlich offenbart, sie habe nach Jahrzehnten der Behandlung ihre Depressions-Medikamente abgesetzt, ist er zunächst der Einzige, der sie darin auffangen kann. In einer neuerlichen Zusammenarbeit mit Drehbuchautor Bernd Lange interessiert sich Schmid vor allem für die Themen Distanz und Nähe, Schonung vs. Entmündigung in einem Familiengefüge, das sich bequem um eine depressive Mutter eingerichtet hat; er chronologisiert unaufgeregt und getragen von einem hervorragend agierenden Ensemble den unweigerlichen Zusammenbruch, die zutage tretenden Wahrheiten sowie einen möglichen Neuanfang. Schmid und Lange erfinden hier das Kammer-Drama nicht neu, aber bewegen sich souverän und effizient innerhalb der Konventionen.

Was bleibt

D 2012 Regie: Hans-Christian Schmid

Mit Lars Eidinger, Corinna Harfouch, Ernst Stötzner. Thimfilm. 85 Min.