Wanda, mein Wunder - © Lunafilm

„Wanda, mein Wunder": Vom wahren Leben im falschen

1945 1960 1980 2000 2020

Birgit Minichmayr, Marthe Keller und Anatol Taubmann brillieren in Bettina Oberlins Komödie „Wanda, mein Wunder".

1945 1960 1980 2000 2020

Birgit Minichmayr, Marthe Keller und Anatol Taubmann brillieren in Bettina Oberlins Komödie „Wanda, mein Wunder".

In der kurzweilig-kritischen Komödie „Wanda, mein Wunder“ dreht sich alles um reproduktive Tätigkeiten, und mit jedem Kapitel schlägt sie groteskere Volten. Um ihre Kinder zu ernähren, arbeitet die Polin Wanda als Pflegerin in der Schweiz. Illegal, versteht sich.

Stoisch erfüllt sie ihre Aufgaben, selbst wenn sie gegen Geld den pflegebedürftigen Hausherrn sexuell verwöhnen muss. Als Wanda schwanger wird, entbrennt ein Kampf um das Kind. Dem verrückten Treiben in „Wanda, mein Wunder“, das die Begehrlichkeiten und Projektionen jedes einzelnen Familienmitglieds mit Spott überzieht, schaut man lachend, aber auch unbehaglich zu, denn vieles erkennt man wieder.

Mit viel Verve spielt ein vorzügliches Ensemble die Rollen, allen voran Marthe Keller und Birgit Minichmayr. Judith Kaufmanns durchdachte Kameraführung verfremdet die Ökonomisierung des Privaten, bei der jeder mit sich allein bleibt, kunstvoll. Doch es gibt ein wahres Leben im falschen. Als Mutter im Geiste Bertolt Brechts weiß Wanda, was ihrem Kind guttut.

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