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Festspielglanz in Gefahr

Noch glänzen sie einigermaßen, die Salzburger Festspiele. Schillernde Auffahrten, Rituale all jener, die sich so konservieren lassen wie sie gerne sein möchten. Theater diesseits und jenseits der Bühne. Der unbequeme, von der Politik vorzeitig entlassene und scheidende Intendant Alexander Pereira mit junger Freundin im Blitzlichtgewitter. Die unvergleichliche Netrebko und der unverwüstliche Domingo als werbeträchtige Aushängeschilder.

Viel altmodisches Operntheater, ausgenommen der "Rosenkavalier" als einsamer künstlerischer Höhepunkt und trübe Aussichten. Ein zweijähriges von der Politik verordnetes Interregnum, in dem die Zahl der Veranstaltungen und Neuinszenierungen reduziert wird. Dafür gibt es nach 16 Jahren eine Subventionserhöhung, die nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist. Ängste, dass Sponsoren abwandern und Einnahmenrekorde sich nicht fortsetzen. Der Interimsintendant Sven-Eric Bechtolf, dessen Mozartinszenierungen von Publikum und Presse zwiespältig aufgenommen wurden, wird im nächsten Jahr "Le nozze di Figaro" und -warum auch immer -Brechts "Dreigroschenoper" inszenieren. Weit und breit -mit Ausnahme des 38-jährigen Alain Altinoglu -keine festspielwürdigen Mozart-Dirigenten. Viel zu viele Koproduktionen und Austauschbares, das anderswo zu niedrigeren Eintrittspreisen zu sehen ist.

Einzigartige Schauplätze wie die Kollegienkirche oder der Residenzhof sollten für das Musiktheater nicht aufgegeben werden. Klare Konzepte sind gefragt. Festspiele müssen von innen her nach außen strahlen. Sie sollten Kraftfelder sein. Hoffnungen werden auf den neuen Intendanten Markus Hinterhäuser gesetzt. Der aber ist bei den Wiener Festwochen engagiert und kommt erst in drei Jahren; eine, in schnelllebigen und unsicheren Zeiten verdammt lange Zeit. Eine verantwortungslose Lösung.

Der Autor ist Kulturmoderator beim Privatsender ATV

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