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Feuilleton

Flüchtlingsfrage auf Norwegisch

1945 1960 1980 2000 2020
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Endlich mal in den Süden auf Urlaub fahren. Das könnte er zum Beispiel, malt Primus (Anders Baasmo Christiansen) sich aus, sobald er mit seinem neuesten Projekt genug Geld verdient hätte. "Ins Ausland?", fragt ihn da der aus Eritrea stammende Abedi (Olivier Mukuta), mit dem er gerade am Tisch sitzt. "Aber du magst doch gar keine Ausländer!"- Primus winkt ab, Geld ist ohnehin noch nicht in Aussicht. Das alte Hotel vis-à-vis seines eigenen Hauses in der norwegischen Gebirgseinöde, das er vor Jahren schon nicht gewinnbringend bewirtschaften konnte, versucht er aktuell als rentable Flüchtlingsunterkunft zu nutzen. "Welcome to Norway" - so der Slogan des nationalen Regierungsprogramms zur Immigrationsbewältigung und so auch der Titel des dritten Spielfilms von Rune Denstad Langlo, der Schlagwörtern wie "Flüchtlingskrise" und "Asylwerber" eine sarkastische wie persönliche Tiefe geben möchte.

Das gelingt über weite Strecken des Films recht gut. Langlo war von den real agierenden norwegischen Unternehmern Kristian und Roger Adolfsen inspiriert, die Flüchtlingsunterkünfte wie Geschäftsunternehmen betreiben. Sie kalkulieren die Kosten für Unterkunft und Verpflegung knapp und machen durch die Aufwendungen, die sie von der norwegischen Ausländerbehörde UDI bekommen, eine Rendite von bis zu drei Prozent. Im Film sieht Primus in diesem "Geschäftsmodell" eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten Als die 50 ihm zugeteilten Flüchtlinge ankommen, gibt es die ersten Probleme: Zu wenige fertige Zimmer und zu viele Religionskonflikte. "Ihr streitet seit Jahrtausenden, könntet ihr mal damit aufhören", ist Primus hilflos. Abedi wird schnell zu seinem unfreiwilligen Assistenten, weil er im Sprachenwirrwarr als Einziger dolmetschen kann. Allmählich bildet sich aber eine Freundschaft zwischen den Männern. Primus' Rassismus ist simpel und speist sich aus bequemer Uninformiertheit. Was ihn wiederum leichter zu korrigieren macht, als wären komplexe Gedankenmuster dahinter. Am deutlichsten steht Primus für die "Sorgen der Bürger", wenn er in Konfrontation mit seiner pubertierenden Tochter Oda oder seiner Frau Hanni treten muss. Eine "gutmenschelnde" Bibliothekarin steht für heuchlerisch-sensationalistische Anteilnahme; und der dauernörgelnde ägyptische Ingenieur Zoran dient Langlo als Katalysator für die durch diesen Film bewusst vermiedene idealisierende Berührungsangst mit realistischen Konflikten.

Welcome to Norway

N 2016.

Regie: Rune Denstad Langlo. Mit Anders Baasmo Christiansen. Polyfilm. 95 Min.

Endlich mal in den Süden auf Urlaub fahren. Das könnte er zum Beispiel, malt Primus (Anders Baasmo Christiansen) sich aus, sobald er mit seinem neuesten Projekt genug Geld verdient hätte. "Ins Ausland?", fragt ihn da der aus Eritrea stammende Abedi (Olivier Mukuta), mit dem er gerade am Tisch sitzt. "Aber du magst doch gar keine Ausländer!"- Primus winkt ab, Geld ist ohnehin noch nicht in Aussicht. Das alte Hotel vis-à-vis seines eigenen Hauses in der norwegischen Gebirgseinöde, das er vor Jahren schon nicht gewinnbringend bewirtschaften konnte, versucht er aktuell als rentable Flüchtlingsunterkunft zu nutzen. "Welcome to Norway" - so der Slogan des nationalen Regierungsprogramms zur Immigrationsbewältigung und so auch der Titel des dritten Spielfilms von Rune Denstad Langlo, der Schlagwörtern wie "Flüchtlingskrise" und "Asylwerber" eine sarkastische wie persönliche Tiefe geben möchte.

Das gelingt über weite Strecken des Films recht gut. Langlo war von den real agierenden norwegischen Unternehmern Kristian und Roger Adolfsen inspiriert, die Flüchtlingsunterkünfte wie Geschäftsunternehmen betreiben. Sie kalkulieren die Kosten für Unterkunft und Verpflegung knapp und machen durch die Aufwendungen, die sie von der norwegischen Ausländerbehörde UDI bekommen, eine Rendite von bis zu drei Prozent. Im Film sieht Primus in diesem "Geschäftsmodell" eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten Als die 50 ihm zugeteilten Flüchtlinge ankommen, gibt es die ersten Probleme: Zu wenige fertige Zimmer und zu viele Religionskonflikte. "Ihr streitet seit Jahrtausenden, könntet ihr mal damit aufhören", ist Primus hilflos. Abedi wird schnell zu seinem unfreiwilligen Assistenten, weil er im Sprachenwirrwarr als Einziger dolmetschen kann. Allmählich bildet sich aber eine Freundschaft zwischen den Männern. Primus' Rassismus ist simpel und speist sich aus bequemer Uninformiertheit. Was ihn wiederum leichter zu korrigieren macht, als wären komplexe Gedankenmuster dahinter. Am deutlichsten steht Primus für die "Sorgen der Bürger", wenn er in Konfrontation mit seiner pubertierenden Tochter Oda oder seiner Frau Hanni treten muss. Eine "gutmenschelnde" Bibliothekarin steht für heuchlerisch-sensationalistische Anteilnahme; und der dauernörgelnde ägyptische Ingenieur Zoran dient Langlo als Katalysator für die durch diesen Film bewusst vermiedene idealisierende Berührungsangst mit realistischen Konflikten.

Welcome to Norway

N 2016.

Regie: Rune Denstad Langlo. Mit Anders Baasmo Christiansen. Polyfilm. 95 Min.