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Faszinierend nur die Hauptdarsteller

Ein typisch britischer Gentleman ist er nicht mehr, auch den charakteristischen Jagdhut und den ärmellosen Mantel hat er abgelegt: Hollywood hat Sherlock Holmes neu erfunden. Der Meisterdetektiv aus der Feder von Sir Arthur Conan Doyle ist in dem Blockbuster „Sherlock Holmes“ zum modernen Actionhelden mutiert.

Er löst nicht einfach einen schnöden Kriminalfall, sondern bekämpft einen Bösewicht, der unter Anwendung schwarzer Magie die Macht im Staate an sich reißen will und die verlorengegangene Kolonie USA ins Empire zurückholen will.

Holmes‘ Auftreten gehorcht den Anforderungen der modernen Coolness, nicht den strengen Sitten des viktorianischen Bürgertums im England des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Unter Zuhilfenahme fernöstlicher Kampfkunst prügelt er sich durch die heruntergekommenen Viertel Londons, die mit all ihrem Schmutz und Dreck beinahe comichaft wirken. Um auf das Erotik-Plansoll zu kommen, gibt es im Film eine schöne Meisterdiebin, mit der Holmes offenbar schon seit langem eine knisternde Hassliebe verbindet.

Regisseur Guy Ritchie setzt die brillante Kombinationsgabe und die Arbeit des detektivischen Verstandes mit extremen Zeitlupeneffekten und blitzartigen Momentaufnahmen in Szene. Ansonsten schnurrt die Actionmaschinerie pflichtgemäß voran, achselzuckend nimmt man die üblichen Raufereien, Explosionen und Zerstörungen zur Kenntnis, auch den vorhersehbaren Showdown auf der in Bau befindlichen Tower Bridge.

Allein die beiden männlichen Hauptdarsteller machen den Streifen erträglich. Robert Downey Jr. verkörpert die Titelfigur als durchaus faszinierenden Exzentriker.

Und auch Jude Law als Dr. Watson ist eine treffliche Besetzung. Anders als in bisherigen Verfilmungen ist dieser kein leicht vertrottelter Sidekick, sondern ein Freund und gleichberechtigter Partner – was durchaus im Sinne der literarischen Vorlage ist. (Michael Kraßnitzer)

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