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Feuilleton

Ein Leben als Wegbereiter

1945 1960 1980 2000 2020
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Ein Franziskaner auf Mission: seinen Heimaturlaub in Österreich verwendet Robert Eckerstorfer, um für sein Herzensanliegen Unterstützer zu finden. #Ich habe meinen Lebenssinn mehr drüben wie da#, erzählt der Franziskaner. Mit #drüben# meint er Bolivien, vor allem aber das Hilfsprojekt O.S.C.A.R. Über jemanden, der auszog, um die Welt zu verbessern.

Der Franziskanerpater Robert Eckerstorfer schmunzelt, als er eine Anekdote aus seiner Anfangszeit in Bolivien erzählt: Er wurde losgeschickt, um am Markt für sich und seine Konventkollegen Frühstück zu besorgen. Am Stand einer Indio-Frau findet er etwas Schmackhaftes und entschließt sich, gleich ihren gesamten Bestand aufkaufen. Zur Freude der Verkäuferin, wie er sich denkt, weil sie ja jetzt gleich heimgehen könne. Erfreut war die Verkäuferin aber keineswegs: #Nein, Padre. Du wirst mir doch nicht alles wegkaufen, dann kann ich ja nicht mehr verkaufen!# Damals konnte Pater Robert ihre Reaktion nicht verstehen. Heute weiß er: #Ich hätte ihr den Lebenssinn genommen für den restlichen Tag.#

Diese Geschichte erzählt nicht nur etwas über andere Sichtweisen in anderen Regionen der Welt, sondern gibt vor allem auch jene Einstellung wieder, die Pater Roberts Arbeit im ärmsten Land Südamerikas zugrundeliegt: #Wir glauben immer, die Leute brauchen uns, unser Knowhow, aber was sie brauchen, ist, dass wir sie zuerst einmal verstehen.# Im Hilfsprojekt O.S.C.A.R. (übersetzt: #Sozialarbeiten für ländliche Zugangswege#), das er seit 1982 leitet, versucht er zuallererst Vertrauen zur Bevölkerung vor Ort aufzubauen.

Derzeit hat er in der Provinz Charcas, mitten im bolivianischen Dschungel, sein Lager aufgeschlagen # und das im wahrsten Sinne des Wortes, lebt er doch in einer provisorischen Bauhütte. Ausgehend vom Basis-Baulager werden die teils sehr abgelegenen Ortsgemeinschaften mit Infrastruktur versorgt: Wege werden verbessert, neue Brücken gebaut, Schulen errichtet. Wenn ein Projekt abgeschlossen ist, werden die Hütten auf einen Hänger geladen und weitertransportiert.

Nomade im #Paradies der Welt#

Sein Zuhause im Baulager beschreibt der 67-Jährige schmunzelnd als #Sechs-Sterne-Hotel#: #Also einen Stern hat die Hütte von Haus aus, und fünf Sterne sieht man durch die Löcher im Dach.# Gekocht wird in einer offenen Feuerstelle unter Wellblechdach und heißes Wasser gibt es dann, wenn die Sonne heiß genug dafür ist. Heiß genug ist es durchaus in der Tropenregion, wo die Temperaturen schon einmal 45 Grad erreichen können. Seit Kurzem erst gibt es Strom-Kühltruhen im Baulager. #Früher, wenn wir ein Rind geschlachtet haben, wurde Trockenfleisch gemacht.# Pater Robert lebt und arbeitet im #Paradies der Welt# # so bezeichnet er selbst seine Wahlheimat. Insgesamt bewohnen an die 200 Personen die Baustation. Der Großteil davon sind Studenten, die ihren Militärersatzdienst im Projekt O.S.C.A.R. ableisten.

Die Arbeit bei Pater Robert ist in Bolivien die einzige Möglichkeit, Zivildienst machen zu können. Nebenbei erfahren die Studenten mit welchen Problemen die Menschen am Land zu kämpfen haben, was Pater Robert besonders am Herzen liegt: #Die Leute, die an der Regierung sind, haben keine Ahnung, was am Land vor sich geht. Die Studenten kennen das Land, nicht nur vom Hörensagen, sondern am eigenen Leib.# Erziehung liegt Pater Robert besonders am Herzen: der Erwerb von Wissen, um die Probleme des Landes lösen zu können.

