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Fakten gegen ImpFmythen

Religion und Politik gelten in Smalltalk-Runden seit jeher als Tabu-Themen: Irgendwann, so die Erfahrung, vergiften sie jede Konversation. (Dass sie meist spannender sind als das übliche Gesudere, steht auf einem anderen Blatt.) Nur das Thema Impfen bietet noch mehr Reibungsfläche als Kirche oder FPÖ - zumindest in Elternzirkeln: Kaum etwas lässt die Stimmung schneller kippen als das Outing einer Mutter, ihr Kind vor der Sechsfachimpfung bewahrt und damit der Pharmalobby eine lange Nase gedreht zu haben. Keuchhusten? Masern? Alles durchgemacht - ohne Probleme.

Soll den Kindern solch impfskeptischer Eltern der Zugang zu öffentlichen Kindergärten und Schulen verwehrt werden, weil sie nicht nur sich selbst, sondern auch andere gefährden, die nicht geimpft werden können? In Deutschland haben sich nach dem Masern-Tod eines Kleinkindes 76 Prozent für eine solche Impfpflicht bei ansteckenden Krankheiten ausgesprochen. Auch in Kalifornien wird nach Masernfällen darüber debattiert, in zwei US-Bundesstaaten wurde die Pflicht zur Spritze schon eingeführt.

Und in Österreich? Hier plädiert die Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt in ihrer neuen Stellungnahme zwar für eine Impfplicht für Gesundheitspersonal - sowie einen Ausbau der zuletzt zurückgefahrenen Impfprogramme an den Schulen samt Ausdehnung auf den Elementarbereich. Eine Impfpflicht für Kinder geht ihr aber zu weit: Eltern sollen bei nicht ausreichendem Impfschutz nur eine verpflichtende Beratung erhalten. Verweigern sie die Kooperation, sei "mit Sensibilität" vorzugehen, heißt es in dem Papier.

Das lässt viel Interpretationsspielraum, insgesamt ist das Motto "Information, Motivation, Transparenz" aber vernünftig: Das Grundrecht auf Selbstbestimmung ist ein hohes Gut und muss mit dem Ziel solidarischer "Herdenimmunität" sorgsam abgewogen werden. Umso wichtiger ist die ebenfalls von der Kommission geforderte transparente Dokumentation zu Nutzen und Nebenwirkungen von Impfungen sowie zu Komplikationen bei Erkrankungen nicht geimpfter Personen. Wer zu wenig Fakten liefert, braucht sich schließlich über wuchernde Mythen nicht zu wundern.

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