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1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Sind wir in der Masse klüger? Ja, sagen Naturwissenschafter. Aber das ist nicht sicher, kontern Skeptiker, denn die Masse kann auch irren. Das Interesse an Schwarmintelligenz steigt.

Wer den abendlichen Flug eines Vogelschwarmes zu seinem Schlafplatz beobachtet hat, kennt das verblüffende Phänomen: Weder kollidieren die Vögel miteinander, noch zerstreut sich der Schwarm in alle Richtungen. Vielmehr präsentiert er sich als Ensemble im Gleichklang der Bewegungen. Umso erstaunlicher ist es, dass drei einfache Regeln ausreichen, um dieses komplexe Verhalten zu beschreiben. Sie lauten: Fliege so, dass keine lokalen "Knäuel“ von Vögeln entstehen; fliege in die Richtung, die der durchschnittlichen Richtung der unmittelbaren Nachbarn entspricht; halte den gleichen Abstand zu allen unmittelbaren Nachbarn.

Entdeckt hat diese Regeln 1986 der amerikanische Wissenschaftler Craig Reynolds. Kein einzelner Vogel kennt die Regeln in dem Sinn, dass er sie bewusst befolgen würde. Es gibt auch keinen Anführer, der ihre Einhaltung überwacht und so die Gruppe leitet. Es scheint deshalb, als hätte der Schwarm eine Form von Intelligenz, die dem individuellen Tier fehlt.

Prinzip Schwarmintelligenz

Dafür hat sich der schillernde Begriff "Schwarmintelligenz“ durchgesetzt. Das darin angesprochene Prinzip hat bereits Aristoteles erkannt. In einfachster Formulierung besagt es: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Damit ist gemeint, dass es Eigenschaften gibt, die zwar einem System als Ganzem zukommen, nicht aber dessen einzelnen Bestandteilen. So hat Wasser die Eigenschaft, nass zu sein. Für die Sauerstoff- und Wasserstoffatome gilt das hingegen nicht. Eine Uhr kann die Zeit anzeigen, keines der Zahnräder und Federn ist dazu in der Lage. Wenn sich Teile zu einem größeren Ganzen organisieren, entsteht demnach oft etwas Neues. In vielen Fällen eben intelligentes Verhalten (oder zumindest solches, das wir als intelligent interpretieren). In den vergangenen Jahren hat das Forschungsinteresse an Schwarmintelligenz stark zugenommen und neue Disziplinen erreicht.

Ganzheitliche Betrachtungsweise

Neben den Naturwissenschaften und der theoretischen Informatik als angestammte Disziplinen entdecken auch Sozialwissenschaftler und Psychologen die Vorzüge dieser ganzheitlichen Betrachtungsweise. Evolutionsgeschichtlich hat sich das Schwarmverhalten als Überlebensstrategie erwiesen. Es genau zu verstehen lässt deshalb hoffen, zugleich Hilfreiches für die Lösung der Gegenwartsprobleme in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft zu lernen.

Ende Jänner veröffentlichte ein internationales Forscherteam seine Untersuchungsergebnisse an australischen Moskitofischen. Die Wissenschaftler wollten herausfinden, ob größere Gruppen Vorteile bei der Flucht vor natürlichen Feinden haben als kleinere oder als die Einzeltiere. Dabei schickten die Wissenschaftler die Fische in Gruppen unterschiedlicher Größe durch eine mit Wasser gefüllte Röhre, die sich am Ende in zwei Seitenarme aufteilte. Im einen Arm befand sich ein künstlicher Raubfisch, der erst kurz vor der Abzweigung zu erkennen war. Es zeigte sich, dass ein einzelner Fisch den Feind in 55,6 Prozent aller Fälle erkennt. Bereits zwei Fische erreichen einen Wert von über 70 Prozent. Mit zunehmender Schwarmgröße wird der Raubfisch immer zuverlässiger gemieden. Zudem schwammen die Fische umso schneller, je größer die Gruppe war. Das lässt sich als Vertrauen in die Schutzfunktion der Gruppe interpretieren, das die natürliche Vorsicht in unbekannten Umgebungen kompensiert. Die Ergebnisse bestätigen die "Viele-Augen“-Hypothese, wonach große Gruppen eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, Feinde rechtzeitig wahrzunehmen, weil jeder einzelne Fisch nur einen kleinen Teil der Umgebung im Blick behalten muss.

