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Einladung zum Frühstück mit Folgen

Als Kulturministerin Claudia Schmied am 3. Juli Arno Ritter zum Frühstück einlud, ahnte der Leiter des Innsbrucker "aut. architektur und tirol“ schon, was auf ihn zukommen würde: dass er die große Ehre hat, den offiziellen Beitrag Österreichs zur Architekturbiennale Venedig im kommenden Jahr zu kuratieren.

"Ich habe sehr bald gewusst, dass ich das schlicht und einfach machen muss“, gesteht der 46-jährige Wiener, der kein Architekt ist, sich in den 16 Jahren, in denen der gelernte Publizist, Historiker und Philosoph dem "aut“ seinen Stempel aufgedrückt hat, aber zur Architekturinstanz Nr. 1 in Tirol gemausert hat. Durch vier bis fünf Ausstellungen jährlich, eingebunden in ein ambitioniertes Rahmenprogramm inklusive eines speziell für die Architekturbenutzer von morgen maßgeschneiderten.

Auf welche Art und Weise Ritter den 1934 von Josef Hoffmann in elegant klassizistischem Pathos erbauten Pavillon der Österreicher in den venezianischen Giardini bespielen wird, wird man spätestens im kommenden Frühjahr erfahren, wenn der Österreich-Kommissär, dem ein Gesamtbudget von 400.000 Euro zur Verfügung steht, sein Konzept vorstellen wird.

"Vorerst bin ich am Denken“, sagt Arno Ritter, und dass dabei keine übliche Architekturausstellung herauskommen wird, weiß jeder, der den erfahrenen Ausstellungsmacher kennt, der von 1992 bis 1995 Sekretär der Österreichischen Gesellschaft für Architektur und von 2000 bis 2005 im Vorstand der Architekturstiftung Österreich war. Seit 1999 sitzt Ritter im Kulturbeirat des Landes Tirol, bis 2009 war er außerdem vier Jahre lang Mitglied des Beirats "Kunst und Bau“ des Landes Vorarlberg. An der Innsbrucker Universität unterrichtet der Verfasser zahlreicher Publikationen zu Fragen aus Architektur, Fotografie, Kunst, Grafik und Design "Architekturkritik“, an der Wiener Angewandten "Transmediale Kunst“.

Natürlich werde der von ihm gestaltete Österreich-Pavillon mit Architektur zu tun haben, sagt Arno Ritter, sei diese doch stets ein Ausdruck der jeweiligen Zeit und ihrer Gesellschaft. Wobei für ihn die besten Länderpavillons immer grenzgängerisch angelegt waren - indem sie sich nicht mit Gebautem an sich, sondern mit den gesellschaftlichen Bedingungen der Produktion von Raum auseinandergesetzt hätten. Ist Ritter doch der "Widerschein eines kulturellen Verhältnisses“ wichtig, weshalb der Besucher in dem von ihm kuratierten Pavillon unbedingt "das Wesentliche, das Österreich ausmacht“, spüren soll. Festgemacht an kulturell Hintergründigem, an latenten Konflikten und Emotionen, als - trotz allem kritisch reflektierten Patriotismus - kreativ widerständiges Moment.

Auf einer griechischen Insel, wo Arno Ritter gemeinsam mit seinem kleinen Sohn und dessen Mutter vor dem ganz großen Biennale-Stress urlauben wird, sollen diese vorerst losen Gedanken klare Strukturen bekommen. Davor ist Ritter allerdings noch mit ganz pragmatischen Dingen beschäftigt. Etwa der Einrichtung eines Biennale-Büros im Innsbrucker "aut“, dessen Programm Ritter im kommenden Jahr notgedrungen etwas zurückfahren bzw. an Mitarbeiter delegieren wird. Was er überhaupt nicht gerne tut. Sehr gern hätte er allerdings Peter Noever als Direktor des Wiener MAK beerbt. Ministerin Schmied hat sich zwar für einen anderen entschieden, was Ritter im fernen Innsbruck aber so treibt, hat sie erst durch seine Bewerbung erfahren. Und das hat sie ganz offensichtlich tief beeindruckt.

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