Ivo, Filmkritik, Pia Hierzegger, Palliativpflegerin, Pflegekraft Beziehungsdrama, assistierter Suizid

Eva Trombischs Beziehungsdrama "Ivo": Gevatter Tod, anno 2024

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Pia Hierzegger beim Sterben zuschauen: Der tagtägliche Umgang mit dem Tod ist in Eva Trombischs exzeptionellen Beziehungsdrama „Ivo“ weit mehr als bloßes Szenario.

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Pia Hierzegger beim Sterben zuschauen: Der tagtägliche Umgang mit dem Tod ist in Eva Trombischs exzeptionellen Beziehungsdrama „Ivo“ weit mehr als bloßes Szenario.

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Langsam, ruhig, in keineswegs akzentfreiem Deutsch erklärt Johann Campean der ALS-kranken Solveigh, die „selber bestimmen“ will, wann es zu Ende geht, was er tun kann. Er wird ihr kein Todesmedikament verschreiben. Aber er kann sie, wenn das Atmen zur Qual wird, mit Opiaten sedieren. Und er erläutert, wie Solveigh dann aus dem Leben dämmern wird. Nüchtern ist dieser Palliativmediziner.

Campean spielt in Eva Trobischs eindrücklichen Film „Ivo“ quasi sich selbst, denn er ist auch im wirklichen Leben Palliativmediziner und hat im Ruhrgebiet ein Netzwerk ambulanter Palliativpflege und Hospizbetreuung begründet. Campean hat die Macherin dieses Films, in dem der Tod omnipräsent ist, auch exzellent beraten: So gegenwärtig das Sterben in diesen 105 Minuten ist, so distanziert nähert sich der Plot dem Geschehen – und lässt gleichzeitig erahnen, mit welchen Fragen, Mühen und Leiden die Betroffenen, die Angehörigen und die professionellen Betreuenden konfrontiert sind.

Die Palliativpflegerin, die ALS-Patientin und der Ehemann: Ein Dreier im Sterbebett

Aber neben all dem sorgfältig gestalteten realistischen Szenario, das Eva Trobisch – auch unter Zuhilfenahme von Laiendarstellern – gebaut hat, ist „Ivo“ eine Beziehungsgeschichte, die das Publikum erst recht mitnimmt: Ivo, die Titelheldin (Minna Wündrich), ist eine engagierte ambulante Palliativpflegerin, die am Tag und auch nachts zu ihren Klientinnen und Klienten unterwegs ist. Ihr Leben spielt sich – außer in den Sterbezimmern – in ihrem Škoda ab. Für ein großartiges (Familien-)Leben lässt dieser Job wenig Platz. Kein Wunder also, dass Ivos halbwüchsige Tochter sich der Mutter mehr und mehr entfremdet.

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