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Feuilleton

Gähnend durch die Galaxie

1945 1960 1980 2000 2020
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Es gibt etwas, das kann Christopher Nolan von all seinen Kollegen am besten: Die Verknüpfung von Pathos, Patriotismus und Action zu einer homogenen Spektakelnummer, die nicht nur teuer aussieht, sondern auch ist. Nicht immer aber ist diese Mischung filmisch interessant. Schon bei den drei "Batman"-Filmen fehlte nämlich die wunderbar süffisante Koketterie, mit der Tim Burton dereinst dem Stoff seinen Charme beließ.

Auch mit "Interstellar", Nolans neuester Arbeit, kann der Regisseur nicht überzeugen. Dabei geht es darin um nichts weniger als die (Er-)Findung einer neuen Welt!

Nolans dystopische Erzählung zeigt eine durch gigantische Sandstürme und daraus entstandener Missernten hart geprüfte Menschheit, die den eigenen Untergang bereits absehen kann. Doch durch den findigen Wissenschaftler Professor Brand (Michael Caine) und dessen weltraumerprobter Tochter Amelia (Anne Hathaway) erhält der Mais-Farmer und frühere Nasa-Pilot Cooper (Matthew McConaughey) die Chance, gemeinsam mit Amelia zu einer Mission aufzubrechen, die vielleicht die Rettung bringt.

Alles, was schiefgehen kann, geht schief

Sie starten ins All, um dort über so genannte "Wurmlöcher" in Hochgeschwindigkeit zu weit entfernten Galaxien vorzudringen, wo sie einen erdähnlichen Planeten ausfindig machen sollen. Dann soll die Menschheit nachkommen, und für den Fall, dass alles schief geht, haben sie gleich ein paar tausend menschliche Eizellen tiefgefroren dabei.

In diesem Drama geht alles schief, was nur schiefgehen kann, zumal man unterwegs auch andere, bereits verloren geglaubte Astronauten (u. a. Matt Damon) trifft und auch daheim bei Mutter Erde sich die Konflikte zuspitzen -vor allem in Coopers Familie. Dort vergeht die Zeit schneller als in der fernen Galaxie: Wenn Cooper eine Stunde auf einem der Planeten verbringt, sind schon sieben Jahre auf der Erde passé. Weshalb seine Tochter bald altersmäßig an ihm vorüberzieht. Weil die Geschichte eine psychologische und auch psychedelische Komponente verträgt, schließt sich bald der Kreis aus Zukunft, Vergangenheit, Raum und Zeit, und vor lauter drei, vier und fünf Dimensionen ist man bald froh, dass der Film nicht in 3D ist.

"Interstellar" will offenkundig zum Nachdenken anregen, weckt aber in 169 Minuten Laufzeit bloß Gedanken an ein kuscheliges Nickerchen; statt philosophisch ist der Film belanglos und langatmig, visuell vielleicht perfekt, aber dann in den spektakulären Szenen auch wieder nur ein billiges Imitat von Kubricks "2001". Ganz übel wird einem vom sakral wummernden Orgelscore aus Hans Zimmers Feder. Die Darsteller sind fehlbesetzt: Anne Hathaway glaubt man die rehäugige Forscherin nicht, und auch Matthew McConaughey nervt - er wirkt, als sei er direkt von "Dallas Buyers Club" in den Raumanzug gestiegen.

Interstellar

USA 2014. Regie: Christopher Nolan. Mit Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Matt Damon, Michael Caine. Warner, 169 Min.

Es gibt etwas, das kann Christopher Nolan von all seinen Kollegen am besten: Die Verknüpfung von Pathos, Patriotismus und Action zu einer homogenen Spektakelnummer, die nicht nur teuer aussieht, sondern auch ist. Nicht immer aber ist diese Mischung filmisch interessant. Schon bei den drei "Batman"-Filmen fehlte nämlich die wunderbar süffisante Koketterie, mit der Tim Burton dereinst dem Stoff seinen Charme beließ.

Auch mit "Interstellar", Nolans neuester Arbeit, kann der Regisseur nicht überzeugen. Dabei geht es darin um nichts weniger als die (Er-)Findung einer neuen Welt!

Nolans dystopische Erzählung zeigt eine durch gigantische Sandstürme und daraus entstandener Missernten hart geprüfte Menschheit, die den eigenen Untergang bereits absehen kann. Doch durch den findigen Wissenschaftler Professor Brand (Michael Caine) und dessen weltraumerprobter Tochter Amelia (Anne Hathaway) erhält der Mais-Farmer und frühere Nasa-Pilot Cooper (Matthew McConaughey) die Chance, gemeinsam mit Amelia zu einer Mission aufzubrechen, die vielleicht die Rettung bringt.

Alles, was schiefgehen kann, geht schief

Sie starten ins All, um dort über so genannte "Wurmlöcher" in Hochgeschwindigkeit zu weit entfernten Galaxien vorzudringen, wo sie einen erdähnlichen Planeten ausfindig machen sollen. Dann soll die Menschheit nachkommen, und für den Fall, dass alles schief geht, haben sie gleich ein paar tausend menschliche Eizellen tiefgefroren dabei.

In diesem Drama geht alles schief, was nur schiefgehen kann, zumal man unterwegs auch andere, bereits verloren geglaubte Astronauten (u. a. Matt Damon) trifft und auch daheim bei Mutter Erde sich die Konflikte zuspitzen -vor allem in Coopers Familie. Dort vergeht die Zeit schneller als in der fernen Galaxie: Wenn Cooper eine Stunde auf einem der Planeten verbringt, sind schon sieben Jahre auf der Erde passé. Weshalb seine Tochter bald altersmäßig an ihm vorüberzieht. Weil die Geschichte eine psychologische und auch psychedelische Komponente verträgt, schließt sich bald der Kreis aus Zukunft, Vergangenheit, Raum und Zeit, und vor lauter drei, vier und fünf Dimensionen ist man bald froh, dass der Film nicht in 3D ist.

"Interstellar" will offenkundig zum Nachdenken anregen, weckt aber in 169 Minuten Laufzeit bloß Gedanken an ein kuscheliges Nickerchen; statt philosophisch ist der Film belanglos und langatmig, visuell vielleicht perfekt, aber dann in den spektakulären Szenen auch wieder nur ein billiges Imitat von Kubricks "2001". Ganz übel wird einem vom sakral wummernden Orgelscore aus Hans Zimmers Feder. Die Darsteller sind fehlbesetzt: Anne Hathaway glaubt man die rehäugige Forscherin nicht, und auch Matthew McConaughey nervt - er wirkt, als sei er direkt von "Dallas Buyers Club" in den Raumanzug gestiegen.

Interstellar

USA 2014. Regie: Christopher Nolan. Mit Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Matt Damon, Michael Caine. Warner, 169 Min.