Baumkraft, Bäume, Wald - © Pixabay
Feuilleton

Erwin Thoma und Maximilian Moser: Auf den Spuren der "Baumkraft“

1945 1960 1980 2000 2020

Wie naturbelassenes Holz in Betten, Büros und Schulen seine Wirkung zeigt, beschreiben Erwin Thoma und Maximilian Moser in ihrem Buch "Die sanfte Medizin der Bäume".

1945 1960 1980 2000 2020

Wie naturbelassenes Holz in Betten, Büros und Schulen seine Wirkung zeigt, beschreiben Erwin Thoma und Maximilian Moser in ihrem Buch "Die sanfte Medizin der Bäume".

Was waren das noch für Zeiten: als die medizinische Versorgung in alpinen Gebieten noch auf heilkundige "Bauerndoktoren“ angewiesen war, deren Apotheke aus Baumharz und Kräutern bestand; als gebrochene Knochen nicht gegipst, sondern mit Fichtenplatten "gespanelt“ werden mussten; als nicht nur die Bauernstuben, sondern auch Essbesteck, Schüsseln und Gefäße aus Vollholz gefertigt wurden. Es ist eine vielerorts versunkene Welt, von der Erwin Thoma und Maximilian Moser in ihrem jüngsten Fachbuch "Die sanfte Medizin der Bäume“ berichten. Aber es ist eine Welt, deren volksmedizinisches Wissen in den letzten Jahren durch moderne Studien teils eindrucksvoll bestätigt wurde.

Die beiden Autoren haben beruflich jeweils eine Nahebeziehung zu den Bäumen und ihrem wertvollen Rohstoff: Erwin Thoma ist ehemaliger Förster und errichtet heute mit seiner Baufirma Vollholz-Häuser, Maximilian Moser ist Professor an der Medizinischen Universität Graz und leitet das Human Research Institut für Gesundheitstechnologie und Präventionsforschung in Weiz, das dazu beigetragen hat, die Wirkungen von Vollholz auf den menschlichen Organismus zu untersuchen.

Deutlicher Beruhigungseffekt

Worauf diese Studien hindeuten, ist jedenfalls erstaunlich: So war die Erholungsqualität in einem Zirbenholz-Zimmer im Vergleich zu einem gleich gestalteten Holzdekor-Zimmer mit Spanplatten in Echtholz-Optik signifikant besser. Dies zeigte sich in einer schnelleren Regeneration vegetativer Körperfunktionen, gemessen anhand einer niedrigeren Herzfrequenz in Belastungssituationen und anschließenden Ruhephasen. "Die Herzfrequenz ist ein Indikator für den Energieverbrauch unseres Organismus in einer bestimmten Situation“, erläutert Moser. Der gesundheitliche Wert der Herzrate ist in der Medizin seit Längerem bekannt: Dass mit einer niedrigeren Herzfrequenz langfristig eine verringerte Krankheitslast und Sterblichkeit einher geht, ist klar belegt.

Auch die Nachtruhe in einem Zirbenbett führte im Vergleich zu einem Holzdekor-Bett zu einer besseren Schlafqualität und Erholung, wobei eine niedrigere Herzfrequenz im Tagesverlauf zu beobachten war: Die Ersparnis bei den Studienteilnehmern im Zirbenbett lag im Schnitt bei 3500 Herzschlägen pro Tag, was etwa einer Stunde an Herzarbeit entspricht. Mit diesen physiologischen Messungen stimmte die eigene Einschätzung der Versuchspersonen überein, die im Umfeld des Zirbenholzes über ein besseres Allgemeinbefinden berichteten - und übrigens auch über eine höhere "soziale Extravertiertheit“: "Vielleicht ein Grund, warum Gaststuben früher mit Zirbenholz verkleidet waren“, sagt Moser.

Was waren das noch für Zeiten: als die medizinische Versorgung in alpinen Gebieten noch auf heilkundige "Bauerndoktoren“ angewiesen war, deren Apotheke aus Baumharz und Kräutern bestand; als gebrochene Knochen nicht gegipst, sondern mit Fichtenplatten "gespanelt“ werden mussten; als nicht nur die Bauernstuben, sondern auch Essbesteck, Schüsseln und Gefäße aus Vollholz gefertigt wurden. Es ist eine vielerorts versunkene Welt, von der Erwin Thoma und Maximilian Moser in ihrem jüngsten Fachbuch "Die sanfte Medizin der Bäume“ berichten. Aber es ist eine Welt, deren volksmedizinisches Wissen in den letzten Jahren durch moderne Studien teils eindrucksvoll bestätigt wurde.

Die beiden Autoren haben beruflich jeweils eine Nahebeziehung zu den Bäumen und ihrem wertvollen Rohstoff: Erwin Thoma ist ehemaliger Förster und errichtet heute mit seiner Baufirma Vollholz-Häuser, Maximilian Moser ist Professor an der Medizinischen Universität Graz und leitet das Human Research Institut für Gesundheitstechnologie und Präventionsforschung in Weiz, das dazu beigetragen hat, die Wirkungen von Vollholz auf den menschlichen Organismus zu untersuchen.