Das Baulager steht seit 2000 in einer Region, mitten im tropischen Tiefland, die mit einem gravierenden Problem konfrontiert ist: Leishmaniose, auch bekannt unter #weißer Lepra#. Seit vergangenem Februar hat die Infektionskrankheit auch Pater Robert erwischt. Übertragen wird Leishmaniose etwa durch Mücken, unbehandelt werden die Schleimhäute im Rachen angegriffen, was bis zum Verlust der Stimmbänder führen kann, oder die Nase beginnt langsam wegzufaulen. Im Gesundheitsprogramm des O.S.C.A.R.-Projektes wird intensiv nach Heilmitteln gegen die #weiße Lepra# gesucht. Zusätzlich werden die bereits Erkrankten behandelt: Fast 40 Prozent der Bevölkerung in der Region haben Leishmaniose.

Im Baulager selbst trifft es jährlich zwei bis drei, wie heuer eben den Direktor selbst: #Ich habe mich sofort eingeschrieben als Patient Nummer 14 in der Versuchsreihe.# Derzeit wird ein Naturheilmittel wissenschaftlich untersucht, das bereits gute Heilerfolge zeigt, nicht zuletzt bei Pater Roberts Verlauf der Erkrankung.

Der Franziskaner als Brückenbauer

Die Kraft für seine Arbeit in Bolivien schöpft Robert Eckerstorfer aus seinem Glauben: #Ich glaube, die christliche Idee ist auch heute noch aktuell. Den Leuten beizubringen, dass die einzige vernünftige Gesellschaftsform eines Zusammenlebens darin liegt, sich gegenseitig zu achten, anzunehmen und zu versuchen, zusammenzuarbeiten. Oder fromm gesagt: Nächstenliebe.# Und das wolle er in der O.S.C.A.R.-Gemeinschaft verwirklichen: #Ganz einfach. Auch wenn es manchmal ein bisschen dreckig ist.# Dann etwa, wenn Pater Robert gemeinsam mit den Einheimischen gerade dabei ist, die alten einfachen Wege so zu verbessern, dass auch Fahrzeuge ohne Spezialantrieb dort fahren können. Vor Kurzem hat der Franziskanerpater seine 98. Brücke übergeben, von ihm selbst berechnet: #Ich habe einen Spezialkurs für Hängebrückenbau gemacht#, erklärt er und fügt lachend an: #Der hat zwei Tage gedauert.# Die Brücken erschließen neue Transportmöglichkeiten für die Kleinbauern und ermöglichen Kindern, ihre Schulen zu erreichen.

Die jeweiligen Projekte werden in einem Planungskomitee von der Bevölkerung selbst beschlossen. Keinesfalls will Pater Roberto # wie er von den Indios genannt wird # den Menschen vor Ort seine Vorstellungen überstülpen: #Das darf niemals die Schule von Pater Roberto werden.# Genauso gut sieht er sich nicht als bolivianischen Arbeitssklaven, sondern als Arbeitskollegen, der beim Arbeiten #genauso dreckig ist wie sie.# Gerade am Beginn seiner Projekttätigkeit sei es #furchtbar hart gewesen, weil die Indios geglaubt haben, der kommt jetzt und macht das für uns. Nein, ich helfe euch, damit ihr eure Probleme selber löst.# Die lokale Bevölkerung definiert, wo Problemfelder liegen und wird bei der Umsetzung dementsprechend eingebunden.

Heimatbesuch und Sponsorensuche

Alle drei bis vier Jahre bekommt Pater Robert vom Orden aus #Heimaturlaub#. Derzeit ist es wieder so weit: #Ich fahre sehr gerne heim nach Österreich, aber nach so langer Zeit ist Bolivien mehr zu meiner Heimat geworden # da sind meine Freunde, meine Arbeit#, erzählt er. Aufgewachsen ist Pater Robert im Mühlviertel (OÖ), in einer #sehr einfachen Familie, mit sechs Kindern, von denen vier studiert haben#. Ihn verschlug es nach Tirol in ein Internat der Franziskaner: #Da bin ich dann hängengeblieben.#

Im Alter von 21 Jahren begann er im Franziskanerorden sein Noviziat. Später meldete er sich zur Mission, kam in eine Pfarre nach Ost-Bolivien und schließlich zum Projekt O.S.C.A.R., das er nun seit 29 Jahren leitet. Selbst in seinem Urlaub kann es Pater Robert nicht lassen, für sein Herzensanliegen zu arbeiten: Ein wichtiger Sponsor ist abhanden gekommen. Nun sucht er nach neuen Geldgebern, vor allem für das Gesundheitsprojekt. Schwierig gestaltet sich auch die Suche nach einem Nachfolger für Pater Robert. #Niemand will im Paradies der Welt leben#, so der Franziskaner. Ausgenommen er selbst: Mit dem Ziel, #die Welt zu verbessern#, zog es ihn nach Bolivien, um draufzukommen: #Die glauben viel mehr als ich.#

Ein Franziskaner auf Mission: seinen Heimaturlaub in Österreich verwendet Robert Eckerstorfer, um für sein Herzensanliegen Unterstützer zu finden. #Ich habe meinen Lebenssinn mehr drüben wie da#, erzählt der Franziskaner. Mit #drüben# meint er Bolivien, vor allem aber das Hilfsprojekt O.S.C.A.R. Über jemanden, der auszog, um die Welt zu verbessern.

