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Geistige Weite und kulturelle Vielfalt

dieFurche: Kulturell tut sich einiges in Oberösterreich. Wie ist Ihr persönliches Verhältnis zur Kultur?

Josef Pühringer: Ein sehr positives. Ich bin seit sieben Jahren Kulturreferent. In meinem Vorleben als Politiker in meiner Heimatstadt Traun war ich 15 Jahre Kulturstadtrat. Ein Land wie OÖ braucht nicht nur gute Straßen und moderne Spitäler, sondern auch Kultur. Denn die Kultur ist das wie unseres Lebens, wie wir miteinander umgehen und leben. Und da haben wir in OÖ Markenzeichen gesetzt. Zum Beispiel mit dem Landesmusikschulwerk mit 47.000 Schüler. Eine derartig breite Basis der musikalischen Ausbildung gibt es in ganz Europa nicht. Ich möchte auch das offene Kulturhaus erwähnen, das wir vor kurzem eröffnet haben, ein Haus der Produktion der Zeitkultur. Es ist uns von kritischen Kulturjournalisten aus dem In- und Ausland bestätigt worden, daß das etwas Einzigartiges ist. Besonders wichtig ist uns unter anderem das Ars Electronica Center und die Landesausstellung, die mit Land der Hämmer heuer besonders erfolgreich ist. Innerhalb von sechs Wochen wurden bereits 100.000 Besucher verzeichnet.

dieFurche: Wann wird das seit Jahren geplante Musiktheater realisiert?

Pühringer: Wir stehen mitten im Architektenwettbewerb. Unser angestrebtes Ziel ist die Eröffnung Ende 2003.

dieFurche: Welche Projekte, abgesehen vom Musiktheater, würden Sie gerne in den nächsten Jahren verwirklichen?

Pühringer: Ich würde das in drei große Gruppen teilen. Im Bereich Bildung und Kultur sollen unsere Universität und die Fachhochschulen, die sehr beliebt sind und auch eine große Nachfrage haben, ausgebaut werden. Im Bereich Soziales und Gesundheit geht es um unser Spitalsprogramm, etwa den Bau der Kinderklinik. Weiters soll der Wirtschaftsstandort OÖ, vor allem im Bereich der Verkehrsinfrastruktur, optimiert werden: der Zentralraum Linz soll ausgebaut werden und die Pyhrnautobahn inklusive der Welser Westspange müssen fertiggestellt werden. Auch die Bahnlinien Richtung Tschechien und die Innviertler Bahn, unsere Verbindung nach Bayern, sind wichtig.

dieFurche: Sie sind nun seit über drei Jahren Landeshauptmann von OÖ. Worauf sind Sie besonders stolz?

Pühringer: Wir haben in den letzten drei Jahren gezeigt, daß OÖ ein Land ist, wo es keinen Stillstand gibt, wo etwas weitergeht. Ganz großen Wert lege ich darauf, daß wir nicht nur ein wirtschaftlich starkes Land sind, sondern daß wir auf jene Rücksicht nehmen, die es im Leben schwerer haben. Wir sind ein Land der sozialen Wärme. Das soziale Netz ist in den letzten Jahren gewaltig ausgebaut worden, das kann sich durchaus sehen lassen. Worauf ich ganz besonders stolz bin ist, daß OÖ ein Land der geistigen Weite und kulturellen Vielfalt ist, ein Land wo Bildung und Kultur einen besonderen Stellenwert haben.

dieFurche: OÖ hat eine Reihe von Erfolgsmeldungen aufzuweisen. Etwa im Vergleich der Länderbudgets. OÖ wird sogar als "Primus" bezeichnet, da das Land seit 1991 seine Finanzschuld am deutlichsten vermindern konnte. Auch sank gegen den Bundestrend die Arbeitslosigkeit. Welche Gründe gibt es für diesen Aufschwung?

Pühringer: Wir sind seit einigen Jahren als Wirtschaftsstandort die Nummer eins. Das führe ich auf eine Reihe von Gründen zurück. Wir haben eine gute Industrie, ein Wiedererstehen der verstaatlichten Betriebe und viele tüchtige Klein- und Mittelbetriebe. Die Arbeitsmarktsituation ist um über zwei Prozent günstiger als im Bundesschnitt und da müssen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schon stimmen, denn sonst kann man derartige Erfolge nicht verbuchen. Nicht zuletzt hat eine sehr disziplinierte Politik des öffentlichen Haushalts dazu geführt, daß wir jetzt mehr Freiraum für Projekte haben, etwa für Aus- und Weiterbildung. Wir haben seit drei Jahren keine Neuverschuldung. Die Erträge der Privatisierung haben wir dazu genützt, alte Schulden abzubauen.

dieFurche: Haben Sie nicht auch sehr vom EU-Beitritt profitiert?

Pühringer: Wir haben diese Chance sicherlich genützt, und wir haben in den letzten Jahren in zweifacher Weise gewonnen. Erstens durch den Beitritt zur Europäischen Union. Man darf nicht vergessen, daß Oberösterreichs Anteil am gesamten Export der Republik 25 Prozent beträgt. Und die exportorientierten Länder haben natürlich vom Beitritt in einem überaus großem Maße profitiert. Zweitens lagen wir bis vor zehn Jahren im Norden an einer toten Grenze. Durch die Öffnung haben wir jetzt eine sehr günstige geographische Position in bezug auf die Ostmärkte.

dieFurche: Wie stehen Sie zur EU-Osterweiterung?

Pühringer: Die EU-Osterweiterung ist die logische Fortsetzung des Friedensmodells Europa. Allerdings muß man die Erweiterung in vernünftigen Zeiträumen vollziehen, mit entsprechenden Begleitprogrammen für die Grenzregionen, denn es darf keine Verlierer geben. Es kommt nicht auf ein, zwei Jahre an. Europa darf nicht künstlich zwangsverbunden werden. Aber unser Ziel muß das vereinte Europa bleiben und dazu gehören die Mittel- und Osteuropäischen Staaten dazu.

dieFurche: Was verstehen Sie unter vernünftigen Zeiträumen?

Pühringer: Ich traue mir das heute nicht zu sagen, denn das muß sich entwickeln. Ich sage nur, daß Jahreszahlen wie 2000, 2001, 2002 unrealistisch sind. Auch aus der Sicht unserer tschechischen Nachbarn. Sie brauchen noch eine Phase, damit sie sich selbst entwickeln können, damit die Konkurrenz nicht ungehindert über die Grenze kommt, denn dort drüben müssen sich noch Firmen gründen und etablieren und die brauchen einen gewissen Schutz vor unserer weitaus stärkeren Wirtschaft. Und wir brauchen diese Zeiträume auch, denn zum jetzigen Zeitpunkt ist einfach der Unterschied zwischen den Standards im wesentlichen noch zu groß.

Das Gespräch führte Monika Kunit.

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