Haus am Meer - © Filmladen

Elena Ferrantes geniale Weltliteratur?

1945 1960 1980 2000 2020

Elena Ferrante ist der Hype in diesem Literaturherbst. 250.000 Exemplare ihres Romans "Meine geniale Freundin" hat der Suhrkamp Verlag bereits ausgeliefert. Nun soll auch das Pseudonym der Autorin enthüllt worden sein. Wie besonders aber ist der Roman?

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Elena Ferrante ist der Hype in diesem Literaturherbst. 250.000 Exemplare ihres Romans "Meine geniale Freundin" hat der Suhrkamp Verlag bereits ausgeliefert. Nun soll auch das Pseudonym der Autorin enthüllt worden sein. Wie besonders aber ist der Roman?

Selten wurde in den vergangenen Jahren dem Erscheinen eines Romans derart entgegengefiebert. Selten nahmen Kritiker das Wort "Weltliteratur" so bereitwillig in den Mund. Und wann durfte man es zuvor erleben, dass Der Spiegel für ein Email-Interview mit einer Schriftstellerin zehn Seiten freiräumt? Der italienischen Autorin, die ihre Romane unter dem Pseudonym "Elena Ferrante" veröffentlicht, ist dies gelungen.

Zwischen 2011 und 2014 erschien ihre vierteilige "Neapolitanische Saga", deren erster Band - mit erstaunlicher Verzögerung - nun auf Deutsch erschienen ist. Dass Ferrante auch hierzulande eine solche Aufmerksamkeit zuteil wurde und ihr Roman sich im Nu auf den Bestsellerlisten fand, hatte auch damit zu tun, dass es diversen Rechercheaktivitäten zum Trotz über Jahre hinweg nicht gelang, das Pseudonym dieser lieber im Verborgenen agierenden Autorin zu enthüllen.

Vergangenes Wochenende wurde das Rätsel angeblich gelöst: Der Journalist Claudio Gatti hatte Honorarlisten des italienischen Verlags ausspioniert und Grundbucheinträge eingesehen - und die Übersetzerin Anita Raja als Elena Ferrante identifizert.

Zwei Mädchen, sich nah und fremd

Der Auftaktband "Meine geniale Freundin" geht zurück in die Fünfzigerjahre nach Neapel, in ein ärmliches Quartier, wo die Freundinnen Elena und Lila, beide 1944 geboren, aufwachsen. Die Nachwirkungen von Faschismus und Krieg sind überall zu spüren; jede Familie hat Abgründe zu verbergen, und an "hartgesottenen Verbrechern oder duldsamen Komplizen" herrscht kein Mangel. Zwischen den Haushalten der kleinen Beamten, Schuster und Tischler, wo sich erst nach und nach "Unternehmergeist" ausbreitet, wachsen die beiden Mädchen auf, deren Charaktere unterschiedlicher nicht sein könnten.

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