Eine Oper, ein Wort: Idomeneo

Aufwühlendes, packendes Gefühlsdrama. Styriarte: Ein musikalisch fulminanter "Idomeneo" mit Nikolaus Harnoncourt als Dirigent und Regisseur in Personalunion.

Wenn Wolfgang Amadeus Mozart von der Oper sprach, dann meinte er immer den Idomeneo": Aber nicht nur für den Salzburger Wunderknaben, sondern auch für den eben zitierten Nikolaus Harnoncourt ist "Idomeneo" ein zentrales, weil geniales und weit über die damalige Zeit hinausweisendes Werk. Deswegen beschäftigt sich der österreichische Dirigent mit der frühen Oper auch schon seit 30 Jahren und hat sie schon in Zürich (1980) und an der Wiener Staatsoper (1997) dirigiert.

Man merkt es vom ersten, elektrisierenden Ton an: Es ist unglaublich, mit welcher nie nachlassender Energie und mit welch fordernden Zeichen der 78-jährige Maestro jetzt beim Festival Styriarte in der Helmut List Halle in Graz die Partitur Mozarts umsetzt. Da wird vom fabelhaften Concentus Musicus mit Originalinstrumenten mit einer schillernden Palette an reichen Klangfarben, unbändigem Ausdruck, Details und einer Dynamik, die von zarten Momenten bis hin zu aufpeitschenden Ausbrüchen reicht, musiziert. Da mischen sich eigens rekonstruierte H-Klarinetten, die Mozart für zwei Nummern vorschreibt, mit strahlenden Streichern, näselnden Rohrblättern und Naturhörnern. Wie nicht anders zu erwarten, bedient sich Harnoncourt der Münchner Erstfassung aus 1781, inklusive dem meist gestrichenen, 15-minütigen Ballett zum Finale. Und trotz der Länge von dreieinhalb Stunden bleibt die Spannung stets explosiv.

Stimmkräftig...

Hochkarätig ist nicht nur der Schönberg-Chor (Einstudierung: Erwin Ortner), sondern das gesamte Sängerensemble: An der Spitze der junge Albaner Saimir Pirgu mit kraftvollem, expressivem Ausdruck, der auch die diffizilen Koloraturen seiner Arie "Fuor del mar" mit traumwandlerischen Sicherheit meistert. Marie-Claude Chappuis berührt als Idamante und singt mit wunderbarer Phrasierung. Julia Kleiter ist eine glockenreine Ilia, Eva Mei eine stylische, kalte Elettra. Tadellos auch Jeremy Ovenden (Arbace), Rudolf Schasching (Oberpriester) sowie Yasushi Hurano (Stimme).

.... und emotionsstark

Um seine eigenen Ideen am ehesten durchsetzen zu können, hat Nikolaus Harnoncourt, unterstützt von seinem Sohn Philipp, selbst die Regie übernommen. Er vollbringt bei diesem Debüt zwar keine Großtat, aber dafür eine behutsame, konventionelle, manchmal auch etwas statische Inszenierung, mit charmantem Humor, die nie kommentiert, immer dem Libretto treu bleibt und stets der Musik dient. Besonders in den Schlüsselszenen wie der Orakelszene, als bei plötzlicher Dunkelheit unter Fanfarenklängen eine Stimme aus dem Untergrund ertönt, gelingt es ihm, die Emotionen der mit geschmackvollen Kostümen (Renate Martin, Andreas Donhauser) ausgestatteten Protagonisten packend nach außen zu vermitteln. Und der marmorne, riesige Meeresgott Neptun beobachtet mit leeren Augen das Geschehen von einer Bühnenecke aus, wo mit verschiebbaren Elementen verschiedenste Räume (Rolf Glittenberg) ermöglicht werden. Exzellent choreografiert ist das Ballett der Züricher Oper (Heinz Spoerli), das als Krieger, Winde und Meeresungeheuer durch starken Ausdruckstanz mitwirkt.

Zum Schluss: Standing Ovations vom Publikum, darunter auch Oscarpreisträger Maximilian Schell!

Idomeneo

Styriarte 2008 - "Alles fließt"

Ort: Helmut-List-Halle, Waagner-Biro-Straße 98a, 8020 Graz

Termine: 10.,12., und 15.7.2008 Infos und Karten: Tel.: 0316/825000 e-mail: tickets@styriarte.com.

Homepage: www.styriarte.com

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