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"FunkFeuer" über Wien

Neben der Berliner ist die Wiener Community Vorreiter bei den freien Funknetzen. Netzwerk-Aktivist Gregor Glashüttner über den Verein FunkFeuer, der mehr und bessere Kommunikations-Möglichkeiten eröffnen will.

Die Furche: Warum haben die Leute vom FunkFeuer-Verein so viel Freude daran, Antennen auf die Dächer zu stellen?

Gregor Glashüttner: Unser Ziel ist, eine freie Kommunikations-Infrastruktur zu schaffen. Und weil es eine spannende gute Sache ist.

Die Furche: Wenn man sich die Preise der kommerziellen Anbieter von Kommunikations-Infrastruktur ansieht, dann sind die aber auch nicht mehr so "böse". Die Preise sinken ja zusehends. Warum gibt es dennoch diese Gegenbewegung?

Glashüttner: Weil es genug Menschen gibt, die es nicht nur einfach und billig haben wollen. Diese Leute wollen Möglichkeiten. Möglichkeiten, die ihnen durch kommerzielle Provider verwehrt bleiben.

Die Furche: Dieser Meinung ist auch Armin Medosch. Er spricht vor allem das Recht auf einen eigenen Server an.

Glashüttner: Und das tut er nicht unbegründet, denn das Recht, einen Mail-Server ins Netz zu hängen, haben zumeist nur Business-Kunden, deren Tarife aber weitaus höher sind. Ich denke aber auch an so etwas wie die Freigabe von Zugriffs-Rechten auf Windows-Laufwerke über das Internet. Diese Möglichkeit sperren viele Anbieter, weil sie sagen, dass das zu gefährlich und unsicher für die meisten Benutzer ist.

Die Furche: Apropos Gefahren: Wie sieht es mit der Sicherheit im FunkFeuer-Netz aus? Wäre es ratsam, meine Geheimdokumente über euer Funknetz zu verschicken.

Glashüttner: Unser Netz ist genauso sicher oder unsicher wie das Internet selbst auch, denn unser Funknetz ist unverschlüsselt und ungesichert.

Die Furche: Also sollte ich meine Geheimdaten nicht über FunkFeuer verschicken?

Glashüttner: Das stimmt so nicht. Die Menschen übersehen immer, dass sie selber für ihre Sicherheit im Internet verantwortlich sind. Alle haben Angst vor dem gläsernen Menschen und beklagen sich. Dabei kann jeder sehr leicht selber seinen Datenverkehr verschlüsseln. Ein einfaches Beispiel ist Internet-Banking. Da beginnt die sichere Verbindung auf meinem Rechner und endet bei der Bank. Und meine Bankgeschäfte wickle ich natürlich alle über das FunkFeuer-Netz ab.

Die Furche: Dennoch muss ich ein Tüftler sein, wenn ich bei FunkFeuer mitmachen will, da kann mir die Freiheit und die vielen Möglichkeiten noch so viel wert sein, oder?

Glashüttner: Großes technisches Wissen muss man nicht mitbringen, vielmehr Interesse und den Willen, Manuals zu lesen, denn wenngleich wir Hilfe anbieten, muss sich jeder selber darum kümmern, dass das Netzwerk funktioniert. Der Bastel-Aspekt beginnt damit, dass der notwendige WLAN-Router mit einer neuen Software versehen werden muss - da ist dann auch gleich die Garantie futsch - und endet, wenn man einen eigene Antenne betreiben will, bei deren Montage auf dem Dach. Und das ist zugegebener Maßen nicht ganz so leicht.

Die Furche: Antennen auf dem Dach, Funknetz aufbauen, senden und empfangen von Daten; das schreit ja förmlich nach Reglementierung.

Glashüttner: Natürlich muss der Hausbesitzer mit der Installation der Antenne einverstanden sein, wenn man einen eigenen Sende-Knoten aufstellen will. Auch die Sendeleistung ist auf 100 Milliwatt begrenzt.

Die Furche: Wieder mehr Elektro-Smog …

Glashüttner: Mit der Sendeleistung bewegen wir uns im Bereich von Schnurlostelefonen. Da bläst der Rundfunk viel mehr raus. Das war es, denn die Sendefrequenzen sind frei.

Die Furche: Seht ihr euch eigentlich als Gratis-Internetprovider?

Glashüttner: Für viele User ist das sicher der große Vorteil, aber wir sind kein Gratis-Internet-Provider. Unser Ansatz ist genossenschaftlich: Wir teilen uns das Netz untereinander auf.

Das Gespräch führte Thomas Meickl

Funkfeuer

FunkFeuer ist ein freies, experimentelles Netzwerk in Wien, Weinviertel, Graz, Klosterneuburg und Bad Ischl. Der Grundstein für das Funknetz wurde in den 90er Jahren durch Silver Server unter der Leitung von Franz Xaver gelegt. FunkFeuer verfolgt keine kommerziellen Ziele. Jeder kann beim Aufbau des nicht regulierten Netzwerkes mithelfen, das laut Eigendefinition das Potenzial hat, "den digitalen Graben zwischen den sozialen Schichten zu überbrücken". Wie funktioniert es? Antennen, so genannte Knoten - derzeit 100 in Wien - sind auf den Dächern angebracht und senden das FunkFeuer-Signal. Das Signal wird über WLAN-Router, die mit einer speziellen Software konfiguriert sind, empfangen. Im FunkFeuer-Netz können Daten ausgetauscht und eine Internetverbindung hergestellt werden.

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