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Einer der Väter der Nouvelle Vague

Nouvelle Vague (Neue Welle) war die Stilrichtung des französischen Films in den fünfziger- und sechziger Jahre. Rund um André Bazins filmtheoretische Zeitschrift Cahiers du cinéma entwickelte eine Fünferbande ein stilbildendes Konzept, das den französischen Film jener Zeit revolutionierte. Interessant, dass nur einer der fünf – François Truffaut – frühzeitig verstarb (1984). Von Jean-Luc Godard, Jacques Rivette und Claude Chabrol hingegen gibt es Kinofilme bis in die allerjüngste Zeit.

Dieser Tage ist der zweite dieser Kerntruppe der Nouvelle Vague, Éric Rohmer, im 90. Lebensjahr verstorben. Der Regisseur war Bazin als Chef der Cahiers du cinéma nachgefolgt, bis er 1963 von Jacques Rivette abgelöst wurde. Rohmer, der eigentlich Maurice Henri Joseph Schérer hieß, war ursprünglich Deutsch- und Französischlehrer und kam erst mit 28 Jahren zum Film.

Sein Durchbruch kam in den 60er Jahren – etwa mit der Filmreihe „Contes Moraux“ (Moralische Erzählungen, darunter etwa „Meine Nacht bei Maude“ 1969), in der er das Thema Liebe –ganz im Gegensatz zum Titel – ohne Moralisieren thematisierte.

In den späteren Zyklen „Comédies et Proverbes“ (Komödien und Sprichwörter) und „Contes de quatre Saisons“ (Geschichten der vier Jahreszeiten) perfektionierte er das gleiche Thema.

Unvergesslich auch seine Verfilmung des Kleist-Romans „Die Marquise von O“ mit Bruno Ganz. (1976). Zuletzt verfilmte Rohmer 2007 in „Les Amours d’Astrée et de Céladon“ – ganz gegen die aktuellen Filmmoden – einen barocken Schäferroman. Bei der Kritik kam dieses finale Opus von Éric Rohmer allerdings nicht an.

Rohmer gilt als ein Meister der Natürlichkeit, oft arbeitete er daher mit Laienschauspielern und setzte auf den Live-Ton: „Für mich beruht der Film auf einer realistischen Grundlage. Man darf das Künstliche nicht spüren.“ So lautete eine der Selbstinterpretationen des am 11. Jänner Verstorbenen.

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