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Feuilleton

Ein Krügel Bio-Bier, bitte!

1945 1960 1980 2000 2020
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An der Uni Leoben wurde ein Verfahren zur Verwertung von Abfällen in der Bierproduktion entwickelt. Es stößt bereits international auf Interesse.

Die Vorstellung von einem kühlen Bier, leicht beschlagenes Glas, eine noch intakte Schaumkrone, ein gemütliches Platzerl im Schatten - an heißen Sommertagen für viele der Inbegriff von Genuss und Erfrischung. Die Werbung nutzt das Motiv reichlich. Kaum einer, der so ein kühles Bierchen - oder mehrere - genießt, weiß jedoch, dass jedes Krügerl, das er sich da vergönnt, zehn Deka Rückstände bei der Herstellung erzeugt hat: Biertreber, ein Abfallprodukt, dessen Verwertung den Brauereien zunehmend Kopfzerbrechen bereitet.

20.000 Tonnen pro Jahr

Legt man diese Menge Abfall nämlich auf die Jahresproduktion einer Brauerei mit einer Kapazität von einer Million Hektoliter pro Jahr um, so ergibt das die nicht unbeachtliche Menge von 20.000 Tonnen Nasstreber, die zu entsorgen sind. Diese Rückstände fallen an, wenn sich die festen Bestandteile der Bier-Maische in sogenannten Läuterbottichen absetzen.

In vielen Brauereien wird dieser ligninhaltige und eiweißreiche Biertreber für die Fütterung von Rindern bereitgestellt, als Futtermittelzusatz. Dieses Abfallprodukt eignet sich als Mastfutter. Allerdings hat diese Art der Verwendung Schönheitsfehler: Da ist zunächst die Tatsache, dass die in nasser Form anfallenden Biertreber innerhalb von zwei, maximal drei Tagen verbraucht werden müssen. Sonst beginnen Fäulnisprozesse. Gelingt das nicht, muss man die Rückstände trocknen, um sie lagerfähig zu machen - eine kostenintensive Sache, die den Bierpreis belastet.

Außerdem verdauen die Tiere die Fasern des Biertrebers nur schwer und produzieren dabei das Treibhausgas Methan, wie Umweltschützer kritisch anmerken. Aber noch gravierender für die Brauereien ist der Umstand, dass die Rinderhaltung in Mitteleuropa stark rückläufig ist. In der Steiermark beispielsweise hat sich die Zahl der Rinder seit 1970 fast halbiert.

Deponieren ist teuer

Damit stehen die Brauereien aber vor der Perspektive, die Abfälle zu deponieren, was ab 2004 - da tritt die neue Deponieverordnung in Österreich in Kraft - ebenfalls teuer zu stehen kommt. Denn Biertreber laufen dann unter der Rubrik Sondermüll. Das würde die Produktionskosten um ungefähr zehn Prozent erhöhen, schätzt Werner Kepplinger von der Montanuniversität Leoben.

Um diese Kosten zu vermeiden, entwickelte sein Institut in Kooperation mit der "Brauunion Österreich" eine Pilot-Anlage, die in der Gösser Brauerei errichtet wurde. Sie verarbeitet Biertreber und führt sie einer sinnvollen Verwendung zu: Sie werden energetisch genutzt. Seit Jänner dieses Jahres ist diese Anlage in Betrieb.

Das Problem bei dieser Art der Verwertung war bisher der hohe Wassergehalt - und damit der niedrige Heizwert - der Rückstände. Er beträgt nämlich 80 Prozent, was eine thermische Nutzung zunächst unmöglich erscheinen ließ. Um sie dennoch zu ermöglichen, wurde ihr in der Gösser-Anlage eine mechanische Trocknung über eine Filterpresse vorgeschaltet.

Diese reduziert den Wassergehalt der Biertreber auf 58 Prozent. Und in diesem Zustand ist das Material dann biologisch weitgehend stabil, lagerbar - und vor allem in einem Biomasse-Kessel als Brennstoff nutzbar. Das auf diese Weise getrocknete Material hat einen Heizwert, der dem der Braunkohle ähnlich ist.

Das ausgepresste Wasser enthält viele organische Stoffe. Man kann es einer besonderen (anaeroben) Behandlung zuführen, in der Methan entsteht, ein Gas, das als Zusatzbrennstoff im Biomassekessel eingesetzt werden kann.