Zuverlässige "vox populi“

Entscheidungen von Schwärmen sind häufig tolerant gegenüber den Fehlern Einzelner. Das hat der britische Wissenschaftler Francis Galton, ein Cousin Darwins, bereits 1907 festgestellt. Auf einer landwirtschaftlichen Messe ließ er die Besucher das Gewicht eines Zuchtbullen schätzen. Die Auswertung von fast 800 Tipps ergab, dass der statistische Mittelwert aller Schätzungen bis auf 0,8 Prozent an das tatsächliche Gewicht des Bullen herankam. Sogar professionelle Züchter lagen weiter daneben als der Gruppendurchschnitt. Dieses Ergebnis wertete Galton als Beweis für die Zuverlässigkeit der "vox populi“, der Stimme des Volkes, und damit zugleich als Rechtfertigung für die Zuverlässigkeit demokratischer Entscheidungen. Auch bei den populären Fernseh-Quizshows, bei denen der Kandidat die Meinung des Publikums einholen darf, erweist sich dessen Einschätzung meist als richtig. Ob das bereits als eine Spielart kollektiver Intelligenz gelten darf, ist umstritten. Manche Wissenschaftler fordern als notwendiges Merkmal von Schwarmintelligenz sozialen Kontakt und Informationsaustausch zwischen den einzelnen Gruppenmitgliedern. So sehen die Vögel im Schwarm, wohin der Nachbar fliegt und können im Sekundenbruchteil darauf reagieren. Ameisen orientieren sich an Duftmarken und Bienen informieren sich gegenseitig mittels der berühmten Schwänzeltänze über entdeckte Futterquellen.

Beim Menschen sind die Mechanismen der Interaktion vielschichtiger und subtiler, können aber dennoch zu einer Art Gruppenintelligenz führen. Das zeigte eine Studie der Carnegie Mellon Universität (USA).

Die Wissenschaftler ließen Gruppen von zwei bis fünf Personen Aufgaben lösen. Dabei zeigte sich, dass die - zuvor gemessene - Intelligenz der einzelnen Teilnehmer die unterschiedliche Leistung der verschiedenen Gruppen nicht erklären kann. Stattdessen identifizierten die Forscher einen statistischen Faktor, den sie als "kollektive Intelligenz“ interpretieren. Diese war umso höher, je besser die Kommunikation innerhalb der Gruppen funktionierte. Oder anders herum: Je stärker die Diskussion von dominanten Alpha-Tieren geprägt wurde, desto schlechter schnitt die Gruppe bei den Aufgaben ab. Auch die soziale Sensitivität, als das Gefühl für die Stimmung des Gegenübers, spielte eine Rolle.

Nicht vor Fehlern gefeit

Gleichberechtigung der Akteure ist eine Voraussetzung für schwarmintelligentes Verhalten. Dennoch wäre es verfrüht, daraus die Unterlegenheit sämtlicher hierarchischer Strukturen ableiten zu wollen. Nicht in jeder Situation ist das Votum der Masse korrekt. Eine Grenze sind etwa Aufgaben, die explizites Fachwissen erfordern. In Studien haben Sozialpsychologen festgestellt, dass heterogene Gruppen zu gegenseitigem Misstrauen und in der Folge einem Abbruch der Kommunikation neigen können. Auch Verkehrsstaus, Kursstürze an der Börse oder Massenpaniken wie jene auf der letztjährigen Loveparade in Duisburg zeigen, dass ein unreglementiertes Kollektiv nicht immer wünschenswertes Verhalten aufweist. Das Phänomen der Schwarmintelligenz birgt nur das Potenzial in sich, Entscheidungen zu optimieren. Noch ist aber nicht hinreichend erforscht, unter welchen Bedingungen es wirklich gewinnbringend angewandt werden kann. "Soweit das Leittier eine Situation richtig erfassen und beurteilen kann, fahren Herden gut mit dem Führungsprinzip“, meint Unternehmensberater Jochen May. "Schwarmintelligenz leistet hingegen dort gute Dienste, wo die Komplexität einer Situation durch den Einzelnen nur unvollständig erfassbar ist.“

