Leistungsschau österreichischer Hochhausarchitektur in der chinesischen Boomtown Shanghai: "Austrian contemporary Art, Architecture and Design".

Shanghai ist eine pulsierende, dynamische, sich ständig ändernde Stadt. In der chinesischen Megacity präsentiert sich die Kulturnation Österreich in der Ausstellung "Austrian contemporary Art, Architecture and Design" hoch strebend. "Als zentrales Architekturthema wurde - gleichsam als Hommage an diesen faszinierenden Ort und seine Entwicklung - das Hochhaus als künstlerisches, plastisches Objekt in einem österreichspezifischen Ansatz in den Vordergrund gestellt. Hohes' Objekt bezieht sich jedoch auch auf eine Skisprungschanze oder ein horizontales Hochhaus'", schreibt Kurator, Architekt Hans Hollein.

Seine Fotomontage der "Überbauung Wiens", einer der Visionen aus dem Jahr 1966 dokumentiert die Wurzeln des Aufbruchs nach dem Zweiten Weltkrieg, die zur momentanen Hochblüte der Architektur führten. Haus-Rucker-Co, Coop Himmelblau, Walter Pichler und Missing link brachen Ende der sechziger Jahre in phantastischen Projekten die Krusten der Nachkriegszeit auf und ebneten den Weg für Neues.

"Im Sinne eines crossovers zwischen den Künsten - und dies ist insbesondere im Werk österreichischer Künstler und Künstlerinnen ein international beachtetes Phänomen - werden Positionen vermittelt, die die fließenden Übergänge zwischen den Bereichen Malerei, Plastik, Architektur und den Medien, Film, Design und Mode darstellen", so Hollein. Valie Export ist mit ihren Body-Performances, Expanded-Cinema, Video Environments, Körperfigurationen im Stadtraum und anderen spartenübergreifenden Betätigungsfeldern optimaler repräsentativer österreichischer Kunst-Export.

Auf besonderen Wunsch der chinesischen Gastgeber sollte auch die Malerei breiten Raum erhalten. Das "Who is Who" österreichischer Zeitgenossen ist in Shanghai vertreten: Siegfried Anzinger, Christian Ludwig Attersee, Erwin Bohatsch, Adolf Frohner, Rainer Ganahl, Friedensreich Hundertwasser, Kurt Kocherscheidt, Brigitte Kowanz, Elke Krystufek, Maria Lassnig, Hermann Nitsch, Walter Obholzer, Lois Renner, Arnulf Rainer, Gerwald Rockenschaub, Eva Schlegel, Hubert Scheibl, Hubert Schmalix, Erwin Wurm, Valie Export, Max Weiler, Franz West, Peter Kogler, Heimo Zobernig und Walter Pichler. Expansion aus dem Bild und Eroberung des Raumes sind ihnen trotz verschiedenster Ausdrucksformen gemeinsam. Orgien-und Mysterientheater von Hermann Nitsch, Architekturideen von Friedensreich Hundertwasser, Übermalungen von Arnulf Rainer, Künstlerateliervarianten von Lois Renner, visionäre Architekturen von Walter Pichler: jeder sprengt Genregrenzen.

In der Gegenwart liegt der Schwerpunkt der Schau, die eine Stärke österreichischer Architektur besonders deutlich macht: die permanente Reflexion historischer Bausubstanz. Eine gelungene Symbiose zwischen Alt und Neu ist Holleins "Media Tower", ein skulptural-dynamisches Glasprisma am Donaukanal, das in seiner Höhenstaffelung auf die niederere Umgebung Rücksicht nimmt. Heinz Neumanns "Uniqua-Tower" kann mit historischem Bestand an der Kreuzung Untere Donaustraße-Aspernbrückengasse gelassener umgehen: ein ellipsenförmiges Hochhaus öffnet sich nach oben hin und setzt eine elegante städtebauliche Markante.

Unübersehbar ist der Millenium-Tower von Gustav Peichl, Boris Podrecca und Rudolf Weber. Der mit 202 Meter höchste Turm Wiens mit seiner doppelzylindrischen Form steht nicht bezugslos da: er ist mit einem Wohn-und Geschäftszentrum verbunden, eine offene Brücke koppelt ihn ans Donauufer. Wilhelm Holzbauers "Andromeda Tower", Heinz Neumanns "Ares Tower", Roman Delugan und Elke Delugan-Meissls "Mischek Tower", der SEG-Wohnturm von Coop Himmelblau und das "IZD Tower Office Center" von Nigst-Fonatti-Ostertag-Gaisrucker dokumentieren den Hochhausboom an der Donau. Ernst Hoffmanns etwas niedereres "Strabag Haus" wird diese Ansammlung neuer Bauten komplettieren, ein Modell ist in Shanghai zu Gast.

Im Projektstadium präsentiert sich die Überplattung Wien Mitte, die in zentraler Stadtlage mit der Drehung ihrer hohen Baukörper auf die Richtungen des Wienflusses reagiert. Auch Günther Domenigs Büro-und Geschäftszentrum in St. Marx, ein "horizontales Hochhaus" von flach liegender, langer Struktur steckt in der Planungsphase. Die Skizzen des Architekten bestechen mit ihrem dynamischen Strich, das Gebäude selbst reagiert in eleganter Durchlässigkeit auf eine städtebauliche Situation. Als Gegensatz zu turmartigen Bebauungen soll es als dynamisches, von Fußgehern und Radfahrern nutzbares Verbindungselement wirken.

Bemerkenswert ist Holleins Entschluss, Studentenprojekte des Jahres 1985/86 seiner Meisterklasse zur Hochhausdebatte zu zeigen: er wertet sie als substantiellen Beitrag zur Entwicklung des Wiener Hochhauses. Bestechend sind die grenzenlose Freiheit ihrer gestalterischen Ausformung und der starken Bezug zum Städtebau. Weitere Wiener Schwerpunkte sind die Gasometer inklusive Rüdiger Lainers "Pleasure Dome", der "Vienna Twin Tower" von Massimiliano Fuksas, zukünftige Planungen auf den Porrgründen am Laaerberg und im Entwicklungsgebiet des "Kabelwerks" in Meidling.

Ein besonders starkes hohes Gebäude wird in Innsbruck entstehen: Zaha Hadids Entwurf für die Bergisel Sprungschanze zählt zu den architektonischen Höhepunkten der österreichischen Leistungsschau. In ungeheurer Dynamik schwingt sich diese innovative Mischform von Turm und Brücke über den Berghang, nimmt den Flug der schispringenden "Adler" vorweg und lässt sich noch dazu von Touristen als Café und Aussichtsterrasse, sowie für sportliche Bedürfnisse nutzen. Raimund Abraham hat mit dem skulpturalen, schmalen österreichischen Kulturinstitut einen baulichen Markstein in den "Big Apple" gesetzt. Österreichs Kultur ist nicht nur nach Shanghai exportfähig.

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