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Es ist alles halb so schlimm

Und eigentlich ist es ja eh alles in Ordnung, und wir können von Glück reden, dass es uns so gut geht. "Passt eh“, heißt die, statt einer Frage meist als Feststellung von Kellnern formulierte Redewendung an den Gast. Es wird einem also mit einem Unwort wie "passt“ gesättigte Zufriedenheit suggeriert und Resignation indirekt verordnet. Versteht sich von selbst, dass dabei immer wieder ein Quäntchen Qualitätsanspruch verloren geht, unser allgemeines Niveau sinkt und die Latte von Mal zu Mal niederer gelegt wird. Wie gesagt, passt eh ...

Kritiker freuen sich bereits, wenn alles ordentlich über die Bühne geht und sich Beunruhigungen in Grenzen halten. Das Mittelmaß wird mit Sicherheit und Stabilität verwechselt. Nur nirgends anecken, Kompromisse suchen, kein Neuland betreten, kaum etwas oder am besten gar nichts riskieren und nur ja nicht auffallen. Vor allem aber die Frage, wie unsere Zeit tickt, so weit wie möglich ausblenden. Dafür lässt es sich bequem weiterwursteln, ohne dabei nach links oder rechts schauen zu müssen. Der Realitätssinn war uns ja immer schon ein bisschen suspekt. Wozu also sich verändern oder vielleicht gar zeitgemäße Strukturen schaffen, der Intelligenz Chancen geben und die Wachsamkeit fördern. In ausländischen Zeitungen wird zwar bereits festgestellt, dass Österreich seine Aufgabe in Europa zu verlieren drohe, aber das schreiben doch nur neiderfüllte Journalisten. Typisch Ausland wird so mancher denken, die sollen doch vor der eigenen Türe kehren. Warum aber sind wir nur so selten selbstkritisch? Sind unsere Geistesgrößen in Parteien, Bünden und Vereinen verkümmert? Wir sind träge und müde geworden. Dabei wäre es höchste Zeit, das Brummen des Weckers nicht mehr zu überhören. Das neue Jahr hat bereits begonnen! Es geht um die Wurst. "Eh wurst“ sollte es, wenn nur irgendwie möglich, nicht mehr heißen.

Der Autor ist Kulturmoderator beim Privatsender ATV

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