Konflikt im Blick

May gehört der wachsenden Gruppe jener Berater an, die im Vorbild der Tierwelt einen neuen Stil der Unternehmensführung erkennen. Mitarbeiter werden dabei als anonyme, aber wertvolle Leistungsträger betrachtet, die im Kollektiv viele Aufgaben besser lösen können, wenn man ihnen die Freiräume dafür lässt. Damit sind Führungskräfte keineswegs aus der Verantwortung genommen. Ihre neue Aufgabe ist es, für die Bedingungen zu sorgen, unter denen sich Schwarmintelligenz entfalten kann. Sie legen das "Was“, aber nicht das "Wie“ fest. Dadurch, so die Theorie, entwickeln Mitarbeiter das natürliche Interesse, neue Lösungen zu erarbeiten, die man in keinem "Prozesshandbuch“ findet. Ziel ist ein Unternehmen, das wie ein Fischschwarm selbstständig den richtigen Weg findet. Damit derartige Konzepte in der Praxis funktionieren, müsse auf der Ebene der Befehlsgeber wie der Befehlsempfänger ein Umdenken stattfinden. "Das ist leider keine banale Forderung, denn zur Schwarmintelligenz gehört ein gewisses Maß an schöpferischer Unruhe“, so May. "Viele Vorgesetzte haben Probleme mit guten Ideen, die nicht von ihnen selbst kommen.“

An der Unternehmensführung zeigen sich Potenziale und Herausforderungen der Schwarmintelligenz. Die inhärente Spannung zwischen Netzwerkstruktur und Hierarchie, zwischen Individuum und Kollektiv, zwischen Durchschnittsperson und Ausnahmeerscheinung rückt ins Blickfeld.

Sind wir in der Masse klüger? Ja, sagen Naturwissenschafter. Aber das ist nicht sicher, kontern Skeptiker, denn die Masse kann auch irren. Das Interesse an Schwarmintelligenz steigt.

Wer den abendlichen Flug eines Vogelschwarmes zu seinem Schlafplatz beobachtet hat, kennt das verblüffende Phänomen: Weder kollidieren die Vögel miteinander, noch zerstreut sich der Schwarm in alle Richtungen. Vielmehr präsentiert er sich als Ensemble im Gleichklang der Bewegungen. Umso erstaunlicher ist es, dass drei einfache Regeln ausreichen, um dieses komplexe Verhalten zu beschreiben. Sie lauten: Fliege so, dass keine lokalen "Knäuel“ von Vögeln entstehen; fliege in die Richtung, die der durchschnittlichen Richtung der unmittelbaren Nachbarn entspricht; halte den gleichen Abstand zu allen unmittelbaren Nachbarn.

Entdeckt hat diese Regeln 1986 der amerikanische Wissenschaftler Craig Reynolds. Kein einzelner Vogel kennt die Regeln in dem Sinn, dass er sie bewusst befolgen würde. Es gibt auch keinen Anführer, der ihre Einhaltung überwacht und so die Gruppe leitet. Es scheint deshalb, als hätte der Schwarm eine Form von Intelligenz, die dem individuellen Tier fehlt.

Prinzip Schwarmintelligenz

Dafür hat sich der schillernde Begriff "Schwarmintelligenz“ durchgesetzt. Das darin angesprochene Prinzip hat bereits Aristoteles erkannt. In einfachster Formulierung besagt es: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Damit ist gemeint, dass es Eigenschaften gibt, die zwar einem System als Ganzem zukommen, nicht aber dessen einzelnen Bestandteilen. So hat Wasser die Eigenschaft, nass zu sein. Für die Sauerstoff- und Wasserstoffatome gilt das hingegen nicht. Eine Uhr kann die Zeit anzeigen, keines der Zahnräder und Federn ist dazu in der Lage. Wenn sich Teile zu einem größeren Ganzen organisieren, entsteht demnach oft etwas Neues. In vielen Fällen eben intelligentes Verhalten (oder zumindest solches, das wir als intelligent interpretieren). In den vergangenen Jahren hat das Forschungsinteresse an Schwarmintelligenz stark zugenommen und neue Disziplinen erreicht.

