Schoenste Platz auf Erden
Film

„Der schönste Platz auf Erden“: Kein Hofer-Film?!

1945 1960 1980 2000 2020

Die im März abgesagte „Diagonale“ kommt zizerlweise ins Kino. Nun läuft der Eröffnungsfilm der Diagonale, „Der schönste Platz auf Erden“ von Elke Groen, an. Ein ländliches Sittenbild.

1945 1960 1980 2000 2020

Die im März abgesagte „Diagonale“ kommt zizerlweise ins Kino. Nun läuft der Eröffnungsfilm der Diagonale, „Der schönste Platz auf Erden“ von Elke Groen, an. Ein ländliches Sittenbild.

Den Schluss des Films bildet eine riesige Gänseherde, die Corinna Wagner und Regisseurin Elke Groen in den Stall zu treiben suchen. Ein mühevolles, beinah aussichtloses Unterfangen, dessen sich Wagner, die mit ihrem Lebensgefährten eine kleine Landwirtschaft betreibt, anschickt. Und gleichzeitig – wie viele andere Bilder und Einstellungen im Dokumentarfilm „Der schönste Platz auf Erden“ – sagt das Bild viel aus über die Schwierigkeiten einer Gegenwartsgesellschaft, die gleichfalls kaum zu bändigen ist. Dokumentarfilmerin Elke Groen hat sich drei Jahre lang in die burgenländische Kleinstadt Pinkafeld begeben, um den dortigen Mikrokosmos und die Stimmung der Menschen einzufangen. Und vor allem die gesellschaftlichen Polarisierungen filmisch und mit den O-Tönen ausgewählter Pinkafelderinnen und Pinkafelder zu Gehör zu bringen.

Pinkafeld ist natürlich nicht irgendeine burgenländische Landgemeinde, sondern erreichte auch internationale Kurzzeitberühmtheit, weil es der Heimatort von Norbert Hofer ist. Zwar beeilt sich Groen bereits im Untertitel „Kein Film über Norbert Hofer“ zu betonen, aber der aktuell größte Sohn der Gemeinde war schon der Grund für diesen Film. Das Mitleben im Kino beginnt im Dezember 2016, als Norbert Hofer gegen Alexander Van der Bellen die wiederholte und dann noch einmal verschobene Bundespräsidentenwahl verlor– im roten Pinkafeld wählten damals 70 Prozent den blauen Kandidaten. Drei Jahre und drei weitere Wahlen (zweimal Nationalrat, einmal Gemeinderat) später endet der Film, der nicht versucht Partei zu ergreifen, sondern nüchtern, aber doch ohne Beschönigung zur Sprache bringt, was Sache ist – zumindest in dieser dörflichen Stadt.

Flüchtlinge „lösen“ Roma-Problem

Da ist eben Bäuerin Wagner, die den Frust der Menschen und das Gefühl artikuliert, von der Politik nicht genug wahrgenommen zu werden, die aber gleichzeitig reflektiert, wie die aktuelle Lage die Herzen und das Denken der Menschen verändert. Dann der Pensionist Horst Wascher, der in der Baubranche tätig war und nun nach Pinkafeld gezogen ist. Der ehemalige Rote ist bei der FPÖ gelandet und diskutiert mit seinesgleichen, wie die Ausländer einem das Leben schwermachen – wobei er betont, dass er nichts gegen die „guten“ Ausländer hat. Wobei unter „Ausländer“ in Pinkafeld auch die aus Ungarn Zureisenden gemeint sind, die die Arbeitsmarktssituation in der Region weiter verschärfen. Groen lässt dann die aus Syrien geflüchtete Familie Belal zu Wort kommen, die von einer Pinkafelder Initiative, an der 200 Ortsansässige ehrenamtlich mitarbeiten, betreut wird.