Der Franziskanerpater Robert Eckerstorfer schmunzelt, als er eine Anekdote aus seiner Anfangszeit in Bolivien erzählt: Er wurde losgeschickt, um am Markt für sich und seine Konventkollegen Frühstück zu besorgen. Am Stand einer Indio-Frau findet er etwas Schmackhaftes und entschließt sich, gleich ihren gesamten Bestand aufkaufen. Zur Freude der Verkäuferin, wie er sich denkt, weil sie ja jetzt gleich heimgehen könne. Erfreut war die Verkäuferin aber keineswegs: #Nein, Padre. Du wirst mir doch nicht alles wegkaufen, dann kann ich ja nicht mehr verkaufen!# Damals konnte Pater Robert ihre Reaktion nicht verstehen. Heute weiß er: #Ich hätte ihr den Lebenssinn genommen für den restlichen Tag.#

Diese Geschichte erzählt nicht nur etwas über andere Sichtweisen in anderen Regionen der Welt, sondern gibt vor allem auch jene Einstellung wieder, die Pater Roberts Arbeit im ärmsten Land Südamerikas zugrundeliegt: #Wir glauben immer, die Leute brauchen uns, unser Knowhow, aber was sie brauchen, ist, dass wir sie zuerst einmal verstehen.# Im Hilfsprojekt O.S.C.A.R. (übersetzt: #Sozialarbeiten für ländliche Zugangswege#), das er seit 1982 leitet, versucht er zuallererst Vertrauen zur Bevölkerung vor Ort aufzubauen.

Derzeit hat er in der Provinz Charcas, mitten im bolivianischen Dschungel, sein Lager aufgeschlagen # und das im wahrsten Sinne des Wortes, lebt er doch in einer provisorischen Bauhütte. Ausgehend vom Basis-Baulager werden die teils sehr abgelegenen Ortsgemeinschaften mit Infrastruktur versorgt: Wege werden verbessert, neue Brücken gebaut, Schulen errichtet. Wenn ein Projekt abgeschlossen ist, werden die Hütten auf einen Hänger geladen und weitertransportiert.

Nomade im #Paradies der Welt#

Sein Zuhause im Baulager beschreibt der 67-Jährige schmunzelnd als #Sechs-Sterne-Hotel#: #Also einen Stern hat die Hütte von Haus aus, und fünf Sterne sieht man durch die Löcher im Dach.# Gekocht wird in einer offenen Feuerstelle unter Wellblechdach und heißes Wasser gibt es dann, wenn die Sonne heiß genug dafür ist. Heiß genug ist es durchaus in der Tropenregion, wo die Temperaturen schon einmal 45 Grad erreichen können. Seit Kurzem erst gibt es Strom-Kühltruhen im Baulager. #Früher, wenn wir ein Rind geschlachtet haben, wurde Trockenfleisch gemacht.# Pater Robert lebt und arbeitet im #Paradies der Welt# # so bezeichnet er selbst seine Wahlheimat. Insgesamt bewohnen an die 200 Personen die Baustation. Der Großteil davon sind Studenten, die ihren Militärersatzdienst im Projekt O.S.C.A.R. ableisten.

Die Arbeit bei Pater Robert ist in Bolivien die einzige Möglichkeit, Zivildienst machen zu können. Nebenbei erfahren die Studenten mit welchen Problemen die Menschen am Land zu kämpfen haben, was Pater Robert besonders am Herzen liegt: #Die Leute, die an der Regierung sind, haben keine Ahnung, was am Land vor sich geht. Die Studenten kennen das Land, nicht nur vom Hörensagen, sondern am eigenen Leib.# Erziehung liegt Pater Robert besonders am Herzen: der Erwerb von Wissen, um die Probleme des Landes lösen zu können.