Ganzheitliche Betrachtungsweise

Neben den Naturwissenschaften und der theoretischen Informatik als angestammte Disziplinen entdecken auch Sozialwissenschaftler und Psychologen die Vorzüge dieser ganzheitlichen Betrachtungsweise. Evolutionsgeschichtlich hat sich das Schwarmverhalten als Überlebensstrategie erwiesen. Es genau zu verstehen lässt deshalb hoffen, zugleich Hilfreiches für die Lösung der Gegenwartsprobleme in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft zu lernen.

Ende Jänner veröffentlichte ein internationales Forscherteam seine Untersuchungsergebnisse an australischen Moskitofischen. Die Wissenschaftler wollten herausfinden, ob größere Gruppen Vorteile bei der Flucht vor natürlichen Feinden haben als kleinere oder als die Einzeltiere. Dabei schickten die Wissenschaftler die Fische in Gruppen unterschiedlicher Größe durch eine mit Wasser gefüllte Röhre, die sich am Ende in zwei Seitenarme aufteilte. Im einen Arm befand sich ein künstlicher Raubfisch, der erst kurz vor der Abzweigung zu erkennen war. Es zeigte sich, dass ein einzelner Fisch den Feind in 55,6 Prozent aller Fälle erkennt. Bereits zwei Fische erreichen einen Wert von über 70 Prozent. Mit zunehmender Schwarmgröße wird der Raubfisch immer zuverlässiger gemieden. Zudem schwammen die Fische umso schneller, je größer die Gruppe war. Das lässt sich als Vertrauen in die Schutzfunktion der Gruppe interpretieren, das die natürliche Vorsicht in unbekannten Umgebungen kompensiert. Die Ergebnisse bestätigen die "Viele-Augen“-Hypothese, wonach große Gruppen eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, Feinde rechtzeitig wahrzunehmen, weil jeder einzelne Fisch nur einen kleinen Teil der Umgebung im Blick behalten muss.

Zuverlässige "vox populi“

Entscheidungen von Schwärmen sind häufig tolerant gegenüber den Fehlern Einzelner. Das hat der britische Wissenschaftler Francis Galton, ein Cousin Darwins, bereits 1907 festgestellt. Auf einer landwirtschaftlichen Messe ließ er die Besucher das Gewicht eines Zuchtbullen schätzen. Die Auswertung von fast 800 Tipps ergab, dass der statistische Mittelwert aller Schätzungen bis auf 0,8 Prozent an das tatsächliche Gewicht des Bullen herankam. Sogar professionelle Züchter lagen weiter daneben als der Gruppendurchschnitt. Dieses Ergebnis wertete Galton als Beweis für die Zuverlässigkeit der "vox populi“, der Stimme des Volkes, und damit zugleich als Rechtfertigung für die Zuverlässigkeit demokratischer Entscheidungen. Auch bei den populären Fernseh-Quizshows, bei denen der Kandidat die Meinung des Publikums einholen darf, erweist sich dessen Einschätzung meist als richtig. Ob das bereits als eine Spielart kollektiver Intelligenz gelten darf, ist umstritten. Manche Wissenschaftler fordern als notwendiges Merkmal von Schwarmintelligenz sozialen Kontakt und Informationsaustausch zwischen den einzelnen Gruppenmitgliedern. So sehen die Vögel im Schwarm, wohin der Nachbar fliegt und können im Sekundenbruchteil darauf reagieren. Ameisen orientieren sich an Duftmarken und Bienen informieren sich gegenseitig mittels der berühmten Schwänzeltänze über entdeckte Futterquellen.

