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Feuilleton

Essentielle Einflüsse auf die Popkultur

1945 1960 1980 2000 2020

Ein Augenmerk auf die jüdische Herkunft vieler weltberühmter Musiker, Komponisten, Interpreten, Produzenten und Impresarios des Musikgeschäfts legt derzeit das Jüdische Museum Wien mit der Ausstellung "Stars of David. Der Sound des 20. Jahrhunderts".

1945 1960 1980 2000 2020

Ein Augenmerk auf die jüdische Herkunft vieler weltberühmter Musiker, Komponisten, Interpreten, Produzenten und Impresarios des Musikgeschäfts legt derzeit das Jüdische Museum Wien mit der Ausstellung "Stars of David. Der Sound des 20. Jahrhunderts".

David, der König von Juda, ging auch als Lieddichter und Liebhaber von Musikinstrumenten in die Geschichte ein. Ein US-Musikjournalist bezeichnete ihn daher einmal als ersten Rockstar der Geschichte. Der König ist folglich Namenspatron der aktuellen Ausstellung "Stars of David" im Jüdischen Museum Wien, die sich ein Ziel gesetzt hat: zu zeigen, dass jüdische Musiker, Komponisten, Interpreten, Produzenten und Impresarios das Musikgeschäft des 20. Jahrhunderts und damit die Popkultur essenziell beeinflusst haben.

Das lässt sich zunächst einmal an großen Namen wie Barbra Streisand, Billy Joel, Bob Dylan, Barry Manilow, Neil Diamond, Lou Reed, Paul Simon und Art Garfunkel festmachen, die zu den absoluten Klassikern des Pop zählen. Produzenten wie Phil Spector, Jerry Wexler bis Hip-Hop-Produzent Rick Rubin prägten den Sound von Generationen. Und auch hinter zahllosen klassischen Rock'n'Roll-Hits, etwa von Elvis Presley, stehen jüdische Komponisten wie Mort Shuman, Doc Pomus, Carole King oder das Duo Jerry Leiber und Mike Stoller.

Bereits der Jazz war stark jüdisch beeinflusst: Berühmte Bandleader wie Benny Goodman oder Artie Shaw waren Juden und brachten mit der Klarinette ein durch die Verwendung in der Klezmer-Musik stark jüdisch konnotiertes Instrument in den Jazz ein. Auch als Komponisten von Musicals und Filmmusik prägten Juden die Popkultur. Rund 50 Prozent aller Oscar-Gewinner für Filmmusik sind jüdischer Herkunft. Jerry Goldsmith komponierte mit der Musik zu "Star Wars" und "Star Trek" gleich zwei Hymnen der heutigen Nerd-Kultur.

Unterhaltungskunst und Identität

Mit "White Christmas" schaffte es Irving Berlin, Weihnachten von einem christlichen Fest in ein überkulturelles Gemeingut zu verwandeln, indem er nicht auf die Geburt Jesu, sondern auf die weiße Schneedecke und das herzwärmende Kaminfeuer Bezug nahm.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bekannten sich nur wenige Unterhaltungsstars zu ihrer jüdischen Identität, etwa Al Jolson ("The Jazz Singer"). Als in Europa Hitlers Rassenwahn tobte, verschwanden Bekenntnisse zum Judentum auch beinahe komplett aus der US-Kultur. Eine der wenigen Ausnahmen war der jüdische Entertainer Mickey Katz, der mit großem Erfolg US-Liedgut in Klezmer-Versionen und in einer irren Mi-

Das änderte sich in den 1960er-Jahren: Marksteine waren das Musical "Anatevka" ("The Fiddler on the Roof"), das Judenverfolgungen thematisiert, und der Film "Funny Girl", in dem Barbra Streisand eine explizit jüdische Figur verkörperte. Seither ist es gang und gäbe, dass sich Popstars zu ihrer jüdischen Identität bekennen, man denke nur an "Van Halen"-Frontmann David Lee Roth oder die viel zu früh verstorbene Amy Winehouse.

Nicht die Ausstellung, aber der ansonsten sehr informative Katalog schlägt mitunter bei der Suche nach jüdischen Einflüssen über die Stränge. Punk als die "vielleicht weit verbreitetste künstlerische Verarbeitung der Schoa" zu bezeichnen, nur weil Joey Ramone von der Punkband "The Ramones" und Malcolm McLaren, der Erfinder "Sex Pistols", jüdischer Herkunft sind, ist einfach Unsinn.

Die Ausstellung führt auch unbeabsichtigt vor Augen, wie sehr sich die Popkultur in den letzten zwei Jahrzehnten verändert hat. Es gab eine Zeit, da trat Pop mit einem universellen Anspruch auf, der sich geradezu über die Loslösung von ethnischen oder religiösen Hintergründen definierte. Für ältere Semester, die noch mit einer universalistischen Idee von Pop aufgewachsen sind, kommt zu diesem Paradigmenwechsel verschärfend dazu, dass es früher nicht jüdische Einrichtungen, sondern Antisemiten waren, die bei jeder Gelegenheit darauf pochten, dass diese oder jene bekannte Persönlichkeit ein Jude sei. Es ist eine zwiespältige Sache: Auf der einen Seite ist es natürlich für Wissbegierige interessant zu erfahren, dass Gene Simmons, der Sänger von "Kiss", die Sängerin Pink oder der DJ David Guetta einen jüdischen Hintergrund haben - aber muss man das wirklich wissen?

