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Feuilleton

Ein würdiger Abschied

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Die Art und Weise, wie sich Alain Resnais, dieser Großmeister des Kinos, von der Filmwelt verabschiedet hat, als er Anfang März im Alter von 91 Jahren verstarb, hat schon etwas Abschließendes, zugleich aber auch die Altersmilde eines Mannes, der in seiner Schaffensphase stets den Regisseur in sich betonte, niemals Autor sein wollte, oder gar Autorenfilmer.

Resnais hat mit "Amier, boire et chanter“ zum dritten Mal ein Theaterstück des Briten Alan Ayckbourn in einen Film übersetzt; bereits mit "Smoking/Non Smoking“ (1993) und "Coeurs“ (2006) bediente er sich seiner Vorlagen, weil er es schätzte, nicht Urheber, sonder Interpret von Werken sein zu dürfen; Resnais hat über seine lange Wirkungszeit oft bewiesen, dass das Zweigespann aus Autor und Regisseur schlagkräftiger und auch graziler sein kann, als die Union der beiden in einer Person. Resnais lässt dem Stoff seine Herkunft, stattete ihn für das Kino mit englischen Utensilien aus, das ging sogar bis ins letzte Detail: Die Zigaretten, die die Darsteller rauchen, stammen aus Großbritannien.

Referenzen an die Welt des Films

"Aimer, boire et chanter“ ist in gewisser Weise der milde Epilog in einem durchaus auch radikalen Werk: Der Film steckt voller Referenzen an sich und die Welt des Films, aber auch an die des Theaters: Eine Truppe probt ein Theaterstück namens "Relatively Speaking“ (das auch von Ayckbourn stammt) und erfährt dabei von der schweren Erkrankung eines Kollegen: George hat Krebs und soll nur mehr wenige Monate leben. Derart aufgerüttelt von der Nachricht, wollen die Schauspielerinnen Tamara (Caroline Sihol), Monica (Sandrine Kiberlain) und Kathryn (Sabine Azéma) dem Kranken besonders nahe sein und ihn bis zu seinem Ende begleiten; das geht jedoch nicht ohne Eifersüchteleien.

George jedoch kommt im gesamten Film kein einziges Mal vor, er bleibt eine Projektionsfläche, und ja, vielleicht auch eine Metapher für die undefinierbare Kraft des Todes. Alain Resnais steckt diese Szenerie in eine holzschnittartige Optik, spielt die Farben gegeneinander aus, ebenso die komischen Situationen gegen die tragischen. Es ist die Lebensfreude eines alten Mannes, sie hat nichts an ihrer Strahlkraft verloren, höchstens an der Wuchtigkeit, mit der er bisher seine Schauspielerstücke vortrug.

Man wird den Eindruck nicht los, Resnais habe hier seinen eigenen Abschied inszeniert, aber das mag vielleicht nur im Lichte seines Ablebens so erscheinen. Immerhin hat er sich die Frische eines mit dem Leben feixenden Buben erhalten, der mit großer Freude am Spiel selbst dann noch eine komische Situation in petto hat, wenn man glaubt, das Leben habe einem gerade besonders übel mitgespielt. Resnais ist in Würde abgetreten, das wird der Stellenwert seiner Filme bald deutlich zeigen.

Aimer, boire et chanter

F 2014. Regie: Alain Resnais. Mit Sabine Azéma, Sandrine Kiberlain, Caroline Sihol, André Dussollier. Stadtkino. 108 Min.

Die Art und Weise, wie sich Alain Resnais, dieser Großmeister des Kinos, von der Filmwelt verabschiedet hat, als er Anfang März im Alter von 91 Jahren verstarb, hat schon etwas Abschließendes, zugleich aber auch die Altersmilde eines Mannes, der in seiner Schaffensphase stets den Regisseur in sich betonte, niemals Autor sein wollte, oder gar Autorenfilmer.

Resnais hat mit "Amier, boire et chanter“ zum dritten Mal ein Theaterstück des Briten Alan Ayckbourn in einen Film übersetzt; bereits mit "Smoking/Non Smoking“ (1993) und "Coeurs“ (2006) bediente er sich seiner Vorlagen, weil er es schätzte, nicht Urheber, sonder Interpret von Werken sein zu dürfen; Resnais hat über seine lange Wirkungszeit oft bewiesen, dass das Zweigespann aus Autor und Regisseur schlagkräftiger und auch graziler sein kann, als die Union der beiden in einer Person. Resnais lässt dem Stoff seine Herkunft, stattete ihn für das Kino mit englischen Utensilien aus, das ging sogar bis ins letzte Detail: Die Zigaretten, die die Darsteller rauchen, stammen aus Großbritannien.

Referenzen an die Welt des Films

"Aimer, boire et chanter“ ist in gewisser Weise der milde Epilog in einem durchaus auch radikalen Werk: Der Film steckt voller Referenzen an sich und die Welt des Films, aber auch an die des Theaters: Eine Truppe probt ein Theaterstück namens "Relatively Speaking“ (das auch von Ayckbourn stammt) und erfährt dabei von der schweren Erkrankung eines Kollegen: George hat Krebs und soll nur mehr wenige Monate leben. Derart aufgerüttelt von der Nachricht, wollen die Schauspielerinnen Tamara (Caroline Sihol), Monica (Sandrine Kiberlain) und Kathryn (Sabine Azéma) dem Kranken besonders nahe sein und ihn bis zu seinem Ende begleiten; das geht jedoch nicht ohne Eifersüchteleien.

George jedoch kommt im gesamten Film kein einziges Mal vor, er bleibt eine Projektionsfläche, und ja, vielleicht auch eine Metapher für die undefinierbare Kraft des Todes. Alain Resnais steckt diese Szenerie in eine holzschnittartige Optik, spielt die Farben gegeneinander aus, ebenso die komischen Situationen gegen die tragischen. Es ist die Lebensfreude eines alten Mannes, sie hat nichts an ihrer Strahlkraft verloren, höchstens an der Wuchtigkeit, mit der er bisher seine Schauspielerstücke vortrug.

Man wird den Eindruck nicht los, Resnais habe hier seinen eigenen Abschied inszeniert, aber das mag vielleicht nur im Lichte seines Ablebens so erscheinen. Immerhin hat er sich die Frische eines mit dem Leben feixenden Buben erhalten, der mit großer Freude am Spiel selbst dann noch eine komische Situation in petto hat, wenn man glaubt, das Leben habe einem gerade besonders übel mitgespielt. Resnais ist in Würde abgetreten, das wird der Stellenwert seiner Filme bald deutlich zeigen.

Aimer, boire et chanter

F 2014. Regie: Alain Resnais. Mit Sabine Azéma, Sandrine Kiberlain, Caroline Sihol, André Dussollier. Stadtkino. 108 Min.