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Feuilleton

Erinnerung an diesen Lebenskünstler

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

In einer Szene des Films von Stefan Wolner sieht man aus einiger Entfernung einen kleinen Spielplatz: zwei Kinder, eine Rutsche auf einem Hügel, eine Sandkiste, ein Kinderwagen davor. Nein, kein Kinderwagen, aber das wird erst auf den zweiten Blick klar. Sondern ein Rollstuhl, und darin sitzt ein kleiner Erwachsener, damals beinahe 40 Jahre alt. Martin Habacher kam 1977 in Oberösterreich mit der Glasknochenkrankheit zur Welt. Den Tag seiner Geburt würde er nicht überleben, prognostizierten die Ärzte seiner Mutter. Doch Martin hatte einiges vor - und sollte trotz unzähliger Knochenbrüche ungebrochen bleiben.

Drei Jahre lang begleitete Regisseur Stefan Wolner den selbstbewussten, stets ironisch-witzelnden Inklusions-Aktivisten fürs Filmporträt "Mabacher -#ungebrochen", die ihren Titel aus dem selbstgewählten "Markennamen" seines Protagonisten bezieht. Auf Instagram, Facebook, Twitter, seiner "Blogger on wheels"-Seite und vor allem auf seinem YouTube-Kanal "mabacherTV" publizierte Martin witzige und grundehrliche Beiträge, von denen besonders seine spontanen "Accessibility-Tests" beliebt waren, in denen er allerorts alles Mögliche auf Barrierefreiheit testete. Meistens mit negativem Ergebnis.

Wolner begegnet seinem einnehmenden, bekennend "egomanischen" Protagonisten inszenatorisch stets auf Augenhöhe, macht Mabachers Perspektive für die Zuseher(innen) "accessible", setzt Martins Selbstbestimmtheit auch visuell um. So kann Wollner nicht nur (genauso launig wie sein Protagonist) zeigen, welchen Problemen sich Martin täglich zu stellen hatte, sondern auch, wie selbstverständlich er sie meisterte.

Mabachers Alltag war mit seiner steigenden Bekanntheit geprägt von Reisen zu Konferenzen, vom Engagement in Vereinen und von der Zusammenarbeit mit persönlichen Assistenten, die Martin sich gut aussuchte und mit denen er freundlich, aber autoritär umging. Immer wieder blitzt in Mabachers Humor, mit dem er allem zu begegnen schien, gründliche Selbstreflexion durch. So erfährt man von der Unterstützung sowie Überforderung seiner Eltern und seinem unerfüllten Wunsch nach einer Liebesbeziehung. Er wisse, sagte er auch, dass ein Begräbnis für die Hinterbliebenen veranstaltet würde, nicht für den Toten. Aber seines solle man "trotzdem so feiern wie meinen Geburtstag". Martin Habacher starb am 20. Jänner 2019. Am 30. März wäre er 42 Jahre alt geworden.

In einer Szene des Films von Stefan Wolner sieht man aus einiger Entfernung einen kleinen Spielplatz: zwei Kinder, eine Rutsche auf einem Hügel, eine Sandkiste, ein Kinderwagen davor. Nein, kein Kinderwagen, aber das wird erst auf den zweiten Blick klar. Sondern ein Rollstuhl, und darin sitzt ein kleiner Erwachsener, damals beinahe 40 Jahre alt. Martin Habacher kam 1977 in Oberösterreich mit der Glasknochenkrankheit zur Welt. Den Tag seiner Geburt würde er nicht überleben, prognostizierten die Ärzte seiner Mutter. Doch Martin hatte einiges vor - und sollte trotz unzähliger Knochenbrüche ungebrochen bleiben.

Drei Jahre lang begleitete Regisseur Stefan Wolner den selbstbewussten, stets ironisch-witzelnden Inklusions-Aktivisten fürs Filmporträt "Mabacher -#ungebrochen", die ihren Titel aus dem selbstgewählten "Markennamen" seines Protagonisten bezieht. Auf Instagram, Facebook, Twitter, seiner "Blogger on wheels"-Seite und vor allem auf seinem YouTube-Kanal "mabacherTV" publizierte Martin witzige und grundehrliche Beiträge, von denen besonders seine spontanen "Accessibility-Tests" beliebt waren, in denen er allerorts alles Mögliche auf Barrierefreiheit testete. Meistens mit negativem Ergebnis.

Wolner begegnet seinem einnehmenden, bekennend "egomanischen" Protagonisten inszenatorisch stets auf Augenhöhe, macht Mabachers Perspektive für die Zuseher(innen) "accessible", setzt Martins Selbstbestimmtheit auch visuell um. So kann Wollner nicht nur (genauso launig wie sein Protagonist) zeigen, welchen Problemen sich Martin täglich zu stellen hatte, sondern auch, wie selbstverständlich er sie meisterte.

Mabachers Alltag war mit seiner steigenden Bekanntheit geprägt von Reisen zu Konferenzen, vom Engagement in Vereinen und von der Zusammenarbeit mit persönlichen Assistenten, die Martin sich gut aussuchte und mit denen er freundlich, aber autoritär umging. Immer wieder blitzt in Mabachers Humor, mit dem er allem zu begegnen schien, gründliche Selbstreflexion durch. So erfährt man von der Unterstützung sowie Überforderung seiner Eltern und seinem unerfüllten Wunsch nach einer Liebesbeziehung. Er wisse, sagte er auch, dass ein Begräbnis für die Hinterbliebenen veranstaltet würde, nicht für den Toten. Aber seines solle man "trotzdem so feiern wie meinen Geburtstag". Martin Habacher starb am 20. Jänner 2019. Am 30. März wäre er 42 Jahre alt geworden.