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Feuilleton

Empfindliche Farbenglut

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Die Kathedrale von Chartres, exemplarisch in Wort und Bild.

Dem Fotografen Claude Sauvageot verdanken wir drei Bücher voll neuer Blicke auf die Kathedralen von Chartres, Reims und Straßburg. Die Bände behandeln Bauten und Kunstwerke auf jüngstem Stand. Auf letztere zwei werden wir zurückkommen, aus der Monographie über Chartres greifen wir einen Gesichtspunkt heraus: Die Fenster, die als weitgehend geschlossener Bestand überdauerten. Ein einmaliger Glücksfall.

Wobei sich längst als Täuschung erwies, dass uns diese Fenster denselben Eindruck vermitteln wie denen, die sie als erste sahen. Bei einer ab 1986 durchgeführten Reinigung wurden nicht nur die Spuren fortgeschrittener Verwitterung auf der Außenseite, sondern auch dicke Rußschichten auf der Innenseite festgestellt, deren Beseitigung Chartres in einer für manche befremdlichen Weise aufhellte, tatsächlich aber den Raumeindruck dem ursprünglichen wieder näher brachte.

Die chemische Veränderung der Farben kann niemand rückgängig machen. Die blauen Töne hielten besser stand als die stark verbräunten Purpurgläser. Gerade für Chartres wäre eine äußere Schutzverglasung unbedingt nötig. Der schnelle Verfall der restaurierten Glasfenster im Chorumgang von Bourges beweist, dass einfache Reinigung nicht mehr genügt.

Aufschlussreich ist die Restaurierungsgeschichte der hochempfindlichen Farbenglut: Der erste kleinere Reparaturauftrag des Domkapitels erging bereits 1317 an den Glasmaler Geoffroy. 1361 - die Fenster waren damals hundert Jahre alt - war die erste Großreinigung der durch den vom Wallfahrtsbetrieb herrührenden Ruß zahlloser Kerzen stark verfinsterten Scheiben fällig. Und so fort durch die Jahrhunderte. Immer wieder wurden ausgefallene Gläser ersetzt, im 15. Jahrhundert die Fenster auf Armaturen im Stein verankert, weil die Holzrahmen des 13. Jahrhunderts zerfielen.

1836 fiel der Dachstuhl über dem Mittelschiff einem Großbrand zum Opfer, doch hielten, anders als 1945 in Wien, die Gewölbe stand. Seither hat Chartres einen eisernen Dachstuhl, der als Meisterwerk der Ingenieurbaukunst gilt. Ein wunderschönes Buch!

CHARTRES - Die Kathedrale. Text: Brigitte Kurmann-Schwarz, Peter Kurmann. Fotografien: Caude Sauvageot. Monumente der Gotik bei Zodiaque, Band 3. Schnell + Steiner Verlag, Regensburg 2001. 312 Seiten, Bilder, Ln., öS 729,-/e 52,95

Die Kathedrale von Chartres, exemplarisch in Wort und Bild.

Dem Fotografen Claude Sauvageot verdanken wir drei Bücher voll neuer Blicke auf die Kathedralen von Chartres, Reims und Straßburg. Die Bände behandeln Bauten und Kunstwerke auf jüngstem Stand. Auf letztere zwei werden wir zurückkommen, aus der Monographie über Chartres greifen wir einen Gesichtspunkt heraus: Die Fenster, die als weitgehend geschlossener Bestand überdauerten. Ein einmaliger Glücksfall.

Wobei sich längst als Täuschung erwies, dass uns diese Fenster denselben Eindruck vermitteln wie denen, die sie als erste sahen. Bei einer ab 1986 durchgeführten Reinigung wurden nicht nur die Spuren fortgeschrittener Verwitterung auf der Außenseite, sondern auch dicke Rußschichten auf der Innenseite festgestellt, deren Beseitigung Chartres in einer für manche befremdlichen Weise aufhellte, tatsächlich aber den Raumeindruck dem ursprünglichen wieder näher brachte.

Die chemische Veränderung der Farben kann niemand rückgängig machen. Die blauen Töne hielten besser stand als die stark verbräunten Purpurgläser. Gerade für Chartres wäre eine äußere Schutzverglasung unbedingt nötig. Der schnelle Verfall der restaurierten Glasfenster im Chorumgang von Bourges beweist, dass einfache Reinigung nicht mehr genügt.

Aufschlussreich ist die Restaurierungsgeschichte der hochempfindlichen Farbenglut: Der erste kleinere Reparaturauftrag des Domkapitels erging bereits 1317 an den Glasmaler Geoffroy. 1361 - die Fenster waren damals hundert Jahre alt - war die erste Großreinigung der durch den vom Wallfahrtsbetrieb herrührenden Ruß zahlloser Kerzen stark verfinsterten Scheiben fällig. Und so fort durch die Jahrhunderte. Immer wieder wurden ausgefallene Gläser ersetzt, im 15. Jahrhundert die Fenster auf Armaturen im Stein verankert, weil die Holzrahmen des 13. Jahrhunderts zerfielen.

1836 fiel der Dachstuhl über dem Mittelschiff einem Großbrand zum Opfer, doch hielten, anders als 1945 in Wien, die Gewölbe stand. Seither hat Chartres einen eisernen Dachstuhl, der als Meisterwerk der Ingenieurbaukunst gilt. Ein wunderschönes Buch!

CHARTRES - Die Kathedrale. Text: Brigitte Kurmann-Schwarz, Peter Kurmann. Fotografien: Caude Sauvageot. Monumente der Gotik bei Zodiaque, Band 3. Schnell + Steiner Verlag, Regensburg 2001. 312 Seiten, Bilder, Ln., öS 729,-/e 52,95