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Es gibt es, das andere Kärnten. Man möchte es kaum glauben. Und das sogar im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der Geschichte von Slowenen und Kärntnern und nicht mit neuem Streit um Ortstafeln. Schauplatz ist diesmal die kleine Gemeinde Rosegg bei Velden. Am 1. Oktober wird dort ein Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus aufgestellt. Jenes im nahen Villach wurde 14 Mal geschändet und muss jetzt elektronisch überwacht werden.

Auch in Rosegg hielt sich die Begeisterung für die ohnehin beschämend späte Aufarbeitung der Vergangenheit in Grenzen. Immer noch schwingt bei vielen der Glaube an die damalige Ordnung mit. Der Verein "Erinnern Rosegg“ ist dem Leben von acht Ortsbewohnern nachgegangen, die Widerstand leisteten, Partisanen unterstützten, den Rassegesetzen oder dem "gesunden Volkskörper“ nicht entsprachen und standrechtlich erschossen oder in Konzentrationslagern ermordet wurden. Über ihr Schicksal wollte bisher niemand sprechen und ihre Biografien wurden zum Teil verfälscht.

Bei dem von dem kreativen Pizzeria-Wirt Peter Meisterl und dem Informatikdozenten Rudolf Melcher gestalteten Denkmal wird das Auslöschen der Namen und ihrer Schicksale thematisiert. Auch Differenzen über den Platz der Aufstellung konnten beigelegt werden. Es wurde sowohl mit nationalen als auch mit slowenischen Verbänden der Dialog gesucht und mit Erfolg um Verständnis geworben. Die Politiker, so meint Rudolf Melcher im Interview für das ATV-Kulturmagazin "Highlights“ treffend, seien nur daran interessiert, den Konflikt aufrecht zu erhalten, um Wählerstimmen zu gewinnen. Auch echte Betroffenheit war bei den Beteiligten zu spüren. Als sie die Namen der Opfer an dem eisernen Würfel angebracht hatten, wurden die Menschen wieder lebendig; in all ihrer Trauer und in ihrer Scham.

* Der Autor ist Kulturmoderator beim Privatsender ATV

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