Das Baulager steht seit 2000 in einer Region, mitten im tropischen Tiefland, die mit einem gravierenden Problem konfrontiert ist: Leishmaniose, auch bekannt unter #weißer Lepra#. Seit vergangenem Februar hat die Infektionskrankheit auch Pater Robert erwischt. Übertragen wird Leishmaniose etwa durch Mücken, unbehandelt werden die Schleimhäute im Rachen angegriffen, was bis zum Verlust der Stimmbänder führen kann, oder die Nase beginnt langsam wegzufaulen. Im Gesundheitsprogramm des O.S.C.A.R.-Projektes wird intensiv nach Heilmitteln gegen die #weiße Lepra# gesucht. Zusätzlich werden die bereits Erkrankten behandelt: Fast 40 Prozent der Bevölkerung in der Region haben Leishmaniose.

Im Baulager selbst trifft es jährlich zwei bis drei, wie heuer eben den Direktor selbst: #Ich habe mich sofort eingeschrieben als Patient Nummer 14 in der Versuchsreihe.# Derzeit wird ein Naturheilmittel wissenschaftlich untersucht, das bereits gute Heilerfolge zeigt, nicht zuletzt bei Pater Roberts Verlauf der Erkrankung.

Der Franziskaner als Brückenbauer

Die Kraft für seine Arbeit in Bolivien schöpft Robert Eckerstorfer aus seinem Glauben: #Ich glaube, die christliche Idee ist auch heute noch aktuell. Den Leuten beizubringen, dass die einzige vernünftige Gesellschaftsform eines Zusammenlebens darin liegt, sich gegenseitig zu achten, anzunehmen und zu versuchen, zusammenzuarbeiten. Oder fromm gesagt: Nächstenliebe.# Und das wolle er in der O.S.C.A.R.-Gemeinschaft verwirklichen: #Ganz einfach. Auch wenn es manchmal ein bisschen dreckig ist.# Dann etwa, wenn Pater Robert gemeinsam mit den Einheimischen gerade dabei ist, die alten einfachen Wege so zu verbessern, dass auch Fahrzeuge ohne Spezialantrieb dort fahren können. Vor Kurzem hat der Franziskanerpater seine 98. Brücke übergeben, von ihm selbst berechnet: #Ich habe einen Spezialkurs für Hängebrückenbau gemacht#, erklärt er und fügt lachend an: #Der hat zwei Tage gedauert.# Die Brücken erschließen neue Transportmöglichkeiten für die Kleinbauern und ermöglichen Kindern, ihre Schulen zu erreichen.

Die jeweiligen Projekte werden in einem Planungskomitee von der Bevölkerung selbst beschlossen. Keinesfalls will Pater Roberto # wie er von den Indios genannt wird # den Menschen vor Ort seine Vorstellungen überstülpen: #Das darf niemals die Schule von Pater Roberto werden.# Genauso gut sieht er sich nicht als bolivianischen Arbeitssklaven, sondern als Arbeitskollegen, der beim Arbeiten #genauso dreckig ist wie sie.# Gerade am Beginn seiner Projekttätigkeit sei es #furchtbar hart gewesen, weil die Indios geglaubt haben, der kommt jetzt und macht das für uns. Nein, ich helfe euch, damit ihr eure Probleme selber löst.# Die lokale Bevölkerung definiert, wo Problemfelder liegen und wird bei der Umsetzung dementsprechend eingebunden.

Heimatbesuch und Sponsorensuche

Alle drei bis vier Jahre bekommt Pater Robert vom Orden aus #Heimaturlaub#. Derzeit ist es wieder so weit: #Ich fahre sehr gerne heim nach Österreich, aber nach so langer Zeit ist Bolivien mehr zu meiner Heimat geworden # da sind meine Freunde, meine Arbeit#, erzählt er. Aufgewachsen ist Pater Robert im Mühlviertel (OÖ), in einer #sehr einfachen Familie, mit sechs Kindern, von denen vier studiert haben#. Ihn verschlug es nach Tirol in ein Internat der Franziskaner: #Da bin ich dann hängengeblieben.#

Im Alter von 21 Jahren begann er im Franziskanerorden sein Noviziat. Später meldete er sich zur Mission, kam in eine Pfarre nach Ost-Bolivien und schließlich zum Projekt O.S.C.A.R., das er nun seit 29 Jahren leitet. Selbst in seinem Urlaub kann es Pater Robert nicht lassen, für sein Herzensanliegen zu arbeiten: Ein wichtiger Sponsor ist abhanden gekommen. Nun sucht er nach neuen Geldgebern, vor allem für das Gesundheitsprojekt. Schwierig gestaltet sich auch die Suche nach einem Nachfolger für Pater Robert. #Niemand will im Paradies der Welt leben#, so der Franziskaner. Ausgenommen er selbst: Mit dem Ziel, #die Welt zu verbessern#, zog es ihn nach Bolivien, um draufzukommen: #Die glauben viel mehr als ich.#