Beim Menschen sind die Mechanismen der Interaktion vielschichtiger und subtiler, können aber dennoch zu einer Art Gruppenintelligenz führen. Das zeigte eine Studie der Carnegie Mellon Universität (USA).

Die Wissenschaftler ließen Gruppen von zwei bis fünf Personen Aufgaben lösen. Dabei zeigte sich, dass die - zuvor gemessene - Intelligenz der einzelnen Teilnehmer die unterschiedliche Leistung der verschiedenen Gruppen nicht erklären kann. Stattdessen identifizierten die Forscher einen statistischen Faktor, den sie als "kollektive Intelligenz“ interpretieren. Diese war umso höher, je besser die Kommunikation innerhalb der Gruppen funktionierte. Oder anders herum: Je stärker die Diskussion von dominanten Alpha-Tieren geprägt wurde, desto schlechter schnitt die Gruppe bei den Aufgaben ab. Auch die soziale Sensitivität, als das Gefühl für die Stimmung des Gegenübers, spielte eine Rolle.

Nicht vor Fehlern gefeit

Gleichberechtigung der Akteure ist eine Voraussetzung für schwarmintelligentes Verhalten. Dennoch wäre es verfrüht, daraus die Unterlegenheit sämtlicher hierarchischer Strukturen ableiten zu wollen. Nicht in jeder Situation ist das Votum der Masse korrekt. Eine Grenze sind etwa Aufgaben, die explizites Fachwissen erfordern. In Studien haben Sozialpsychologen festgestellt, dass heterogene Gruppen zu gegenseitigem Misstrauen und in der Folge einem Abbruch der Kommunikation neigen können. Auch Verkehrsstaus, Kursstürze an der Börse oder Massenpaniken wie jene auf der letztjährigen Loveparade in Duisburg zeigen, dass ein unreglementiertes Kollektiv nicht immer wünschenswertes Verhalten aufweist. Das Phänomen der Schwarmintelligenz birgt nur das Potenzial in sich, Entscheidungen zu optimieren. Noch ist aber nicht hinreichend erforscht, unter welchen Bedingungen es wirklich gewinnbringend angewandt werden kann. "Soweit das Leittier eine Situation richtig erfassen und beurteilen kann, fahren Herden gut mit dem Führungsprinzip“, meint Unternehmensberater Jochen May. "Schwarmintelligenz leistet hingegen dort gute Dienste, wo die Komplexität einer Situation durch den Einzelnen nur unvollständig erfassbar ist.“

Konflikt im Blick

May gehört der wachsenden Gruppe jener Berater an, die im Vorbild der Tierwelt einen neuen Stil der Unternehmensführung erkennen. Mitarbeiter werden dabei als anonyme, aber wertvolle Leistungsträger betrachtet, die im Kollektiv viele Aufgaben besser lösen können, wenn man ihnen die Freiräume dafür lässt. Damit sind Führungskräfte keineswegs aus der Verantwortung genommen. Ihre neue Aufgabe ist es, für die Bedingungen zu sorgen, unter denen sich Schwarmintelligenz entfalten kann. Sie legen das "Was“, aber nicht das "Wie“ fest. Dadurch, so die Theorie, entwickeln Mitarbeiter das natürliche Interesse, neue Lösungen zu erarbeiten, die man in keinem "Prozesshandbuch“ findet. Ziel ist ein Unternehmen, das wie ein Fischschwarm selbstständig den richtigen Weg findet. Damit derartige Konzepte in der Praxis funktionieren, müsse auf der Ebene der Befehlsgeber wie der Befehlsempfänger ein Umdenken stattfinden. "Das ist leider keine banale Forderung, denn zur Schwarmintelligenz gehört ein gewisses Maß an schöpferischer Unruhe“, so May. "Viele Vorgesetzte haben Probleme mit guten Ideen, die nicht von ihnen selbst kommen.“

An der Unternehmensführung zeigen sich Potenziale und Herausforderungen der Schwarmintelligenz. Die inhärente Spannung zwischen Netzwerkstruktur und Hierarchie, zwischen Individuum und Kollektiv, zwischen Durchschnittsperson und Ausnahmeerscheinung rückt ins Blickfeld.