Digital In Arbeit
Feuilleton

Geradezu klassisches Drama

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Am Südosten Australiens treffen der indische Ozean und das Südpolarmeer aufeinander. In dieser windigen, gottverlassenen Gegend spielt der Film "The Light Between Oceans", der diese Woche bei uns in die Kinos gelangt. Das bewegende Drama feierte gerade bei den Filmfestspielen von Venedig seine Uraufführung. Die Verfilmung eines Bestsellers der australischen Schriftstellerin M. L. Stedman durch Derek Cianfrance ("Blue Valentine","The Place Beyond The Pines") beeindruckt mit großen schauspielerischen Leistungen, elegischen Bildern einer kargen Insellandschaft und einer herzzerreißenden Geschichte.

Hauptschauplatz ist eine einsame Insel, auf der nur der Leuchtturmwärter Tom (Michael Fassbender), ein verschlossener und vom Ersten Weltkrieg traumatisierter Mann, sowie seine junge und lebenslustige Frau Isabel (Alicia Vikander) leben. Das Glück der beiden Frischvermählten wird allerdings durch zwei Fehlgeburten getrübt. Als eines Tages ein Boot mit einem Toten und einem quietschlebendigen Baby an den Strand gespült wird, ist das für Isabel wie ein Geschenk des Himmels: Mit allen Kräften überredet sie ihren skeptischen Mann, das Kind als das ihre auszugeben und großzuzuziehen.

Schreckliche Wiedergutmachung

Die kleine Lucy wächst also sorgenfrei als Tochter des Leuchtturmwärterehepaares auf. Doch bei einem der seltenen Ausflüge aufs Festland begegnet Tom der wahren Mutter Hannah (Rachel Weisz), die nicht über den Verlust ihrer Familie hinweggekommen ist. Da plagt ihn das schlechte Gewissen - und er schickt ihr einen anonymen Brief, in dem er ihr versichert, dass es ihrer Tochter gut geht. Von da an allerdings lässt Hannah nichts unversucht, ihr verlorenes Kind wiederzufinden. Es ist ein geradezu klassisches Drama, bei dem das nachvollziehbare Handeln aller Beteiligten ins Verderben führt.

"The Light Between Oceans" wirft auch die schwierige ethische Frage auf, ob die Wiedergutmachung eines schrecklichen Unrechts nicht manchmal zu einer noch viel schrecklicheren Situation für alle Beteiligten führen kann. Und es zeigt auch, dass ein ehrlicher, gewissenhafter Mann ein Riesenglück haben muss, um in dieser Welt nicht unter die Räder zu kommen.

The Light Between Oceans. Regie: Derek Cianfrance. Mit Michael Fassbender, Alicia Vikander.Constantin. 133 Min.

Am Südosten Australiens treffen der indische Ozean und das Südpolarmeer aufeinander. In dieser windigen, gottverlassenen Gegend spielt der Film "The Light Between Oceans", der diese Woche bei uns in die Kinos gelangt. Das bewegende Drama feierte gerade bei den Filmfestspielen von Venedig seine Uraufführung. Die Verfilmung eines Bestsellers der australischen Schriftstellerin M. L. Stedman durch Derek Cianfrance ("Blue Valentine","The Place Beyond The Pines") beeindruckt mit großen schauspielerischen Leistungen, elegischen Bildern einer kargen Insellandschaft und einer herzzerreißenden Geschichte.

Hauptschauplatz ist eine einsame Insel, auf der nur der Leuchtturmwärter Tom (Michael Fassbender), ein verschlossener und vom Ersten Weltkrieg traumatisierter Mann, sowie seine junge und lebenslustige Frau Isabel (Alicia Vikander) leben. Das Glück der beiden Frischvermählten wird allerdings durch zwei Fehlgeburten getrübt. Als eines Tages ein Boot mit einem Toten und einem quietschlebendigen Baby an den Strand gespült wird, ist das für Isabel wie ein Geschenk des Himmels: Mit allen Kräften überredet sie ihren skeptischen Mann, das Kind als das ihre auszugeben und großzuzuziehen.

Schreckliche Wiedergutmachung

Die kleine Lucy wächst also sorgenfrei als Tochter des Leuchtturmwärterehepaares auf. Doch bei einem der seltenen Ausflüge aufs Festland begegnet Tom der wahren Mutter Hannah (Rachel Weisz), die nicht über den Verlust ihrer Familie hinweggekommen ist. Da plagt ihn das schlechte Gewissen - und er schickt ihr einen anonymen Brief, in dem er ihr versichert, dass es ihrer Tochter gut geht. Von da an allerdings lässt Hannah nichts unversucht, ihr verlorenes Kind wiederzufinden. Es ist ein geradezu klassisches Drama, bei dem das nachvollziehbare Handeln aller Beteiligten ins Verderben führt.

"The Light Between Oceans" wirft auch die schwierige ethische Frage auf, ob die Wiedergutmachung eines schrecklichen Unrechts nicht manchmal zu einer noch viel schrecklicheren Situation für alle Beteiligten führen kann. Und es zeigt auch, dass ein ehrlicher, gewissenhafter Mann ein Riesenglück haben muss, um in dieser Welt nicht unter die Räder zu kommen.

The Light Between Oceans. Regie: Derek Cianfrance. Mit Michael Fassbender, Alicia Vikander.Constantin. 133 Min.