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Feuilleton

Ein Star der Nazarener

1945 1960 1980 2000 2020

Menschen waren nur Staffage: Julius Schnorr von Carolsfeld.

1945 1960 1980 2000 2020

Menschen waren nur Staffage: Julius Schnorr von Carolsfeld.

Auch die Wiederentdeckung dessen, was die Nazarener an Qualitätvollem hinterließen, war fällig. Julius Schnorr von Carolsfeld ragt gewiss aus ihrem Kreis hervor und kann jetzt anhand eines Bildbandes über sein "Landschaftsbuch" neu bewertet werden.

Sehen wir einmal von dem ab, was Hitler und Stalin gefiel und daher zur verordneten Kunst der großen Diktaturen des 20. Jahrhunderts wurde. Reden wir nur von in Freiheit entstandenen Kunstrichtungen. Dann ist wohl von den Strömungen der letzten zwei Jahrhunderte keine so gründlich out und für so viele Kunstfreunde nur eine Kunst zum Wegschauen wie die Kunst der Nazarener. Während andere konsequent, aber noch lange unverstanden zum Endanflug auf die Moderne ansetzten, wollten sie die Kunst durch den Rückgriff auf Raffael und die alten deutschen Meister wiederbeleben. Das konnte nur schief gehen und ist, was die Gesamtbilanz der Richtung betrifft, im Rückblick auch gründlich schief gegangen. Die Nazarener schwärmten von "wahrhaftiger Kunst" und schufen viele fromme Werke, die heute in der Wertschätzung religiöser Kunst unter "ferner liefen" rangieren.

Was aber nichts über das Können des Einzelnen aussagt. Welch gefühlvoller, feinsinniger und dabei virtuoser Zeichner Julius Schnorr bei aller formalen Rückwärtsgewandtheit war, beweisen die 115 Blätter seines zwischen 1818 und 1827 in Italien entstandenen "Landschaftsbuches". Die im Dresdener Kupferstich-Kabinett aufbewahrten Blätter waren kürzlich ausgestellt und wurden nun in der ursprünglichen Anordnung des Künstlers im Wienand-Verlag neu publiziert.

Die Menschen in diesen Landschaften habe er keineswegs nach dem Leben erfunden, alles Landschaftliche hingegen "bis auf ein Paar Zweige oder Bäumchen auch gesehen", schreibt Schnorr vier Jahrzehnte später, 1867, in den Briefen an Eduard Cichorius, den Erwerber des "Landschaftsbuches". Sie zählen zu den schönsten autobiographischen Texten von Künstlern des 19. Jahrhunderts.

"... Ein Land der Verheissung" Julius Schnorr von Carolsfeld zeichnet Italien. Wienand Verlag, Köln 2000, 320 Seiten, 142 farbige und 122 s/w-Abbildungen, geb., öS 715,-/e 51,95

Auch die Wiederentdeckung dessen, was die Nazarener an Qualitätvollem hinterließen, war fällig. Julius Schnorr von Carolsfeld ragt gewiss aus ihrem Kreis hervor und kann jetzt anhand eines Bildbandes über sein "Landschaftsbuch" neu bewertet werden.

Sehen wir einmal von dem ab, was Hitler und Stalin gefiel und daher zur verordneten Kunst der großen Diktaturen des 20. Jahrhunderts wurde. Reden wir nur von in Freiheit entstandenen Kunstrichtungen. Dann ist wohl von den Strömungen der letzten zwei Jahrhunderte keine so gründlich out und für so viele Kunstfreunde nur eine Kunst zum Wegschauen wie die Kunst der Nazarener. Während andere konsequent, aber noch lange unverstanden zum Endanflug auf die Moderne ansetzten, wollten sie die Kunst durch den Rückgriff auf Raffael und die alten deutschen Meister wiederbeleben. Das konnte nur schief gehen und ist, was die Gesamtbilanz der Richtung betrifft, im Rückblick auch gründlich schief gegangen. Die Nazarener schwärmten von "wahrhaftiger Kunst" und schufen viele fromme Werke, die heute in der Wertschätzung religiöser Kunst unter "ferner liefen" rangieren.

Was aber nichts über das Können des Einzelnen aussagt. Welch gefühlvoller, feinsinniger und dabei virtuoser Zeichner Julius Schnorr bei aller formalen Rückwärtsgewandtheit war, beweisen die 115 Blätter seines zwischen 1818 und 1827 in Italien entstandenen "Landschaftsbuches". Die im Dresdener Kupferstich-Kabinett aufbewahrten Blätter waren kürzlich ausgestellt und wurden nun in der ursprünglichen Anordnung des Künstlers im Wienand-Verlag neu publiziert.

Die Menschen in diesen Landschaften habe er keineswegs nach dem Leben erfunden, alles Landschaftliche hingegen "bis auf ein Paar Zweige oder Bäumchen auch gesehen", schreibt Schnorr vier Jahrzehnte später, 1867, in den Briefen an Eduard Cichorius, den Erwerber des "Landschaftsbuches". Sie zählen zu den schönsten autobiographischen Texten von Künstlern des 19. Jahrhunderts.

"... Ein Land der Verheissung" Julius Schnorr von Carolsfeld zeichnet Italien. Wienand Verlag, Köln 2000, 320 Seiten, 142 farbige und 122 s/w-Abbildungen, geb., öS 715,-/e 51,95