Deutlicher Beruhigungseffekt

Worauf diese Studien hindeuten, ist jedenfalls erstaunlich: So war die Erholungsqualität in einem Zirbenholz-Zimmer im Vergleich zu einem gleich gestalteten Holzdekor-Zimmer mit Spanplatten in Echtholz-Optik signifikant besser. Dies zeigte sich in einer schnelleren Regeneration vegetativer Körperfunktionen, gemessen anhand einer niedrigeren Herzfrequenz in Belastungssituationen und anschließenden Ruhephasen. "Die Herzfrequenz ist ein Indikator für den Energieverbrauch unseres Organismus in einer bestimmten Situation“, erläutert Moser. Der gesundheitliche Wert der Herzrate ist in der Medizin seit Längerem bekannt: Dass mit einer niedrigeren Herzfrequenz langfristig eine verringerte Krankheitslast und Sterblichkeit einher geht, ist klar belegt.

Auch die Nachtruhe in einem Zirbenbett führte im Vergleich zu einem Holzdekor-Bett zu einer besseren Schlafqualität und Erholung, wobei eine niedrigere Herzfrequenz im Tagesverlauf zu beobachten war: Die Ersparnis bei den Studienteilnehmern im Zirbenbett lag im Schnitt bei 3500 Herzschlägen pro Tag, was etwa einer Stunde an Herzarbeit entspricht. Mit diesen physiologischen Messungen stimmte die eigene Einschätzung der Versuchspersonen überein, die im Umfeld des Zirbenholzes über ein besseres Allgemeinbefinden berichteten - und übrigens auch über eine höhere "soziale Extravertiertheit“: "Vielleicht ein Grund, warum Gaststuben früher mit Zirbenholz verkleidet waren“, sagt Moser.

Unnachahmbare, feinststoffliche Vielfalt ist das Markenzeichen der Natur. Im Holz spielt die Natur ein Duftkonzert mit einem Orchester von hunderten Musikern.

Der Beruhigungseffekt der "Baumkraft“ wurde auch bei geistiger Arbeit in einem naturbelassenen Vollholz-Fichtenraum bestätigt. Bei Versuchspersonen über 39 Jahren kam das Naturholzbüro besonders deutlich zur Geltung, wie Moser berichtet: "In jüngeren Jahren kann der menschliche Organismus Umwelteffekte eher ausgleichen, mit zunehmendem Alter wird das schwieriger und die Beschaffenheit der Arbeitsumgebung daher besonders wichtig.“ Alle Nadelbäume mit ätherischen Ölen dürften eine ähnlich beruhigende Wirkung aufweisen; Laubbäume sind noch weitgehend unerforscht.

Aber auch Schüler können von einer Massivholzausstattung profitieren, wie eine Langzeitstudie an einer Hauptschule im Ennstal nahe legt: Kinder in Klassenzimmern mit Vollholz-Ausstattung ersparten sich bei gleichem Unterricht täglich etwa zwei Stunden Herzarbeit gegenüber Kindern in Klassen, die gemäß Schulbaunorm ausgeführt waren. Die Verringerung der Herzrate in den Massivholz-Klassen wurde nicht durch Leistungseinbußen erkauft. Angesichts dessen mag es reizvoll sein, wie die Autoren darüber nachzudenken, ob zur Beruhigung zappeliger Kinder mit Aufmerksamkeitsdefizit (ADHS) nicht auch bauliche Maßnahmen hilfreich sein könnten - und damit ADHS-Medikamente wie Ritalin einzusparen.

Duftkonzert der Natur

Wie aber kommt die gesundheitliche Wirkung des Holzes zustande? Ätherische Öle, günstige Beeinflussung von Luftionen, verringerte elektrostatische Aufladung und die Oberflächenbeschaffenheit naturbelassenen Holzes wie auch gute Raumakustik sind bislang beschrieben; möglicherweise aber spielen noch unbekannte Faktoren ebenfalls eine Rolle. Der natürliche Wirkstoff-Mix aus den Bäumen ist den isolierten Einzelkomponenten jedenfalls meist überlegen: "Unnachahmbare, feinststoffliche Vielfalt ist das Markenzeichen der Natur“, bemerken die Autoren: "Im Holz spielt die Natur ein Duftkonzert mit einem Orchester von hunderten Musikern.“

Im Organismus regt das Holz den Teil des vegetativen Nervensystems an, der für Erholung und Regeneration zuständig ist - den Vagus -, und der als Gegenspieler jenes Nervenverbunds fungiert, der in unserer Frühgeschichte die Energie für das Kämpfen oder Flüchten bereit zu stellen hatte. Dieses beruhigende Nervensystem fördert Heilungs- und Reparaturprozesse im Körper, und ist, wie man seit kurzem weiß, auch wichtig, um schleichende Entzündungen zu beenden.

Im Buch von Thoma und Moser finden sich viele Anwendungsgebiete, in denen die "Waldapotheke“ mit ihren stresslösenden und entzündungshemmenden Wirkstoffen eine Ergänzung zur Schulmedizin sein kann - von Diabetes und Osteoporose bis hin zu Schlafstörungen, von der Gedächtnisstörung bis hin zur Begleittherapie bei Krebserkrankungen mit Mistelextrakten. "Beinahe wäre das Wissen unserer Vorfahren im Getöse dieser technikgläubigen, globalisierten Welt restlos untergegangen“, konstatieren die Autoren. Heute legen moderne Studien nahe, an dieses alte Wissen neu anzuknüpfen.

Die sanfte Medizin der Bäume, Baumkraft, Moser, Thoma - © Servus Verlag
© Servus Verlag
Buch

Die sanfte Medizin der Bäume

Gesund leben mit altem und neuem Wissen.

Von Maximilian Moser, Erwin Thoma

Servus 2014, 174 S.,

geb., € 21,95