Digital In Arbeit

Eine Einladung bei Claude Monet

Claude Monet # der berühmte Impressionist als leidenschaftlicher Gourmet und Gastgeber: Er war mit Besessenheit bei der Arbeit, wollte aber seine ausgeprägte Liebe zur Natur sowie seinen Hang zu Bequemlichkeit und gutem Essen nicht verbergen.

Wäre es nach dem Wunsch seines Vaters gegangen, hätte Claude Monet den elterlichen Lebensmittelhandel übernommen. Stattdessen wurde er Maler # und als solcher einer der ganz Großen. Die Welt kennt Oscar Claude Monet als Schöpfer des Impressionismus. Für sein Bild #Impression Sonnenaufgang# wurde er zuerst verspottet, wenig später war er damit für eine ganze Epoche prägend.

Doch wer kennt schon Monet als begnadeten Gourmet, als egoistischen und doch so großzügigen Gastgeber? Claire Joyes, die Frau des Urenkels von Alice Hoschedè, der zweiten Frau des Künstlers, hat sich auf die künstlerischen und kulinarischen Spuren von Monet begeben. Sie schildert auf lebendige und amüsante Weise seinen Alltag, seine Arbeitsweise und seine Speisevorlieben. Dabei waren die Anfangsjahre als Künstler keineswegs leicht. #Der permanente Existenzkampf, ständige Geldsorgen, die auch mit zunehmender Bekanntheit nicht abnehmen wollten, und die beengten Raumverhältnisse hatten Monet lange daran gehindert, seine Vorstellungen von Lebensart und -stil zu verwirklichen. Erst mit dem Umzug nach Giverny im Jahr 1883 nahm die Küche der Monets Gestalt an. In erster Linie ein Verdienst von Alice Hoschedé, seiner zweiten Frau.# Giverny, dieser kleine Ort in der Normandie, war für Monet ab 1883 mehr als 40 Jahre lang der Ort der Sehnsucht und Inspiration. Hier widmete er sich der Malerei und der Botanik.

Eine Idylle nahe Paris aber fern vom Trubel

#Mein Herz ist stets in Giverny#, schrieb er in einem Brief, #nie wieder fände ich einen so schönen Ort.# Das Anwesen mit seinem kleinen Wassergarten und all den berauschenden Farben war für ihn eine Oase der Stille, sein künstlerisches Universum.

Monets Haus war ein offenes Haus. Hier empfing er Besucher aus nah und fern, hier waren Dichter und Politiker, Kunstkritiker und Galeristen zu Gast. Sie alle genossen die perfekte Gastfreundschaft und die bewusst einfache Küche. Im berühmten gelben Salon und im Garten mit den Seerosenteichen bewirteten die Monets unzählige Gäste. Giverny war ein Glücksfall für die Familie. Eine Idylle, nur einen Steinwurf von Paris entfernt, und trotzdem fernab vom Trubel der Welt.

Bei der Schilderung des Hauses, der verschiedenen Dekors, der eleganten Tischkultur, hat der Fotograf Jean-Bernard Naudin einen großen Anteil am Gelingen dieses Buches. Die Fotos zeichnen sich durch einen virtuosen Umgang mit dem Licht aus # ähnlich den Gemälden Monets. Ein weiterer Vorzug des Buches ist die Tatsache, dass auch die Frau an Monets Seite gebührend gewürdigt wird. #Die Herrin im Haus war Alice. Was sie leistete, ist kaum zu ermessen. Sie ertrug die Launen Monets, zog acht durchschnittlich begabte Kinder groß, organisierte und überwachte die Arbeit der Dienstboten, empfing die zahlreichen Verwandten und Freunde sowie Monets Kunsthändler. Als Frau von Welt verstand sie es, zu jedem Anlass die richtigen Worte zu finden.#

Der Geschmack einer Epoche

Monet legte Wert auf gute Weine. Die heimischen Gewächse kamen bei ihm nicht auf den Tisch. Burgunder- und Bordeauxweine standen dagegen hoch im Kurs. Als gesunden Ausgleich achtete man auf erstklassiges, frisches Gemüse aus eigenem Anbau. Frühmorgens wurden die bestellten Gemüsesorten aus dem Gemüsegarten geliefert. #Zum Mittagessen gab es in der Regel eine warme Vorspeise, ein Fleisch- oder ein Fischgericht, manchmal auch beides, Gemüse, Salat und jeden Tag eine andere Nachspeise. Ein Abendessen ohne Suppe war im Hause Monet unvorstellbar. Hinterher gab es ein Eier- oder Käsegericht, anschließend dann der Hauptgang: ein Geflügelgericht, ein Gratin oder kaltes Fleisch, Salat und Käse.#

Der französische Dreisternekoch und Gastronom Joël Robuchon hat für das Buch 180 Rezepte aus Monets #Carnets de cuisine# bearbeitet und den heutigen Verhältnissen angepasst, sodass sie für den Leser leicht nachzukochen sind. Dass dies kein leichtes Unterfangen war, wird einem bewusst, wenn man die oft exzentrischen Forderungen des Künstlers liest. #Gänseleberpastete aus dem Elsass, Trüffel aus dem Périgord # etwas anderes kommt nicht in Frage.#

Sehr nützlich ist das Register am Ende des Buches, mit dessen Hilfe es ein Leichtes ist, die gewünschten Gerichte zu finden. Ob #moules au vert#, #poisson à la créole#, #entrecôte marchand de vin# oder ein #gâteau de pommes#, es fehlt an nichts, was gut und schmackhaft ist.

Dieses einzigartige Buch ist Zeugnis eines in jeder Hinsicht gelungenen Lebens. Der Leser hat Anteil am Geschmack und an der Atmosphäre einer vergangenen Zeit.

Zu Gast bei Monet

Von Claire Joyes.

Fotos: Jean-Bernard Naudin. Edition Styria.

192 Seiten, e 29,95

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau