Ein Campus der Superlative

Das Architekturzentrum Wien zeigt in seiner aktuellen Ausstellung alle Beiträge und Siegerprojekte des Wettbewerbs rund um den neuen Campus der Wirtschaftsuniversität Wien. Architekten aus aller Welt, darunter die Wiener BUSarchitektur, sind an Planung und Bau beteiligt.

Der Ansturm war enorm: Im Rahmen des BIG AzW wurde am 20. Mai die Ausstellung "Campus WU" eröffnet. Sie zeigt alle Beiträge und Siegerprojekte des Generalplaner- und Architekturwettbewerbs dazu. Basierend auf dem Masterplan der BUSarchitektur, soll bis 2013 eine Uni der Sonderklasse entstehen.

Zaha Hadid, der Japaner Hitoshi Abe, das Londoner CRAB Studio, die spanischen NO.MAD Arquitectos, das Estudio Carme Pinós und die Wiener BUSarchitektur planen die einzelnen Bauteile. Die Atmosphäre des künftigen "Campus WU" lässt sich in 3D-animierten Renderings schon jetzt erahnen. "Es ist eines der spektakulärsten Bauvorhaben in Wien", sagt Dietmar Steiner, der Direktor des AZW.

Spektakulärer Wettbewerb

Auch der Wettbewerb war spektakulär. Am 1. Oktober 2007 fiel die Entscheidung für den Standort. Das Areal Messe/Südportalstraße grenzt im Südwesten an den Prater und ist etwa so groß wie das Wiener Museumsquartier. Im Dezember 2007 wurde ein offener, EU-weiter Wettbewerb zur Generalplanung des Neubaus der WU ausgeschrieben. Insgesamt waren etwa 100.000 m2 Nutzfläche gefordert, die Jury (Vorsitz: Wolf D. Prix) entschied sich für das Projekt des Planerkollektivs BUSarchitektur. Es teilt das Areal in sechs Baufelder, die in einem Walk-Along-Park liegen.

"Wir wollten einen Ort schaffen, der Kommunikation stiftet. Das Wichtigste an einem Campus ist der Freiraum", so Architektin Laura Spinadel. Für den Masterplan wurde ein Regelwerk erarbeitet, das Handlungsanweisung zur weiteren Bebauung vorgibt. Es legt wesentliche Wegverbindungen, Sichtachsen, Funktionszusammenhänge und ähnliches fest, die sowohl die Freiräume als auch die innere Struktur der Departments umfassen.

Als differenzierter Freiraum, der sich zu Plätzen und Wegen ausbreitet, quert der Walk-Along-Park das Areal. Damit sich die dortigen Bauten wie Perlen an die Kette dieser kommunikativen Flaniermeile reihen, wurden Büros aus aller Welt aufgefordert, Portfolios einzuschicken. Aus 133 Einsendungen traf die Jury eine Auswahl, die sich wie das Who is Who der internationalen Architektenszene liest: Thom Mayne/Morphosis Architects, das Eric Owen Moss Architects, aber auch AllesWirdGut, querkraft, Hans Hollein zählten dazu.

Zaha Hadid entsandte ihren Projektleiter. Sie plante das stromlinienförmige Library & Learning Center. Es bildet das Herz der Anlage. Bis zu 20 Meter ragt das verschlungene Raumband der Bibliothek mit dem schrägverglasten Panoramafenster über die zentrale Plaza. "Diese markante Gestalt setzt eine Geste und wirkt als Leitbild für die neue WU", so Cornelius Schlotthauer. "Das öffentliche Leben soll in den Baukörper hineingezogen werden." Der Walk-Along-Park setzt sich innen fort: Spiralförmig schrauben sich Treppen, Rampen und Galerien von der großen Aula nach oben. Im Library & Learning Center sind auch Studienmanagement, Verwaltung und Prüfungsabteilungen untergebracht.

"Ich stehe nicht allein: Über 100 Experten begleiten mich bei der Aufgabe, die Idee einer Oase in der Stadt umzusetzen. Es muss Synergien zwischen Innen und Außen geben", so Laura Spinadel. BUSarchitektur plante auch das Hörsaalzentrum mit Gastronomie und Department.

Das lange, schlanke Gebäude am Ende des Campus ist von Hitoshi Abe. "Am wichtigsten war uns, ein Umfeld zu kreieren, in dem man informell in Interaktion treten und konzentriert forschen kann", so der japanische Architekt. Ausgangspunkt des Entwurfs war die Mehlspeise Mille Feuille: ein süßes Gedicht aus Blätterteig und Creme. "Auch unser Gebäude hat verschiedene Layer: Es ging uns sozusagen darum, ein Maximum an Überschneidung zwischen dem dünnen Teig und der Füllung zu erreichen, um beides auf möglichst integrierte Weise zu genießen." Die einzelnen Bauteile sind zwischen 7 und 8,5 Meter schmal, verglast und von eingeschnittenen Durchgängen mit Oberlichtern, Galerien und Lufträumen durchzogen.

"Der Zufall soll seine Chance haben"

"Wir wollten einen Ort schaffen, wo man sich gerne aufhält", so Peter Cook. "Es sollte eine gute Atmosphäre entstehen." Die Wiener Hinterhoflandschaft inspirierte das Londoner CRAB Studio zum Entwurf eines organischen Gebildes, das sich um mehrere Höfe windet. Die Erschließung schlängelt sich an vielen Atrien, Plätzen, Terrassen, Freiräumen, Nischen und Sitzgelegenheiten vorbei. "Der Zufall soll seine Chance haben", ergänzt Gavin Robotham. "Viel Kommunikation kann draußen stattfinden." Die Fassade ist aus sibirischer Lärche, die mit der Zeit eine graue Patina anlegt. Peter Cook: "Das passt zum Prater."

Die virtuelle Zukunft ist eindrucksvoll, das wahre Abenteuer beginnt jetzt: der Bau.

Campus WU

Architekturzentrum Wien, Museumsplatz 1 1070 Wien, bis 8. Juni, www.azw.at

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