Der in Göss zum Einsatz kommende Kessel ist relativ flexibel in seinem Einsatz. Damit wird es möglich, "den Änderungen des Energiebedarfes während des Brauzyklus nachzuführen", erklärt Kepplinger. Außerdem sei "die feuerfeste Ausmauerung im Kessel so gestaltet, dass Strahlungswärme zur weiteren Trocknung der Treber verwertet werden kann".

Dünger als Nebenprodukt

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die Treber-Verbrennung so gut vonstatten geht, dass keine besonders aufwendige Abgasreinigung installiert werden muss. Alle Umweltauflagen können erfüllt werden.

Die bei der Verbrennung anfallende Asche unterscheidet sich in ihrer Qualität deutlich von jener, die bei der Holzverbrennung als Rückstand bleibt: Sie enthält einen hohen Anteil an Phosphaten. Und das ist für ihre Verwertung durchaus von Bedeutung, eignet sie sich doch als DüngemittelZusatz. Kepplinger: "Aus wirtschaftlicher Sicht bedeutet dieser Wert einen Gutschriftanteil für die Produktionskosten." Nicht unbeachtlich, denn bei Anlagen in der erwähnten Größenordnung fallen 150 Tonnen Asche an.

Das rechnet sich

Vor zwei Jahren wurde ein Patent auf dieses Verfahren der Treber-Verwertung erteilt, das bereits international auf Interesse gestoßen ist. Derzeit errichtet der Heineken-Konzern nach diesem Konzept eine Brauerei in Nigeria - viermal so groß wie das Pilot-Projekt in Göss.

Das Konzept erweist sich nämlich als wirtschaftlich überaus rentabel: "Damit kann mehr als die Hälfte des Erdgas-Verbrauches für die Dampferzeugung eingespart werden", rechnet Kepplinger vor. Das ergibt eine Amortisationszeit der Investitionen von rund vier Jahren. Und dazu kommt für die Brauereien der Vorteil, nicht von externen Abnehmern abhängig zu sein.

Es ist das leidige Problem vieler Umweltschutz-Anliegen, dass sie zu höheren Kosten und damit Verbraucherpreisen führen - und damit auf Widerstand stoßen. Das Biertreber-Recycling wird nicht mit diesem Makel behaftet sein. So zeichnet sich ab, dass Freunde des "kühlen Blonden" künftig als Biogetränke-Freaks gehandelt werden.

An der Uni Leoben wurde ein Verfahren zur Verwertung von Abfällen in der Bierproduktion entwickelt. Es stößt bereits international auf Interesse.

Die Vorstellung von einem kühlen Bier, leicht beschlagenes Glas, eine noch intakte Schaumkrone, ein gemütliches Platzerl im Schatten - an heißen Sommertagen für viele der Inbegriff von Genuss und Erfrischung. Die Werbung nutzt das Motiv reichlich. Kaum einer, der so ein kühles Bierchen - oder mehrere - genießt, weiß jedoch, dass jedes Krügerl, das er sich da vergönnt, zehn Deka Rückstände bei der Herstellung erzeugt hat: Biertreber, ein Abfallprodukt, dessen Verwertung den Brauereien zunehmend Kopfzerbrechen bereitet.

20.000 Tonnen pro Jahr

Legt man diese Menge Abfall nämlich auf die Jahresproduktion einer Brauerei mit einer Kapazität von einer Million Hektoliter pro Jahr um, so ergibt das die nicht unbeachtliche Menge von 20.000 Tonnen Nasstreber, die zu entsorgen sind. Diese Rückstände fallen an, wenn sich die festen Bestandteile der Bier-Maische in sogenannten Läuterbottichen absetzen.

In vielen Brauereien wird dieser ligninhaltige und eiweißreiche Biertreber für die Fütterung von Rindern bereitgestellt, als Futtermittelzusatz. Dieses Abfallprodukt eignet sich als Mastfutter. Allerdings hat diese Art der Verwendung Schönheitsfehler: Da ist zunächst die Tatsache, dass die in nasser Form anfallenden Biertreber innerhalb von zwei, maximal drei Tagen verbraucht werden müssen. Sonst beginnen Fäulnisprozesse. Gelingt das nicht, muss man die Rückstände trocknen, um sie lagerfähig zu machen - eine kostenintensive Sache, die den Bierpreis belastet.

Außerdem verdauen die Tiere die Fasern des Biertrebers nur schwer und produzieren dabei das Treibhausgas Methan, wie Umweltschützer kritisch anmerken. Aber noch gravierender für die Brauereien ist der Umstand, dass die Rinderhaltung in Mitteleuropa stark rückläufig ist. In der Steiermark beispielsweise hat sich die Zahl der Rinder seit 1970 fast halbiert.

