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Eine Familie geht auf Öl-Diät

Was passiert, wenn eine anglo-finnische Familie beschließt, keine neuen Produkte aus Erdöl zu kaufen, sowie auch ohne Öl und Gas zu heizen? Letzten Sonntag bot ORF 2 dazu in seiner exzeptionellen Sendeleiste dok.film „Kein Öl mehr!“, in der John Webster eine der Hauptrollen spielt. Er schrieb auch das Drehbuch, führte Regie und teilweise sogar die Kamera und zeigt so die Probleme beim Klimaschutz im Mikrokosmos Familie. Nicht alle Websters waren für das einjährige Projekt. Johns Frau Anu musste erst überredet werden, wobei man eher sagen müsste, sie wurde überstimmt. John nahm die Sache ernst, und so wurde auch vor den Kindern Samuel und Benjamin nicht Halt gemacht. Die Öl-Diät beginnt im Supermarkt so richtig haarig zu werden: Was kaufen, wenn man keine Verpackung aus Erdölprodukten mehr akzeptiert? Und was sagt man, wenn man erklären muss, warum man keine Sackerl aus Plastik mehr haben möchte. Bei den frischen Produkten findet man eine Lösung, aber bei Shampoo und dergleichen ist es unmöglich. So griffen Websters nach einer Internet-Recherche zu selbstgemachten Hygieneprodukten und wurden dabei sehr erfinderisch. Die Doku berührt in den Momenten, in denen sich die Umweltschützer für die Sache aufreiben. Denn genauso wie auf internationaler Ebene gilt: Umweltschutz ist schwierig, weil man sich von alten Gewohnheiten verabschieden muss. Und neue, effiziente Lösungen sind nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Das Fazit nach einem Jahr: Die Familie blieb eine Familie, und es wurde auch der CO2-Ausstoß verringert – aber nur um die Hälfte. John war enttäuscht, dass es nicht mehr war. Manche Staaten würden sich als Sieger fühlen.

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