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Feuilleton

Eine Hommage an Hans

1945 1960 1980 2000 2020

Die Viennale 2017 wird ganz im Zeichen ihres im Juli plötzlich verstorbenen Langzeit-Leiters Hans Hurch stehen.

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Die Viennale 2017 wird ganz im Zeichen ihres im Juli plötzlich verstorbenen Langzeit-Leiters Hans Hurch stehen.

Die Stimmung war gedrückt, und doch feierlich, auch heiter, weil Bonmots über "den Hans" die Runde machten. Jeder aus der Branche hat mit ihm etwas erlebt, meistens waren es schöne Erlebnisse. Die Filmbranche nahm Ende August am Wiener Zentralfriedhof von Hans Hurch Abschied, und spätestens da war allen Anwesenden bewusst, dass eine Ära zu Ende gegangen war. Eine Ära, die man im heurigen Jahr noch ein wenig fortschreiben will, denn der interimistisch als Viennale-Chef bestellte Franz Schwartz, Gründer und jahrzehntelang Betreiber des Wiener "Stadtkino", gestaltet eine Viennale "ganz im Zeichen von Hans Hurch". Schwartz, ein langjähriger Freund von Hurch, kehrt für das einmalige Viennale-Engagement aus dem Ruhestand zurück. Für ihn eine Frage der Ehre: "Als man mich

gefragt hat, ob ich die Viennale interimistisch übernehmen will, da gab es für mich in dieser Situation gar keine Möglichkeit, Nein zu sagen", erzählt Schwartz. "Wäre der Hans nicht so überraschend gestorben, sondern wäre er auf dem Totenbett gelegen, dann hätte er zu mir gesagt: Bitte mach es zu Ende. Mir war klar, ich habe keine Alternative. Ich muss es tun".

Neuer Viennale-Leiter kommt im Jänner 2018

Schwartz gehört auch dem Viennale-Komitee an, das im Jänner 2018 einen neuen künstlerischen Direktor für das Festival bestellen wird. Gleich nach der kommenden Viennale (19. Oktober bis 2. November 2017) soll die offizielle Ausschreibung erfolgen, an der sich Schwartz jedoch "keinesfalls" beteiligen will. "Für mich ist das eine einmalige Sache, ich mache das für den Hans und für sein tolles Team", sagt Schwartz im FURCHE-Gespräch.

"Rund 70 Prozent des Programms für die Viennale sind schon fix, die hat Hans noch selbst ausgewählt", sagt Schwartz. "Den Rest, etwa beim kommenden Festival von Venedig, werde ich ganz in seinem Sinne auswählen. Dank des hervorragenden Teams der Viennale, das mir genau verrät, wie Hans gedacht hat, werde ich da keine groben Fehler machen, da bin ich mir sehr sicher".

Höhepunkte der Viennale 2017

Erste Höhepunkte der Viennale wurden bereits bei der traditionellen Sommer-Pressekonferenz vergangene Woche präsentiert: Neben Spielfilmen wie Barbara Alberts "Licht", Valeska Grisebachs "Western", dem Cannes-Hit "120 battements par minute" von Robin Campillo oder der Austro-Koproduktion "Teheran Tabu" von Ali Soozandeh, sind auch wieder viele starke Dokus vertreten, darunter Frederick Wisemans neues Werk "Ex Libris" über die New Yorker Public Library oder Amos Gitais "A l'ouest du Jourdain". Die Retrospektive des Filmmuseums widmet sich dem Sowjetkino, die Reihe "Napoli! Napoli!" zeigt das Neue Neapolitanische Filmschaffen der 1990er Jahre. Eine Hommage an Hurch, der das Festival 20 Jahre lang geleitet und geprägt hat, ist auch geplant: 14 künstlerische Weggefährten Hurchs wurden gebeten, je einen Film zu benennen, den sie dem Verstorbenen widmen möchten.

Für die Viennale-Zukunft wünscht sich Schwartz, dass diese in der Tradition Hurchs fortgeführt werde: "Wir brauchen eine Persönlichkeit an der Spitze, die die Entscheidungen trifft und mit ihrer Existenz dafür haftet. So hat es Hans Hurch gemacht. Und so ist die Viennale zu dem Festival geworden, das es heute ist."