Stars of David

Jüdisches Museum Wien, bis 18.9. So bis Fr 10 bis 18 Uhr,

www.jmw.at

David, der König von Juda, ging auch als Lieddichter und Liebhaber von Musikinstrumenten in die Geschichte ein. Ein US-Musikjournalist bezeichnete ihn daher einmal als ersten Rockstar der Geschichte. Der König ist folglich Namenspatron der aktuellen Ausstellung "Stars of David" im Jüdischen Museum Wien, die sich ein Ziel gesetzt hat: zu zeigen, dass jüdische Musiker, Komponisten, Interpreten, Produzenten und Impresarios das Musikgeschäft des 20. Jahrhunderts und damit die Popkultur essenziell beeinflusst haben.

Das lässt sich zunächst einmal an großen Namen wie Barbra Streisand, Billy Joel, Bob Dylan, Barry Manilow, Neil Diamond, Lou Reed, Paul Simon und Art Garfunkel festmachen, die zu den absoluten Klassikern des Pop zählen. Produzenten wie Phil Spector, Jerry Wexler bis Hip-Hop-Produzent Rick Rubin prägten den Sound von Generationen. Und auch hinter zahllosen klassischen Rock'n'Roll-Hits, etwa von Elvis Presley, stehen jüdische Komponisten wie Mort Shuman, Doc Pomus, Carole King oder das Duo Jerry Leiber und Mike Stoller.

Bereits der Jazz war stark jüdisch beeinflusst: Berühmte Bandleader wie Benny Goodman oder Artie Shaw waren Juden und brachten mit der Klarinette ein durch die Verwendung in der Klezmer-Musik stark jüdisch konnotiertes Instrument in den Jazz ein. Auch als Komponisten von Musicals und Filmmusik prägten Juden die Popkultur. Rund 50 Prozent aller Oscar-Gewinner für Filmmusik sind jüdischer Herkunft. Jerry Goldsmith komponierte mit der Musik zu "Star Wars" und "Star Trek" gleich zwei Hymnen der heutigen Nerd-Kultur.

Unterhaltungskunst und Identität

Mit "White Christmas" schaffte es Irving Berlin, Weihnachten von einem christlichen Fest in ein überkulturelles Gemeingut zu verwandeln, indem er nicht auf die Geburt Jesu, sondern auf die weiße Schneedecke und das herzwärmende Kaminfeuer Bezug nahm.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bekannten sich nur wenige Unterhaltungsstars zu ihrer jüdischen Identität, etwa Al Jolson ("The Jazz Singer"). Als in Europa Hitlers Rassenwahn tobte, verschwanden Bekenntnisse zum Judentum auch beinahe komplett aus der US-Kultur. Eine der wenigen Ausnahmen war der jüdische Entertainer Mickey Katz, der mit großem Erfolg US-Liedgut in Klezmer-Versionen und in einer irren Mi-

Das änderte sich in den 1960er-Jahren: Marksteine waren das Musical "Anatevka" ("The Fiddler on the Roof"), das Judenverfolgungen thematisiert, und der Film "Funny Girl", in dem Barbra Streisand eine explizit jüdische Figur verkörperte. Seither ist es gang und gäbe, dass sich Popstars zu ihrer jüdischen Identität bekennen, man denke nur an "Van Halen"-Frontmann David Lee Roth oder die viel zu früh verstorbene Amy Winehouse.

Nicht die Ausstellung, aber der ansonsten sehr informative Katalog schlägt mitunter bei der Suche nach jüdischen Einflüssen über die Stränge. Punk als die "vielleicht weit verbreitetste künstlerische Verarbeitung der Schoa" zu bezeichnen, nur weil Joey Ramone von der Punkband "The Ramones" und Malcolm McLaren, der Erfinder "Sex Pistols", jüdischer Herkunft sind, ist einfach Unsinn.

Die Ausstellung führt auch unbeabsichtigt vor Augen, wie sehr sich die Popkultur in den letzten zwei Jahrzehnten verändert hat. Es gab eine Zeit, da trat Pop mit einem universellen Anspruch auf, der sich geradezu über die Loslösung von ethnischen oder religiösen Hintergründen definierte. Für ältere Semester, die noch mit einer universalistischen Idee von Pop aufgewachsen sind, kommt zu diesem Paradigmenwechsel verschärfend dazu, dass es früher nicht jüdische Einrichtungen, sondern Antisemiten waren, die bei jeder Gelegenheit darauf pochten, dass diese oder jene bekannte Persönlichkeit ein Jude sei. Es ist eine zwiespältige Sache: Auf der einen Seite ist es natürlich für Wissbegierige interessant zu erfahren, dass Gene Simmons, der Sänger von "Kiss", die Sängerin Pink oder der DJ David Guetta einen jüdischen Hintergrund haben - aber muss man das wirklich wissen?

Stars of David

Jüdisches Museum Wien, bis 18.9. So bis Fr 10 bis 18 Uhr,

www.jmw.at