Deponieren ist teuer

Damit stehen die Brauereien aber vor der Perspektive, die Abfälle zu deponieren, was ab 2004 - da tritt die neue Deponieverordnung in Österreich in Kraft - ebenfalls teuer zu stehen kommt. Denn Biertreber laufen dann unter der Rubrik Sondermüll. Das würde die Produktionskosten um ungefähr zehn Prozent erhöhen, schätzt Werner Kepplinger von der Montanuniversität Leoben.

Um diese Kosten zu vermeiden, entwickelte sein Institut in Kooperation mit der "Brauunion Österreich" eine Pilot-Anlage, die in der Gösser Brauerei errichtet wurde. Sie verarbeitet Biertreber und führt sie einer sinnvollen Verwendung zu: Sie werden energetisch genutzt. Seit Jänner dieses Jahres ist diese Anlage in Betrieb.

Das Problem bei dieser Art der Verwertung war bisher der hohe Wassergehalt - und damit der niedrige Heizwert - der Rückstände. Er beträgt nämlich 80 Prozent, was eine thermische Nutzung zunächst unmöglich erscheinen ließ. Um sie dennoch zu ermöglichen, wurde ihr in der Gösser-Anlage eine mechanische Trocknung über eine Filterpresse vorgeschaltet.

Diese reduziert den Wassergehalt der Biertreber auf 58 Prozent. Und in diesem Zustand ist das Material dann biologisch weitgehend stabil, lagerbar - und vor allem in einem Biomasse-Kessel als Brennstoff nutzbar. Das auf diese Weise getrocknete Material hat einen Heizwert, der dem der Braunkohle ähnlich ist.

Das ausgepresste Wasser enthält viele organische Stoffe. Man kann es einer besonderen (anaeroben) Behandlung zuführen, in der Methan entsteht, ein Gas, das als Zusatzbrennstoff im Biomassekessel eingesetzt werden kann.

Der in Göss zum Einsatz kommende Kessel ist relativ flexibel in seinem Einsatz. Damit wird es möglich, "den Änderungen des Energiebedarfes während des Brauzyklus nachzuführen", erklärt Kepplinger. Außerdem sei "die feuerfeste Ausmauerung im Kessel so gestaltet, dass Strahlungswärme zur weiteren Trocknung der Treber verwertet werden kann".

Dünger als Nebenprodukt

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die Treber-Verbrennung so gut vonstatten geht, dass keine besonders aufwendige Abgasreinigung installiert werden muss. Alle Umweltauflagen können erfüllt werden.

Die bei der Verbrennung anfallende Asche unterscheidet sich in ihrer Qualität deutlich von jener, die bei der Holzverbrennung als Rückstand bleibt: Sie enthält einen hohen Anteil an Phosphaten. Und das ist für ihre Verwertung durchaus von Bedeutung, eignet sie sich doch als DüngemittelZusatz. Kepplinger: "Aus wirtschaftlicher Sicht bedeutet dieser Wert einen Gutschriftanteil für die Produktionskosten." Nicht unbeachtlich, denn bei Anlagen in der erwähnten Größenordnung fallen 150 Tonnen Asche an.

Das rechnet sich

Vor zwei Jahren wurde ein Patent auf dieses Verfahren der Treber-Verwertung erteilt, das bereits international auf Interesse gestoßen ist. Derzeit errichtet der Heineken-Konzern nach diesem Konzept eine Brauerei in Nigeria - viermal so groß wie das Pilot-Projekt in Göss.

Das Konzept erweist sich nämlich als wirtschaftlich überaus rentabel: "Damit kann mehr als die Hälfte des Erdgas-Verbrauches für die Dampferzeugung eingespart werden", rechnet Kepplinger vor. Das ergibt eine Amortisationszeit der Investitionen von rund vier Jahren. Und dazu kommt für die Brauereien der Vorteil, nicht von externen Abnehmern abhängig zu sein.

Es ist das leidige Problem vieler Umweltschutz-Anliegen, dass sie zu höheren Kosten und damit Verbraucherpreisen führen - und damit auf Widerstand stoßen. Das Biertreber-Recycling wird nicht mit diesem Makel behaftet sein. So zeichnet sich ab, dass Freunde des "kühlen Blonden" künftig als Biogetränke-Freaks gehandelt werden.