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Filz und Verantwortung

Wer gegen diese Regierung ist, fordert den Rücktritt von Wilfried Seipel. So viel zur Objektivität der Medien. Das khm-Kuratorium verteidigt Seipel in allem - Raiffeisen-Generaldirektor Peter Püspök sieht die 5000-Euro-Geburtstagsparty für Staatssekretär Franz Morak auf Kosten des khm als gute pr-Maßnahme. So viel zur österreichischen Filzokratie. Und Ministerin Elisabeth Gehrer steht auf jeden Fall hinter Seipel, nur dass er mehr verdient als der Bundeskanzler, das will sie sich doch anschauen. So viel zur österreichischen Politik.

Auffällig ist, wie sehr die Seipel-Gegner die Rechnungshof-Kritik als sakrosankt akzeptieren, weil sie ihren Zielen dient. Dabei fordert der rh nicht nur bessere Dokumentationen der Ausgaben, sondern will auch die Direktoren des Theater- und des Völkerkundemuseums einsparen. Die Eigenständigkeit der Museen und die Tatsache, dass ein Theatermuseum nach ganz anderen Mechanismen funktioniert als ein kunsthistorisches, sind da völlig egal. Nur keine Sachfragen, wenn die obersten Buchhalter ihr Werk vollbringen!

Darin hat Peter Püspök recht: Der rh listet nur Mängel auf, nimmt aber keine Gesamtbewertung vor. Gerade die aber wäre notwendig, falls jemand wissen will, was die Vollrechtsfähigkeit gebracht hat, die es einem Museumsdirektor ermöglicht (und ihn dazu zwingt!), wie ein Geschäftsmann zu handeln. Und dann doch wieder nicht, denn der Bund als Eigentümer aller Exponate redet immer mit.

Wie man Österreich kennt, wird die "Debatte" versacken und als Kompromiss ein Gegen-Direktor auf den Schild gehoben werden. Der Skandal ist freilich nicht, dass der bislang gefehlt hätte, sondern dass niemand seinen Dienst quittierte, als der Alarm nach dem Diebstahl der Saliera stundenlang nicht beachtet wurde. Soviel zur "Verantwortung", mit der man hohe Gehälter gerne begründet.

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